Anne Will TV-Kritik

„Gauck lebt noch immer in der DDR“

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„Verharmlosung von DDR-Unrecht“

Darf sich Gauck kritisch über die Linken äußern?

Darf sich Gauck kritisch über die Linken äußern?

Anke Domscheit-Berg, Jahrgang 1968, war ebenfalls Bürgerrechtlerin in der DDR, wurde als Mitglied des Neuen Forums nach dem Mauerfall Grüne; in diesem Jahr ist die ehemalige Microsoft-Managerin aus der Piratenpartei ausgetreten. Es sei „Verharmlosung von DDR-Unrecht, die Linke heute mit der SED damals zu vergleichen“, lautete eine ihrer Thesen.

Nachdem Lafontaine das bereits in der Illner-Sendung verwendete Argument gebracht hatte, dass die abgelöste thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht ja Mitglied der Blockpartei der Ost-CDU gewesen ist, wusste Domscheit-Berg eine Reihe „Blockflöten“-Personalien aufzuzählen.

Es ging also erwartbar, aber munter hin und her. Hilsberg lobte die Hartz-IV-Reformen wegen ihrer Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Von drohenden „Hungerrenten“ sprach Lafontaine. Erst nach einer halben Stunde brachte er das Argument, dass es mehrere Beteiligungen der Linken an ostdeutschen Landesregierungen gab und gibt, ohne dass Deutschland untergegangen sei.

Inwiefern es eine andere Qualität ist, wenn eine Partei in einer Koalition den Ministerpräsidenten stellt anstatt bloß einen Partner, wäre also eine naheliegende Frage gewesen. Stoiber wie Lafontaine als ehemalige Ministerpräsidenten hätten dazu etwas sagen können.

Aber Anne Will fokussierte lieber ausgiebig um die "Unrechtsstaats"-Frage: Genügt die komplizierte Art und Weise, in der auch die thüringische Linke die DDR als solchen bezeichnet? Zum Anstacheln führte ein Einspielfilm betagte Thüringer vor, die bei einer Straßenumfrage verdatterte Antworten gaben.“

Mir ist kein Unrecht passiert, ich habe auch niemandem Unrecht zugefügt", sagte ein Passant. Während „Rechtsstaat“ ein präziser Begriff ist, ist „Unrechtsstaat“ eben einer, der zwar überall Emotionen erregt, aber nicht exakt beziehungsweise je nach Gusto definiert ist. 

Gelegentliche Versuche, damit Aspekte der unmittelbaren Gegenwart zu verknüpfen, gingen vor allem von Domscheit-Berg aus: Lässt sich der digitale „Überwachungsstaat“, der durch die NSA-Skandale ins Bewusstsein gerückt war, mit der DDR vergleichen? Lässt sich die Tatsache, dass von thüringischem "Staatsversagen" gegenüber dem Terror des NSU oft die Rede ist, mit der Diskussion über einen linken Ministerpräsidenten verbinden? Schwierige Fragen, die leider sonst niemanden im Studio und auch die Moderatorin nicht interessierten.

Fazit: Über Zeitgeschichte und ihre Nachwirkung zu diskutieren ist natürlich legitim und notwendig. Unmittelbar vor dem Vierteljahrhunderts-Jubiläum des Mauerfalls liegt es sogar nahe. Wenn als Anlass aber eigentlich das Ergebnis einer demokratischen Landtagswahl dient, hilft es kaum, bloß bekannte Meinungen alter Haudegen einander gegenüberzustellen, die zu wenig mehr führen können als dem gleich eingangs von Stoiber formulierten Natürlich-Respektieren/ innerlich-nicht-ganz-akzeptieren-Dilemma.

Es wäre sinnvoll gewesen, aktuelle Themen, die den Wahlkampf bestimmt haben und die Arbeit der künftigen Regierung bestimmen dürften, zumindest einzubinden. Das ist der jüngsten Anne-Will-Sendung nicht nur nicht gelungen, sie hat es nicht einmal versucht.

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5 Kommentare zu "Anne Will TV-Kritik: „Gauck lebt noch immer in der DDR“"

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  • Große Teile der "Linke" haben noch immer Probleme
    zu erkennen, dass es ein Unrecht ist, wenn ein Staat
    seine Bürger am Verlassen dieses Staates hindert,
    indem sie diese wie die Hasen abknallen läßt.

    Dennoch erzielt diese Partei zweistellige Wahlergebnisse
    im Osten.

    Das ist so absurd, als wenn die Menschen im Westen Probleme hätten zu erkennen, dass es Unrecht ist, Menschen nur wegen ihrer Religionszugehörigkeit wie Ungeziefer zu vergasen.

    Wir sind ein Volk?
    Wir auch.

  • schöne sendung. die wohlgepamperten politfunktionäre erzählen dem geneigten zuhörer wie die welt funktioniert. schlicht lächerlich. diese ganze hartz IV kacke wird uns noch sehr schwer auf die füße fallen. la fontaine ist sicherlich gut versorgt. was aber den unterschied zu anderen politikern ausmacht - er setzt sich auch für diejenigen ein, die weniger haben. im unterschied zu stoiber und all den anderen. hartz IV mag arbeitsplätze geschaffen haben, aber zu elendsbedingungen, zu denen niemand ein auskömmliches einkommen generieren kann. von ausreichender altersversorgung oder vorausschauender familienplanung mal ganz zu schweigen. dies wird von den christlichen politikern gerne ausgeblendet. sie sind davon ja nicht betroffen. in den letzten jahren haben diese herrschaften einen üblen überwachungsstaat ermöglicht und zugelassen. stasiverhältnisse greifen raum, ohne dass diese politiker dies zu verhindern suchen. wo ist da eigentlich der unterschied zur ehemaligen ddr. dort wurde durch im's und anderem gesoxxe der bürger überwacht. heute machen dies eben computer. wo ist eigentlich der unterschied. die lückenlose überwachung ist heute umfassender. der christlich unsozialen politik sei dank. schade dass nicht thematisiert wurde, was herr gauck stundenlang alleine mit seinen stasiakten zu schaffen hatte. anderen betroffenen wurde ein derartiger umgang mit den akten verwehrt. nachzulesen in "gauck der richtige mann". alle, die nach oben kommen wollen müssen kräftig nach unten treten. wie bei allen revolutionen. die drecksarbeit müssen viele leisten. den nutzen haben einige wenige. dies müssen sie mit ihrem gewissen ausmachen.

  • @Herr der Ringe Ganz richtig, de Gauckler hat schon immer gewusst, auf welcher Seite vom Brot für ihn die Butter ist, auch schon in der DDR hat er sich geschickt durchgegauckelt (siehe dazu dr Wikipedia-Eintrag über ihn: http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Gauck#Studium_und_Pastorenamt_.281958.E2.80.931989.29). Wäre schön gewesen, er hätte die DDR bekämpft als es sie noch gab, nicht jetzt wo man dafür nur Lob bekommt. Ein Speichell... der Mann.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • >> „Gauck lebt noch immer in der DDR“ >>

    Propagandistische Verblendung des Deutschen Volkes !

    Gauckler lebt IM SCHLOß, mit einer HOSTESSE, auf Kosten des STEUERZAHLERS mit einer luxuriösen Rundumversorgung, üppigen ANSCHLUSSPANSION !

    Das konnte die DDR dem Gauner NICHT bieten !

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