Anne Will TV-Kritik
„Gauck lebt noch immer in der DDR“

Edmund Stoiber und Oskar Lafontaine diskutierten bei Anne Will darüber, ob Deutschland bereit ist für einen linken Ministerpräsidenten. Lafontaines Kritik an Bundespräsident Gauck fiel nicht gerade diplomatisch aus.
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BerlinIm Herbst 2007 begann Anne Will mit ihrer gleichnamigen ARD-Talkshow, damals noch am Sonntagabend, der noch immer als der wichtigste Talkshow-Sendeplatz gilt. Im selben Jahr hatte Oskar Lafontaine zwar seine größten Karrierestationen, darunter eine Bundeskanzlerkandidatur, schon hinter sich, legte als Vorsitzender der neu gegründeten Partei Die Linke aber noch mal los. Ebenfalls im Herbst 2007 trat Edmund Stoiber, der ebenfalls einmal Kanzlerkandidat gewesen war, als bayerischer Ministerpräsident zurück.

In diese Zeit, die Nuller Jahre, versetzte die „Anne Will“-Talkshow am späten Mittwochabend ihr Publikum zurück: Vom Zuschauer aus gesehen links und rechts neben der Moderatorin saßen Lafontaine und Stoiber und vertraten mit viel Verve die jeweiligen Positionen zur Frage „Streit um ersten linken Ministerpräsidenten - Ist Deutschland schon so weit?“.

Thüringer, deren Bundesland betroffen ist, waren wie vor zwei Wochen bei Maybrit Illner nicht im Studio, aber neben den beiden älteren Herren aus Westdeutschland zwei jüngere Ostdeutsche. Und so hoch her, wie sich Will das erhofft hatte, ging es von Anfang an.

Als erster bekam Stoiber das Wort. Es ging um Joachim Gaucks umstrittene Äußerungen zum Thema. „Ich respektiere das Votum der Wähler natürlich, aber ich akzeptiere es innerlich nicht ganz“, so charakterisierte Stoiber die Haltung des Bundespräsidenten. Stoiber hegt wie früher keine Scheu vor langen Satzbögen, bei denen Stoiber-Kritiker immer darauf warten, dass er sich so verheddert wie in lange vergangenen Wahlkämpfen. Der Bayer verhedderte sich aber nur selten und vertrat kraftvoll die Ansicht, dass ein Ministerpräsident von der Linken gar nicht gehe.

„Es regt mich nicht sonderlich auf“, leitete dann Lafontaine seinen Beitrag zu Gauck ein. Noch im Verlauf desselben Beitrags geriet er aber doch mindestens so ins Schäumen wie Stoiber. „Wo leben wir eigentlich?“, wenn „ein westdeutscher Gewerkschaftler, ein bekennender Christ“ wie Bodo Ramelow nicht zum Ministerpräsident gewählt werden dürfe.

Lafontaine bezichtigte Gauck, noch immer in der DDR-Vergangenheit befangen zu sein: „Der lebt überhaupt nicht in Deutschland, der lebt immer noch in der DDR“ - mit dem Satz zeigte Lafontaine, dass er sich durchaus auch wortreich aufregte - und wie tief im Westen der alten Bundesrepublik seine saarländische Heimat liegt.

Stephan Hilsberg, Jahrgang 1956, war DDR-Bürgerrechtler und ist SPD-Mitglied, allerdings strikt gegen rot-rote Koalitionen. Er geriet schnell genau so in Fahrt wie Stoiber und Lafontaine. „Ehrabschneidung“ warf er Lafontaine wegen dessen Vorwürfen gegen Gauck vor.

Die katholische Kirche, deren Mitglied der Saarländer ist, habe zu „Appeasement“ geneigt, nicht aber die evangelische "Kirche des Aufbruchs" (der Gauck entstammt), lautete eines seiner Argumente. Ramelow mitzuwählen werde der SPD in künftigen Wahlkämpfen schaden.

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  • Große Teile der "Linke" haben noch immer Probleme
    zu erkennen, dass es ein Unrecht ist, wenn ein Staat
    seine Bürger am Verlassen dieses Staates hindert,
    indem sie diese wie die Hasen abknallen läßt.

    Dennoch erzielt diese Partei zweistellige Wahlergebnisse
    im Osten.

    Das ist so absurd, als wenn die Menschen im Westen Probleme hätten zu erkennen, dass es Unrecht ist, Menschen nur wegen ihrer Religionszugehörigkeit wie Ungeziefer zu vergasen.

    Wir sind ein Volk?
    Wir auch.

  • schöne sendung. die wohlgepamperten politfunktionäre erzählen dem geneigten zuhörer wie die welt funktioniert. schlicht lächerlich. diese ganze hartz IV kacke wird uns noch sehr schwer auf die füße fallen. la fontaine ist sicherlich gut versorgt. was aber den unterschied zu anderen politikern ausmacht - er setzt sich auch für diejenigen ein, die weniger haben. im unterschied zu stoiber und all den anderen. hartz IV mag arbeitsplätze geschaffen haben, aber zu elendsbedingungen, zu denen niemand ein auskömmliches einkommen generieren kann. von ausreichender altersversorgung oder vorausschauender familienplanung mal ganz zu schweigen. dies wird von den christlichen politikern gerne ausgeblendet. sie sind davon ja nicht betroffen. in den letzten jahren haben diese herrschaften einen üblen überwachungsstaat ermöglicht und zugelassen. stasiverhältnisse greifen raum, ohne dass diese politiker dies zu verhindern suchen. wo ist da eigentlich der unterschied zur ehemaligen ddr. dort wurde durch im's und anderem gesoxxe der bürger überwacht. heute machen dies eben computer. wo ist eigentlich der unterschied. die lückenlose überwachung ist heute umfassender. der christlich unsozialen politik sei dank. schade dass nicht thematisiert wurde, was herr gauck stundenlang alleine mit seinen stasiakten zu schaffen hatte. anderen betroffenen wurde ein derartiger umgang mit den akten verwehrt. nachzulesen in "gauck der richtige mann". alle, die nach oben kommen wollen müssen kräftig nach unten treten. wie bei allen revolutionen. die drecksarbeit müssen viele leisten. den nutzen haben einige wenige. dies müssen sie mit ihrem gewissen ausmachen.

  • @Herr der Ringe Ganz richtig, de Gauckler hat schon immer gewusst, auf welcher Seite vom Brot für ihn die Butter ist, auch schon in der DDR hat er sich geschickt durchgegauckelt (siehe dazu dr Wikipedia-Eintrag über ihn: http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Gauck#Studium_und_Pastorenamt_.281958.E2.80.931989.29). Wäre schön gewesen, er hätte die DDR bekämpft als es sie noch gab, nicht jetzt wo man dafür nur Lob bekommt. Ein Speichell... der Mann.

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