Massive Finanzierungslücken
Kassen: Beitragssätze steigen auf 15,6 Prozent

Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen müssen sich auf deutliche Steigerungen des Beitragssatzes einstellen. Allein für 2007 gehen die Kassen-Spitzenverbände von einem durchschnittlichen Satz von 15,2 Prozent aus. 2009 soll er sich dann noch weiter erhöhen. Gleichzeitig gelingt es den Kassen aber nicht, in der eigenen Verwaltung zu sparen.

HB BERLIN. 2009 soll der Beitragssatz nach Kassenberechnungen auf 15,6 Prozent steigen. Dies wären 1,4 Punkte mehr als heute. Nach dem Handelsblatt berichtete nun auch die „Süddeutschen Zeitung“ über die neuen Berechnungen der Kassen. Danach fehlen diesen bis zum Jahr 2009 etwa 13,1 Milliarden Euro.

Nach den Plänen der großen Koalition soll der Beitragssatz im kommenden Jahr lediglich um 0,5 Prozentpunkte steigen. Die von der Koalition in ihren Reformeckpunkten vorgesehenden Steuerzuschüsse gleichen aber nicht die bereits beschlossene Streichung der bisherigen Steuerzuschüsse von heute 4,2 Milliarden Euro aus. Insgesamt ergibt sich den Kassen-Berechnungen zufolge eine Finanzierungslücke von 700 Millionen Euro in diesem Jahr, 6,9 Milliarden 2007, 3,5 Milliarden 2008 und 2 Milliarden 2009 - insgesamt 13,1 Milliarden Euro.

Mit den neuen Zahlen konfrontiert schlägt nun auch die Wirtschaft Alarm. Den Grund für die wachsende Belastung sehen die Unternehmensführungen vor allem in dem ab 2008 geplanten Gesundheitsfonds. Die Arbeitgeber fürchten, dass die Bundesregierung den gesetzlichen Einheitsbeitrag für den Fonds weit über dem heutigen Durchschnittsbeitrag festlegen wird, um zu vermeiden, dass viele Krankenkassen ihre Versicherten mit einem Zusatzbetrag zur Kasse bitten müssen. Einen solchen Zusatzbetrag in Form einer Kopfpauschale oder eines Prozentteils des Haushaltseinkommens müssten nach dem Konzept der Koalition Kassen erheben, die mit den Zuweisungen aus dem Fonds nicht auskommen.

„Mit dem Fonds wird sich weder die Ausgabendynamik verringern lassen, noch bewirke er die notwendige Abkopplung der Gesundheitskosten vom Lohn,“ sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Der Fonds führe auch nicht zu mehr Wettbewerb. Vielmehr werde durch den einheitlichen Fondsbeitrag der bisherige Wettbewerb der Kassen um den günstigsten Beitragssatz abgeschafft.

Am Freitag wurde zudem bekannt, dass die Verwaltungskosten der 250 gesetzlichen Kassen weiter angestiegen sind - trotz wiederholter Sparappelle. In den vergangenen zehn Jahren gaben sie zwei Milliarden Euro mehr aus, wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine Statistik des Bundesgesundheitsministeriums berichtete. 1995 hätten die Kassen noch 6,1 Milliarden Euro für ihre eigene Verwaltung benötigt. Das seien umgerechnet 121,05 Euro pro Mitglied. Bis zum Jahr 2005 stiegen die Ausgaben auf 8,15 Milliarden Euro. Dies entspreche 161,84 Euro pro Mitglied.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%