Matthias Platzeck
Der Aufstieg des Deichgrafen

Der Name Matthias Platzeck fiel immer wieder, wenn in der SPD wichtige Posten vakant wurden. Er hätte im Kabinett Merkel Außenminister werden können, wollte aber in Brandenburg bleiben. Nun nahm ihn die SPD doch noch in die Pflicht.

Gestern hielt sich Platzeck nach dem spektakulären Amtsverzicht von SPD-Chef Franz Münteferings zunächst bedeckt und ließ offen, ob er für das Spitzenamt antreten will. Am späten Abend - nach einer Ausprache mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck - wurde jedoch klar: Er soll der neue Parteivorsitzende werden.

Der 51-Jährige Platzeck gilt als politisches Talent und durchaus fähig, auch in Berlin eine wichtige Rolle zu spielen, schließlich hat er langjährige Regierungserfahrung. Doch sein Wirkungskreis war bisher weitgehend auf Brandenburg beschränkt, wo er seit 2002 als Ministerpräsident eine große Koalition führt.

In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt im September bilanzierte Matthias Platzeck den Ausgang der Bundestagswahl noch als Stärkung für die „Neue SPD“: "Die jüngste Bundestagswahl bedeutet für die deutsche Sozialdemokratie nicht weniger als eine historische Zäsur", schrieb er. "Die SPD nach dieser Wahl ist eine andere, eine mit sich selbst einigere Partei als die SPD vor dieser Wahl." Weit gefehlt - mit der Nomninierung von Andrea Nahles zur Generalsekretärin rissen die alten Gräben wieder auf. Nun muss Platzeck das erneute Chaos ordnen, den rechten und linken Flügel zusammenbringen.

Einem Außenminister-Amt in der Bundesregierung hatte Platzeck zuvor noch eine Absage erteilt. "Ich bleibe hier", verkündete er aus Postdam damals und manch einer rieb sich verwundert die Augen, dass ein Politker freiwillig die Chance auf größere Gestaltungsmöglichkeiten vergab. Doch vielleicht hielt sich Platzeck einfach an den Rat seines Vaters: "Wenn du schon in eine Partei eintrittst, dann versuche, ihr Vorsitzender zu werden."

Spät berufener Sozialdemokrat

Platzeck werden zwar gute Kontakte zum scheidenden Bundeskanzler Gerhard Schröder nachgesagt, in der Partei ist er aber längst nicht so stark verankert wie Kurt Beck, der ihm nun den Vortritt ließ. Sich selbst bezeichnet der Brandenburger gern als „spät berufenen Sozialdemokraten“. Zunächst Mitglied im ostdeutschen Bündnis 90, war er der SPD erst 1995 nach längerer Überlegung beigetreten.

Was folgte, war eine schnelle Karriere, die ihn zum Hoffnungsträger der SPD im Osten machte. Bundesweit bekannt wurde Platzeck, als er während des Oderhochwassers 1997 Tag für Tag als Landesumweltminister und Krisenmanager auf den Sandsäcken stand, was ihm den Spitznamen „Deichgraf“ einbrachte.

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Mit seinem Einsatz gewann er die Sympathien der Brandenburger und qualifizierte sich als möglicher künftiger Landesvater. Das Amt des Ministerpräsidenten übernahm er schließlich im Sommer 2002 vom damals überraschend zurückgetretenen Manfred Stolpe, im Jahr 2004 wurde er für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Platzeck ist von Beruf Ingenieurwissenschaftler und hat drei Kinder aus geschiedener Ehe.

Selbst aus der Union gab es Applaus für Platzeck. Der brandenburgische Ministerpräsident sei gut für die Große Koalition, hieß es. Mit Platzeck sei kein Linksruck in der SPD zu befürchten, sagte Brandenburgs CDU-Chef und Innenminister im RBB. Erleichtert wurde die Entscheidung für Platzeck auch von vielen SPD-Politikern aufgenommen: "Er betreibt einen erfrischend anderen Politikstil, ist offen und kann hervorragend integrieren." Die Erwartungen sind groß.

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