DDR im Herbst 1989
Die Planwirtschaft am Boden

Nicht nur politisch ist das SED-Regime im Herbst 1989 kurz vor dem Ende – auch die Wirtschaft liegt am Boden. Die DDR hat über ihre Verhältnisse gelebt und die Last auf die Schultern der Bevölkerung verteilt.
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BerlinIn den Läden herrscht Mangel – in der Bevölkerung Spott. „Kommt eine Frau in ein Geschäft und fragt den Verkäufer: „Haben Sie Bettwäsche?“ – Der Verkäufer antwortet gelangweilt: „Wir haben keine Handtücher, keine Bettwäsche gibt es nebenan.“ Die DDR-Wirtschaft hat aber noch ganz andere Probleme.

Viele Industrieanlagen sind im Jahr 1989 veraltet, die Arbeitsproduktivität sinkt seit Jahren. Viele Betriebe arbeiten nicht effizient genug, Produkte etwa aus dem Maschinenbau oder der Elektrotechnik sind auf dem Weltmarkt immer weniger konkurrenzfähig. Die DDR ist hoch verschuldet, es droht die Zahlungsunfähigkeit.

„Der politische Zusammenbruch hat den wirtschaftlichen Zusammenbruch vorweggenommen“, sagt der Historiker Matthias Judt vom Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam. „Es kam beides zusammen: der Freiheitswillen der Bürger und die schwierige wirtschaftliche Lage.“ Die DDR habe über ihre Verhältnisse gelebt, so der Volkswirt Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Nur: Die greise DDR-Führung um Erich Honecker will die Realität offensichtlich lange nicht wahrhaben. Am 18. Oktober 1989 wird Honecker zum Rücktritt gezwungen, Egon Krenz wird Staats- und Parteichef. Kurz nach seinem Amtsantritt verlangt Krenz ein „ungeschminktes Bild“ der wirtschaftlichen Lage. Am 31. Oktober 1989 befasst sich das Politbüro mit einer Analyse, ausgearbeitet von führenden Wirtschaftsexperten um Gerhard Schürer, Chef der staatlichen Plankommission.

Das Papier gleicht einem Offenbarungseid: Das gesamte System der Planwirtschaft sei gescheitert. Viele Produktionsanlagen seien marode, es sei viel zu wenig investiert worden. Bei der Arbeitsproduktivität liege die DDR um 40 Prozent hinter der Bundesrepublik zurück. Die devisenbringenden Exportüberschüsse seien in den vergangenen Jahren gesunken.

Notwendig sei eine grundlegende Reform der Wirtschaftspolitik. Dazu zähle auch eine engere Kooperation mit westlichen Konzernen. Und: die DDR solle die Bundesrepublik erneut um Milliardenkredite bitten - wie bereits 1982, als der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß zwei Milliardenkredite für die DDR einfädelte.

Denn die DDR ist zwar nicht pleite, sie steht im Westen aber mit Milliarden in der Kreide. Die Verschuldung sei „auf eine Höhe gestiegen, die die Zahlungsfähigkeit der DDR in Frage stellt“, heißt es im „Schürer-Papier“. „Allein ein Stoppen der Verschuldung würde im Jahre 1990 eine Senkung des Lebensstandards um 25-30 Prozent erfordern und die DDR unregierbar machen.“

Milliardensubventionen sollen das System stärken

Besonders seit dem Amtsantritt Honeckers nimmt der Staat Milliarden in die Hand, um weite Bereiche des DDR-Alltags zu subventionieren und damit das politische System zu stärken. Mieten, Lebensmittelpreise und Tarife für öffentliche Verkehrsmittel bleiben dadurch niedrig. Der Brötchenpreis liegt konstant bei 5 Pfennig, obwohl die Getreidepreise drastisch stiegen. Eine einfache Fahrt mit dem Bus kostet 20 Pfennig.

Es ist ein Fass ohne Boden. Die Subventionen klettern von acht Milliarden Mark der DDR im Jahr 1970 auf die gigantische Größe von 58 Milliarden im Jahr 1989 - das ist etwa ein Sechstel der Wirtschaftsleistung. Und: die DDR musste sich dafür mehr und mehr nach innen und außen verschulden, schreibt der Historiker André Steiner vom ZZF. Auf der anderen Seite bleiben viele hochwertige Produkte für viele unerschwinglich - ein Farbfernseher etwa kostet Tausende von Mark. Auf ein Auto oder einen Telefonanschluss müssen viele DDR-Bürger lange warten.

Erschwerend kommt für die DDR-Wirtschaft dazu, dass einer ihrer wichtigsten Devisenbringer schwächelt: der Export von Erdölprodukten. 1985 bricht der Erdölpreis auf dem Weltmarkt ein. Die Importpreise für Rohöl aus der UdSSR steigen für die DDR rasant an.

Die Erlöse für veredelte Erdölprodukte, die die DDR exportiert, dagegen fallen in den Keller. „Dadurch wandelte sich der Mineralölexport in ein Zuschussgeschäft, welches maßgeblich den finalen Sinkflug der DDR beschleunigte“, so der Historiker Peter Fäßler.

