Matthias Kollatz-Ahnen
Ex-Banker wird Berlins Finanzsenator

In drei Wochen hat Berlin einen neuen Regierungschef – und zwei neue Senatoren. Beim künftigen Herrn über Geld und Zahlen ist Michael Müller ein Coup gelungen. Der neue Senat zeigt schon seine Handschrift.
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Berlin Berlins künftiger Regierungschef ist ein Schelm. Er habe zuletzt richtig Spaß gehabt beim morgendlichen Zeitunglesen, sagt Michael Müller (SPD). Wenn da ein Name nach dem anderen genannt und wieder verworfen wurde für die zwei offenen Posten in seinem Kabinett. Doch nun hat die Geheimniskrämerei des 49-Jährigen ein Ende: Müller holt einen auswärtigen Banker ins Finanzressort und einen praxiserfahrenen Ost-Berliner für die Stadtentwicklung. Beide sind auch Sozialdemokraten.

Der neue Finanzsenator, Matthias Kollatz-Ahnen, war bereits Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, ist Physiker, Volkswirt und Ingenieur zugleich. Er bringe Berufserfahrung aus der Verwaltung, der Unternehmensführung und aus dem Finanzsektor mit, sagt der 57-jährige Hesse über sich selbst. Zuletzt war er als Wirtschaftsminister im Schattenkabinett des hessischen SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel nominiert. Derzeit arbeitet er bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers.

Ein Finanzsenator müsse ja nicht nur Zahlenwerk im Griff haben, erklärt Müller - und lobt Kollatz-Ahnen als Fachmann der deutschen und europäischen Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Kollatz-Ahnen sagte, Berlin stehe vor vielen Herausforderungen, sei in den vergangenen Jahren aber durchaus weit gekommen. Dennoch werde es wegen der von 2020 an gültigen Schuldenbremse nicht einfach. Sein Ziel sei es, die geringe Investitionsquote zu erhöhen. Der bisherige Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) hatte nach dem angekündigten Abgang Wowereits sein Amt zur Verfügung gestellt.

Dass Berlins designierter Regierender Bürgermeister seinen Finanzsenator außerhalb Berlins gesucht hat, ist keine Überraschung. Es sollte jemand werden, der distanziert ist und „nicht bei jeder Forderung eines Senators gleich mitweint“, sagt Müller. Ein ausgewiesener Finanzexperte war ihm besonders wichtig – vielleicht auch, weil er anders als Noch-Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) selbst kein so leidenschaftlicher Haushälter und Zahlenexperte ist. Eine Zielvorgabe macht Müller trotzdem: das Geld zusammenhalten, gleichzeitig aber sensibel investieren.

Damit geht Müller auch auf Wünsche seiner Partei ein. Nach den Jahren harter Konsolidierung unter den Finanzsenatoren Thilo Sarrazin (SPD) und Ulrich Nußbaum (parteilos) gibt es jetzt Spielraum. Der soll nach dem Willen der SPD nicht nur in die Schuldentilgung fließen. Berlin kommt seit 2013 ohne neue Kredite aus, konnte bereits rund 1,5 der davor 63 Milliarden Euro Schulden tilgen. Nußbaum kamen dabei die zuletzt gute Konjunktur und Berlins erstarkende Wirtschaft mit erheblichen Steuermehreinnahmen zugute.

Der neue Stadtentwicklungssenator ist ein alter Bekannter Müllers. Andreas Geisel ist seit 2011 Bezirksbürgermeister in Lichtenberg, war davor jahrelang Bezirksbaustadtrat, ist seit 1990 in der SPD. „Stadtentwicklung - das ist ein Ressort, an dem mein Herz hängt“, sagt der 48-jährige Berliner. Er wolle die Projekte weiterführen, die sein Vorgänger Müller in den vergangenen Jahren angestoßen habe.

Bei den Inhalten seien sie sich einig, sagt auch Müller – und meint damit besonders bezahlbare Wohnungen. Auf die wohnungspolitischen Ideen in Lichtenberg hatte der 49-Jährige schon in seinen Bewerbungsreden für die Wowereit-Nachfolge immer wieder hingewiesen.

Mit dem neuen Senatorenteam zeichnet sich Müllers Handschrift ab. Einen grundsätzlichen Kurswechsel wird es bis zur Abgeordnetenhauswahl 2016 nicht geben.

Am 11. Dezember soll Müller zum neuen Berliner Regierungschef gewählt werden – unmittelbar nach Wowereits Rücktritt. Am selben Tag müssen alle Senatoren neu vereidigt werden. Weitere Umbesetzungen etwa bei den SPD-Ressorts Bildung und Arbeit/Integration will Müller nicht vornehmen. Die Kultur will er - wie zuvor Wowereit - mitverantworten. „So eine Senatsmannschaft ist ja ein Gesamtkunstwerk“, sagt Michael Müller, der Schelm.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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