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Mathematiker warnen: Privatversicherte zahlen bald mehr

Die rund acht Millionen Vollversicherten in privaten Krankenversicherungen müssen sich auf deutlich steigende Beiträge einstellen. Das hat die Vereinigung der Versicherungsmathematiker, die Deutsche Aktuarvereinigung, ausgerechnet. Sie hat die Gesundheitsreform unter die Lupe genommen und festgestellt: Die Verlierer der Reform sind die nicht wechselbereiten oder nicht mehr zum Wechsel fähigen Kunden.

Versicherungsmathematiker haben ausgerechnet, wer die Verlierer der Gesundheitsreform sind. Foto: dpa Quelle: dpa
Versicherungsmathematiker haben ausgerechnet, wer die Verlierer der Gesundheitsreform sind. Foto: dpa Quelle: dpa

DRESDEN. Wie viele Millionen Versicherte das sein werden, kann derzeit aber niemand schätzen. Bisher halten sich Wechsel von privat Versicherten in Grenzen, weil sie sich selten lohnen. Künftig hängt dies davon ab, wie stark die neuen Wechselmöglichkeiten genutzt werden. Grundsätzlich gehen Mathematiker davon aus, dass vor allem junge und gesunde Kunden innerhalb des Systems der privaten Krankenversicherung zu einem günstigeren Anbieter wechseln werden und dabei auch bisher angesparte Altersrückstellungen mitnehmen. Dies ist durch das neue Recht im ersten Halbjahr 2009 möglich.

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Solche Wanderungsbewegungen sind jedoch negativ für die etablierten Anbieter und ihre eher alten und häufiger kranken Kunden. Letztere bleiben zwangsweise bei einem Versicherer mit ohnehin relativ hohen Beiträgen. Sie müssen zudem künftig mit noch höheren Belastungen im Monat rechnen, weil die Kosten ihres Unternehmens steigen – erstens wegen der ungünstigeren Kundenstruktur und zweitens weil Altersrückstellungen verloren gehen. Diese Rückstellungen werden von privaten Krankenversicherungen genutzt, um Beitragserhöhungen insbesondere für ältere Kunden abzumildern. Mit dem neuen Recht schwinden diese Möglichkeiten.

Aufgrund dieser gravierenden Auswirkungen für einen großen Teil der privat Versicherten forderten Vorstände von privaten Krankenversicherungen in Dresden von der Politik Nachbesserungen. Roland Weber, Vorstand der Debeka Krankenversicherung, und Heinz-Werner Richter, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Krankenversicherung, wollen insbesondere die Wechselmöglichkeiten in den neuen Basistarif einschränken. Für Weber ist das eine Existenzfrage: „Die private Krankenversicherung kann nur überleben, wenn es ein vernünftiges Modell für die Übertragung der Altersrückstellungen gibt.“ Den neuen Basistarif bezeichnete er als „Fehlkonstruktion“, weil er zu viel beinhalte. Innerhalb der Aktuarvereinigung will Debeka-Vorstand Weber daher unter anderem darauf hinarbeiten, dass auch Kranke ihren Versicherer wechseln können.

Gefordert ist nach Ansicht der Aktuare nun nicht nur die Politik mit Nachbesserungen im Detail. Parallel werden die Gerichte bemüht. Denn aus der Sicht von Weber und Richter ist die neue Struktur in der privaten Krankenversicherung verfassungswidrig. Doch ob diese Frage noch rechtzeitig, also vor 2009, geklärt wird, gilt als offen.

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