Immobilien
Schloss mit Gefängnisturm zu verkaufen

Viele Schlösser, Burgen und Villen in Ostdeutschland sind günstig zu haben. Es gibt nur zwei Nachteile: Sie sind baufällig und liegen in wenig beliebten Regionen. Wo künftige Schlossherren Schnäppchen machen können.
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LeipzigEin Schloss steht zum Verkauf. Das Anwesen erstreckt sich über ein Gebiet von 57.000 Quadratmetern, Gefängnisturm, Burggraben und See inklusive. Der Preis- rund 350.000 Euro ist geringer als der für eine Einzimmerwohnung in Manhattan. Der Haken: Es befindet sich in Ostdeutschland. Der Standort ist hierbei nur ein Problem. Das Objekt mit abblätternder Farbe und Kronleuchtern aus der sozialistischen Ära ist baufällig. Die Renovierungskosten belaufen sich auf circa sechs Millionen Euro, sagt Klaus Graf der Bürgermeister der Kleinstadt Mutzschen, zwischen Dresden und Leipzig in der das Schloss liegt. „Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass ein reicher Banker aus Frankfurt sich ausgerechnet in Mutzschen ein Zuhause macht“, sagt Graf.

Er weiß, dass es nicht leicht sein wird, einen Käufer für das Schloss in einem der ärmsten Bundesländer zu finden. „Es gibt nicht so viele wohlhabende Investoren in dieser Region wie in anderen Regionen Deutschlands.“ Schlösser, Villen und andere historische Landsitze in Ostdeutschland, die zwei Weltkriege und den Kommunismus überlebt haben, könnten letztlich dem Kapitalismus zum Opfer fallen. Die Landgemeinden haben oft mit einer schwachen Wirtschaft und schrumpfenden Bevölkerung zu kämpfen. Damit bleibt ihnen nichts anderes übrig, als reiche Käufer zu suchen, um die Herrlichkeit ihres ehemaligen Wohlstands zu retten - bevor alles verfällt.

In Deutschland gibt es rund 5000 Schlösser und Burgen, mehr als tausend davon im östlichen Teil des Landes, schätzt Wolfgang Illert von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz und fügt an, dass er die Anzahl der verfallenden Bauten nicht abschätzen könne. Unter der kommunistischen Regierung der DDR wurden die Gebäude als Supermärkte, Schulen oder Krankenhäuser genutzt. Architektonische Verzierungen aus früheren Zeiten wurden oft zerstört, um die prunkvolle Vergangenheit zu verschleiern. „Das Regime, das nach dem Krieg an die Macht kam, mochte keine Aristokraten und die von ihnen hinterlassenen Spuren“, erklärt Gerhard Wagner, Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung. „Wenn der Stuck von der Decke fiel, wurde er einfach weggefegt.“

Nach dem Mauerfall vor 25 Jahren wurden viele Schlösser privatisiert. Die Regierung bot den Immobilieninvestoren Subventionen in Milliardenhöhe an, was die Preise für alle möglichen Objektarten in die Höhe trieb - darunter auch Bürogebäude, Wohnungen und Läden. Die ostdeutschen Häuserpreise legten nach der Wiedervereinigung zu und erreichten das Niveau im Westen. Doch zwischen 2005 und 2010 brachen sie in Ostdeutschland wieder um 22 Prozent ein, wie Daten von Jones Lang LaSalle zeigen.

Die geplatzte Blase hinterließ eine Reihe gescheiterter Renovierungen. Die Kommunalverwaltungen sind allein nicht in der Lage, die Liegenschaften wieder auf Vordermann zu bringen. Und Investoren kaufen lieber Schlösser, die sich in gutem Zustand befinden. Das hat zur Folge, dass die Bauten oft nicht repariert werden - und damit droht ihnen letztlich der Einsturz. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Gebäude, die seit Jahrhunderten stehen und sogar die DDR überlebt haben, im wiedervereinten Deutschland dem Verfall überlassen werden“, sagt Illert. „Wir müssen sie retten, weil es unser kulturelles Erbe ist.“

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