Mauerfall-Jubiläum
Clinton ruft zur Verteidigung der Freiheit auf

Mit zahlreichen Feierlichkeiten erinnert Berlin heute an den Fall der Mauer vor 20 Jahren. Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt in der Hauptstadt Staatsgäste, wie Hillary Clinton. Die US-Außenministerin forderte angesichts des Mauerfall-Jubiläums neue Opfer zur Verteidigung der erlangten Freiheit. Ihr deutscher Amtskollege Westerwelle dankte den Amerikanern - in seiner ersten englischen Rede.
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BERLIN. Amerikaner und Europäer müssen ihren weltweiten Kampf für Freiheit und Demokratie fortsetzen und verstärken. Das sei die zentrale Lehre aus dem 20. Jahrestag des Mauerfalls, unterstrich die amerikanische Außenminister Hillary Clinton in einer Rede in Berlin am späten Sonntagabend. Kurz vor den zentralen Berliner Feierlichkeiten zum Sturz der innerdeutschen Mauer am 9. November 1989 betonte die Außenministerin, dass Washington den 9. November nicht nur als Anlass sieht, in die Vergangenheit zu blicken. Ausdrücklich forderte Clinton die Europäer auf, gemeinsam mit den Amerikanern für die Durchsetzung ihrer Werte zu kämpfen. "Die transatlantische Allianz muss erneuert werden, als Eckpfeiler der weltweiten Entwicklung." Es gebe keine Mauer, die beide nicht bezwingen könnten, sagte sie in Anspielung auf eine Passage der Rede, die die Bundeskanzlerin vergangene Woche vor dem US-Kongress gehalten hatte.

Ausdrücklich erinnerte Clinton daran, dass die deutsche Einheit und das Ende des Kalten Krieges nur möglich gewesen seien, weil es eine lange Reihe von Politiker gegeben habe, die ein klares Ziel hatten, nämlich den Kampf gegen Unterdrückung. Zudem seien die Völker auch zu großen Opfern bereit gewesen, um ihr Ziel zu erreichen. Mit derselben Entschlossenheit müssten nun die neuen Aufgaben wie der Kampf gegen gewalttätigen islamischen Terror, die Verbreitung von Atomwaffen, gegen den Klimawandel und die Verbreitung der Freiheit fortgesetzt werden. "Wir haben die Verantwortung, diesen Kampf überall auf der Welt zu führen."

Clinton greift damit direkt in die aktuelle transatlantische Debatte über die künftige Rolle der Nato und die Anstrengungen in Afghanistan ein. Die US-Regierung möchte die Nato verstärkt zu einem weltweit einsetzbaren Instrument umwandeln, das allerdings nicht nur militärische Aufgaben erfüllt. In Afghanistan überdenken zurzeit beide Seiten ihre Strategie. Zudem beklagt sich die Obama-Administration aber, dass von den Europäern und auch den Deutschen zu wenige Ideen kämen und man einen größeren Beitrag erwarte.

Anlass der mahnenden Worte Clintons waren die "freedoms awards", die der transatlantische Think-tank "Atlantic Council" verlieh. In Abgrenzung zur Würdigung von Einzelpersonen vergabt der Atlantic Council die Auszeichnungen an die Bürger Berlins, Polens, Tschechiens, der Slowakei, die Nato-Truppen und das amerikanische Volk. Mit der symbolischen Verleihung soll die Rolle der Bevölkerungen und Soldaten bei der friedlichen Revolution gegen die kommunistischen Regierungen hervorgehoben werden. Clinton nahm dabei den Preis für die Amerikaner entgegen, Außenminister Westerwelle für die Deutschen.

Ausdrücklich dankte Westerwelle in seiner - zur Hälfte in fließendem Englisch und frei gehaltenen - Rede den Amerikanern für ihren Beistand während des Kalten Krieges. In einer zum Teil sehr persönlichen Ansprache betonte er dabei, dass er selbst als Kind von seinem Vater an die Berliner Mauer geführt worden sei und welchen Eindruck dies damals auf ihn als 13jährigen gemacht habe. Erstmals betonte Westerwelle zudem, dass er 1987 vom US-Außenministerium zu einer vierwöchigen Reise durch die USA eingeladen worden war, um das Land kennenzulernen.

Zudem sprach Westerwelle die Anerkennung für den Wandel 1989 vor allem den Ostdeutschen zu. "Denn der Ausdruck Mauerfall nicht ganz richtig - die Mauer fiel nicht. Sie wurde von Osten nach Westen umgestürzt, abgetragen, niedergemeißelt durch die friedliche Revolution." Die Mauer sei durch Freiheitsliebe zu Fall gebracht worden. Den Amerikaner versicherte Westerwelle zugleich, dass die deutsch-amerikanischen Beziehungen weiter wichtig seien. "Wir bleiben Partner und Freunde. Deutschland weiß, dass wir nur gemeinsam in Völkerfreundschaft handeln."

Das 20jährige Jubiläum des Mauerfalls beschert Berlin heute eine ungewöhnliche Ansammlung internationaler Staat- und Regierungschefs: Zu den Feierlichkeiten werden etwa der russische Präsident Dmitrij Medwedjew, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown in Berlin erwartet. Rund 3000 Journalisten aus aller Welt wollen über die Feierlichkeiten am früheren Mauerverlauf berichten. Berlin ist übrigens nicht der einzige Ort, an dem an den Mauerfall vor 20 Jahren erinnert wird, der auch zum weltweiten Symbol für das Ende des Kalten Krieges wurde. In Frankreich wird am Montag der Mauerfall auf dem Place de la Concorde gefeiert. In etlichen Ländern werden zudem symbolisch Mauern aufgebaut, die dann im Rahmen von Feierlichkeiten wieder eingerissen werden.

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