Umfrage Kein Interesse für DDR-Geschichte

Zum 25. Jahrestag rücken die Medien den Mauerfall in den Fokus. Doch jeder zweite Deutsche hat genug von der DDR-Geschichte, die Aufarbeitung habe zudem wenig mit der damaligen Realität der DDR-Bürger zu tun.
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Die Bösebrücke an der Bornholmer Straße in Berlin: An dieser Stelle war der erste offene Grenzübergang zur DDR. Quelle: dpa

Die Bösebrücke an der Bornholmer Straße in Berlin: An dieser Stelle war der erste offene Grenzübergang zur DDR.

(Foto: dpa)

BerlinGenau 25 Jahre nach dem Mauerfall will jeder zweite Deutsche nach einer Umfrage keine weiteren Informationen zur DDR-Geschichte. 54 Prozent der Westdeutschen und 51 Prozent der Ostdeutschen lehnen es ab, mehr über die DDR-Vergangenheit zu erfahren, wie die Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ergab.

Im Osten sagen zudem 13 Prozent, sie wüssten schon viel, im Westen sind es 7 Prozent. Befragt wurden zwischen dem 30. September und 1. Oktober 1015 Menschen. Immerhin 38 Prozent der Befragten würden gern mehr erfahren, in dieser Gruppe ist der Anteil junger Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren am höchsten.

81 Prozent plädieren dafür, die Geschichte der deutschen Teilung auch künftig gründlich aufzuarbeiten – in der Schule, politischen Bildung und Forschung. 60 Prozent geben aber an, man sollte stärker nach vorne sehen, weil die DDR Geschichte und heute eine andere Zeit sei.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wolle auch weiterhin gerade junge Menschen erreichen, die wenig über Teilung und kommunistische Diktatur wüssten, sagte die Geschäftsführerin Anna Kaminsky. Im Schulunterricht müsste das Thema auch künftig behandelt werden. Die Aufarbeitung der Vergangenheit sei weiter eine gesamtdeutsche Aufgabe, so Kaminsky.

Laut der Umfrage meinen insgesamt 45 Prozent, die Aufarbeitung habe zu wenig mit der damaligen Welt der Menschen in der DDR zu tun. Diese Ansicht wird von 59 Prozent der ostdeutschen Befragten vertreten. Eine große Mehrheit (83 Prozent) der Befragten sagt, die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit sei keine ostdeutsche Angelegenheit.

Die Ursachen für den Zusammenbruch der DDR werden in Ost und West ähnlich gesehen. 33 Prozent meinen, die Reformpolitik von Michail Gorbatschow sei der wichtigste Grund gewesen. 22 Prozent finden, der Zustand der DDR-Volkswirtschaft sei es gewesen. Nur 10 Prozent der Befragten geben an, die DDR-Opposition sei bedeutsam für den DDR-Untergang gewesen.

Der 9. November 1989 als Datum der Maueröffnung ist laut Umfrage bei 69 Prozent der Deutschen präsent (in Ostdeutschland 81 Prozent). 41 Prozent der Ostdeutschen sagen, für die damaligen politischen Veränderungen sei der Begriff der friedlichen Revolution am treffendsten, 37 Prozent sind für den Begriff Wende. 43 Prozent der Befragten aus dem Westen favorisieren ebenfalls den Wende-Begriff.

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25 Kommentare zu "Umfrage: Kein Interesse für DDR-Geschichte"

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  • @ Torsten Wittwer „An alle die noch glauben, dass wir damals auf Stroh geschlafen haben, Bananen nur von Fotos kannten und die ganzen anderen Lügenmärchen –...“

    Auf Stroh sicher nicht, dafür unter schweren Federbetten. Sie werden nicht bestreiten, daß die Versorgungsmängel unübersehbar waren. Aus eigener Anschauung in der DDR-Provinz; in der Wohnung meiner Großeltern waren die Sanitärarmaturen aus Kunststoff, mein Großvater warnte bei unserem Eintreffen diese nicht zu fest zuzudrehen. Heizkörperventile gab es keine, die Raumtemperatur wurde durch das Fenster geregelt. Im Sommer war ab Mittag das Wasser bis zum Abend gesperrt und bei bestimmten Windlagen war das atmen wegen der Luftverschmutzung kaum möglich. Im Konsum dieser Stadt gab es im Schaufenster aufgestapelte Eier, aus Gips, zu kaufen gab es an diesem Tag keine. Mit Wurst und anderem Brotbelag sah es ähnlich aus. Obst habe ich bei meinen Großeltern keines gesehen und Bier wurde nur gebraut, wenn es genügend Wasser gab. Bei meinem letzten Besuch in der DDR 1989 bin ich von der DDR-Reiseleitung durch abbruchreife Straßenzüge geführt worden, in denen nur die touristisch verwertbaren Gebäude einigermaßen hergerichtet waren. Ich habe in die heruntergekommen Wohnungen dieser Häuser geblickt, erklärt wurde dieser Zustand, so: „Man weiß gar nicht, ob die Häuser bald abgerissen oder gerade aufgebaut werden.“ Bei einer Miete von 1,30/m² läßt sich kein Mietobjekt erhalten auch wenn die Reiseleiterin die günstigen Mieten in der DDR über den grünen Klee lobte und sich einer Diskussion über die Finanzierung eines Gebäudes durch Flucht entzog.

