Deutschland
Massive Kritik an Vorstoß für aktive Sterbehilfe

Der Vorstoß des Hamburger Justizsenators Roger Kusch (CDU) zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe steht weiterhin massiv in der Kritik. „Mit dieser Auffassung steht Herr Kusch ziemlich isoliert da“, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) in einem „Spiegel“-Interview.

dpa BERLIN. Der Vorstoß des Hamburger Justizsenators Roger Kusch (CDU) zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe steht weiterhin massiv in der Kritik. „Mit dieser Auffassung steht Herr Kusch ziemlich isoliert da“, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) in einem „Spiegel“-Interview.

Abgesehen davon, dass eine solche Debatte in Deutschland wegen der Nazi-Zeit historisch belastet sei, entspreche sie auch nicht den Bedürfnissen der Menschen. Der baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll (FDP) betonte in einem dpa-Gespräch, dass die Strafbarkeit der Tötung auf Verlangen beibehalten werden müsse, weil damit eine wichtige Signalwirkung verbunden sei. „Jede Aufweichung des Tatbestandes schwächt den Schutz des Lebens.“ Mit seinem Vorstoß sei Kusch über das Ziel hinaus geschossen. Dies gelte aber ebenso für diejenigen, die passive Sterbehilfe unter Strafe stellen wollten. „Da lehnt man sich an beiden Fenstern sehr weit hinaus“, sagte Goll.

Auch der sächsische Justizminister Geert Mackenroth (CDU) wies den Vorschlag seines Amtskollegen und Parteifreunds Kusch scharf zurück. Der grundsätzlich gesicherte Lebensschutz würde durch eine aktive Sterbehilfe in ganz bedenklichen Maße ausgehöhlt, sagte Mackenroth der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Aus vielen Gesprächen mit Palliativmedizinern weiß ich, dass eine punktgenaue Abgrenzung in der Praxis nicht möglich ist“.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann warnte in der „Süddeutschen Zeitung“ vor einem „gefährlichen Weg für die Gesellschaft“. Im Falle der Legalisierung der Sterbehilfe hätte sie allergrößte Furcht vor einem Missbrauch. Bei der Entscheidung über eine Tötung auf Verlangen könnten auch die Kosten einer Behandlung eine Rolle spielen, sagte Käßmann. „Ich möchte nicht in einer Situation leben, in der Menschen Angst haben müssen vor Ärzten oder Pflegekräften.“

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