Matthias Kurth
„Die Netzrenditen sind attraktiv“

Matthias Kurth macht die Hoffnungen der Stromnetzbetreiber auf höhere Renditen zunichte. Im Handelsblatt-Interview spricht der Präsidenten der Bundesnetzagentur über die Zukunft der deutschen Stromnetze, die Rolle der EU dabei und über die Chancen für eine deutsche Netzgesellschaft.
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Herr Kurth, es herrscht Einigkeit darüber, dass der Ausbau der Stromnetze beschleunigt werden muss. Glauben Sie daran, dass es gelingt, in Deutschland in den nächsten zehn Jahren mehrere hundert oder gar tausend Kilometer Hochspannungsleitungen zu bauen wie von vielen Fachleuten gefordert?

Matthias Kurth: Es gibt keine Alternative zu einem Ausbau der Netze. Ohne ganz erhebliche Investitionen in die Netze lassen sich die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung zum Ausbau der erneuerbaren Energien nicht erreichen. Die Bundesregierung strebt bis 2020 einen Anteil der Erneuerbaren an der Stromproduktion in Höhe von 35 Prozent an. Das allein macht enorme Investitionen in die Netze erforderlich. Der Strom, der künftig etwa in den Windparks in Nord- und Ostsee produziert wird, muss schließlich in die Verbrauchszentren im Westen und Süden der Republik geleitet werden. Die Deutsche Energie-Agentur wird in diesem Zusammenhang wohl von einem Bedarf von bis zu 3 500 Kilometern neuer Hochspannungsleitungen ausgehen. Das ist aber erst ein Anfang. 2050 soll der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung ja bereits 80 Prozent betragen. Es führt also kein Weg an neuen Netzen vorbei.

In ihrem Energiekonzept nennt die Bundesregierung an erster Stelle Kooperationsplattformen und Informationsoffensiven als Mittel zur Auflösung des Staus beim Bau neuer Netze. Reicht das aus?

Kurth: Natürlich spielt die Kommunikation eine ganze wichtige Rolle. Das wird mit einem Blick auf das Projekt Stuttgart 21 deutlich. Wer für den Bau neuer Hochspannungsleitungen wirbt, sollte unmissverständlich klar machen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien untrennbar mit zusätzlichen Netzkapazitäten verbunden ist. Allerdings reicht es nicht aus, allein auf eine bessere Kommunikation zu setzen. In der vergangenen Legislaturperiode hat die Politik mit dem Energieleitungsausbaugesetz bereits den richtigen Weg gewiesen. In dem Gesetz werden bestimmte Leitungsprojekte priorisiert. Für diese Projekte wird beispielsweise der Rechtsweg in Widerspruchsverfahren um eine Instanz gekürzt. Es gibt darüber hinaus sicher noch weitere Möglichkeiten, die Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.

Sind nicht auch die Netzbetreiber selbst in der Pflicht, für eine höhere Akzeptanz zu sorgen?

Durchaus. Es ist denkbar, dass sich durch teilweise Erdverkabelungen Vorbehalte in der Bevölkerung ausräumen lassen. Allerdings ist das bislang nur eine These. Wir sind da noch in einer Lernphase. Das Energieleitungsausbaugesetz hat ja vier Pilotprojekte für eine Teilerdverkabelung definiert. Wir werden sehen, ob die unterirdische Verlegung der Kabel hilft, Vorbehalte in der Bevölkerung zu beseitigen.

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