Krenz reist am 1. November 1989 zum „großen Bruder“ nach Moskau – mit den Zahlen des „Schürer“-Papiers im Gepäck. Der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow aber stellt klar: von der ebenfalls klammen Sowjetunion ist keine Hilfe zu erwarten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " DDR im Herbst 1989: Die Planwirtschaft am Boden"

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  • "... und alle Tiere waren gleich. Aber die Schweine waren gleicher."

    Animal Farm (George Orwell)

  • Man muss wissen dass

    das Bildungssystem in der Ostzone ein ganz spezielles war,
    (theoretisch, duales Bildungssystem [Kernziel Zeugnisgleichheit] „zweiter Bildungsweg“)
    der Welt Grundlagen-Bildung ist die der Grundschule (Volksschule ist Weltweiter Standard),
    wurde dann in der Gemeinschaftsschule modifizieren zu,
    auf das Lösen von Einzelaufgaben bezogene Bildung
    keine Logik, Analytik, Reflexion, Intuition, Wertigkeit, Positionierung, kein Eigenständig/Selbstständiges agieren sondern,
    ein funktionieren in einer befehligten minimal Positionen gestaffelten Hierarchie.
    .
    In einer Gleichheit kann es niemanden geben, der etwas besser weiß oder kann.
    Kein emotional/sozial/ kein sich reflektieren im System, ohne Zeitsystem in der Gegenwart lebend,
    als Grundsatzlage im Miteinander: “von seinem Gegenüber belogen und betrogen zu werden”
    Unterhaltungen werden nur Gegenwarts bezogen wie in der Vorschule geführt.
    Es wird versucht sein Gegenüber zu dominieren zu verletzen oder zumindest zu kränken.
    .
    Mit der FDJ ab `70, verhinderte man auch die Erziehung der Kinder/Jugendlichen unter einander im Spiel – Menschen die sich in einer Gruppe/System nicht mehr positionieren können. (Soziopathisch)
    .
    **Emotionalität als verachtenswerte Eigenschaft** (Psychopathisch)
    .
    Der Schwerpunkt der Bildung, bis zum letzten Tag, lag einzig auf, sich als (Alle) Deutscher in Wort und Schrift Einwandfrei ausdrücken zu können.
    (in gewisser Weise als Hochstapler auftreten zu können, sich so anzuhören als wenn …)
    Hochdeutsch wurde als Fremdsprache gelehrt, um sich negieren (in WEST) zu können.
    Schulbücher waren durch absichtliche Verkomplizierung unbenutzbar gemacht,
    es wurde mit Matrizenkopien gearbeitet oder an der Tafel angeschrieben bis zum letzten Schul-/Studientag
    durch absichtliches Verkomplizieren auch als Nachschlagewerk ungeeignet, um ein Selbststudium zu verhindern,
    im der Ostzone stand Weiterbildung, Fortbildung, Wissen aneignen unter Strafe,
    an der Sabotage angelehnt

  • der M i n i m a l e i s m u s!

    „Untergeordnete Nebensächlichkeiten, erhalten die Gleiche Wertigkeit, wie die Hauptthemen,
    wodurch aber nicht die untergeordnete Nebensächlichkeiten,
    zu „fehlerfreie“ Hauptthemen werden,
    sonder die Hauptthemen werden zu Nebensächlichkeiten.
    Die Konzentration ist nicht mehr ausgerichtet auf das Gelingen des Ganzen, sondern auf die „Fehlerlosigkeit“ der Nebensächlichkeiten,“
    „z.B.: lösen einer Mathe Aufgabe,
    - die winklige Ausrichtung,
    - immer die gleich Strichstärke,
    - Formschrift,
    - Unterstriche genau in der Länge x
    - usw.
    erhalten die gleiche Wertigkeit, wie das richtige Ergebnis.“
    so erklärt man das Wichtige zu Nebensächlichkeit und blockiert das Tatsächliche bis zum Stillstand!
    (in der DDR bis zum Exzess getrieben, wie man 1989 sehen konnte!)
    und war neben der Zerstörung des Sozialen (GENDER Nazismus) in einer Gesellschaft, die Zerstörung des Technischen einer Gesellschaft, bis hin zum Stillstand und *von Dritte 1953 den Bonzen ganz gezielt impliziert!*
    wegen genau diesen Ergebnis, die zerstörte Feind "Gesellschaft"/Volk.

    Einziger Sinn des Minimaleismus,
    es wird ein Maximum an Fehlerquellen, Angriffspunkte zur Unterdrückung/Erniedrigung in der totalitären Hierarchie geschaffen aber blockiert das technische einer Gesellschaft bis zum Stillstand – der Hintergrund!!


    (siehe 100 Jahre altes Gesetz für Farradlaternen - und 2013 die Hochgefährliche Erneuerung des (OST) Verkehrsministerium und dann wundert sich WER über die D-Bahn oder "Super Mehdorn und sein Baukollektiv"
    Berlin BER oder D-Bahn oder Bildungssystem oder ... )

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