  • @ Fred Meisenkaiser „....zur Zeit an gesetzlichen regelungen...“

    Und das heißt was? Und wo sollen diese Billigkräfte dann eingesetzt werden?
    „Ich habe nichts dagegen, wenn Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen werden“

    Das ist die Crux in diesem Land, Begriffe werden ideologisch umgedeutet und so werden aus Asylanten plötzlich Flüchtlinge. Jeder der an Leib und Seele verfolgt wird, egal wo auf dieser Welt, soll bei uns Asyl bekommen solange dieser Zustand in seinem Herkunftsland andauert. In dieser Zeit soll er auch für seinen Lebensunterhalt sorgen können. Bis hier bin ich bei Ihnen. Nur hat sich inzwischen die Politik angewöhnt, nicht nur durch die Aussage de Maiziéres denen einen Daueraufenthaltsstatus zu geben, aus diesen Asylanten Zuwanderer zu machen, die dann auch noch die Familienzusammenführung fordern und so bekommen wir Menschen ins Land, die für unser Land in Gänze keinen Mehrwert darstellen. Weil sie in der Regel aus einem anderen Kulturkreis stammen und auch noch ihre Konflikte mitbringen. Sie tragen damit nicht nur zur Spaltung der Gesellschaft bei, sondern gefährden in hohem Maße die innere Sicherheit Deutschlands und werden für unsere Sozialsysteme zu dauerhaften Kostgängern.

  • Nochwas zum Unrechtsstaat, zur Grenze der DDR:

    Warum lernen wir nicht aus den Geschehnissen an der innerdeutschen Grenze?
    Wo bleibt der Aufschrei gegenüber der Grenzanlagen Israel -Palästina? Dies akzeptieren wir kritiklos!

  • Herr Ebert Bernd-Thomas

    Aufarbeitung ohne Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen, verdient den Namen nicht.

    Genau so ist das!! Und was wir heute bei Überwachungsstaat, Rechtsbeugung, Unrecht im Rechtssystem erleben geht weit über die mir bekannten Zustände in der DDR hinaus.


  • @ Fred Meisenkaiser

    Wien ist eine sozialdemokratische Mieterstadt. Vergleichbar mit Berlin. Fragen Sie doch die SPD in Berlin warum man das Wiener Modell nicht mehr fördert. Man regierte 10 Jahre mit der Linke und hätte bei entsprechendem finanziellem Spielraum diesen Weg gehen können.

  • @ Torsten Wittwer

    Sie gehörten anscheinend zu den DDR-Priveligierten.

    Es gibt aber seit 2011 recht genaue Daten wann wo Wohnungen in welcher Größe gebaut wurden. Daraus lassen sich 2 grobe Kerngrößen festhalten.

    Die Wohnungen waren Ende der 80er im Westen ungefähr 70 qm groß und im Osten 60 qm. Im Osten war auch mehr Altbestände da der Wohnungsbau in der DDR in den 80ern einbrach.

    Bei Autos hatte jeder Zehnte in der DDR ein Auto und im Westen jeder Dritte. Besonders bei den Jugendlichen war der Unterschied sehr ausgeprägt. Wie viele Jugendliche (18-25 Jahre) hatten in der DDR ein Auto? Im Westen waren es überdurchschnittlich Viele. Über 35%.

    Man kann bestimmt auch positives aus DDR-Zeiten finden. Aber wenig was mit der materiellen Versorgung zu tun hat.

  • @ Herr Pom Muc
    Das ist doch keine Systemfrage. gehen sie nach Wien! Dort gibt es unzählige Wohnungsgesellschaften. Die stellen preiswerten Wohnraum zur Verfügung. Deshalb haben dort Wuchermieten wie in Deutschland keine Chance. Und Österreich hat die gleiche Marktwirtschaft wie wir, nur etwas intelligenter, etwas mehr sozial und weniger neoliberal!

  • @ Jens Muche

    Einmal arbeitet man doch zur Zeit an gesetzlichen regelungen, die ein Arbeiten erlauben. Zum anderen stehen die Asylbewerber nach Genehmigung des Antrages meist als Billigkräfte zur Verfügung.
    Ich habe nichts dagegen, wenn Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen werden - sie retten ihr nacktes Leben. Doch wieso sind Serben, Ukrainer Asylbewerber???? Das geht mir nicht ein!

  • @Pom Muc
    Wo haben Sie denn diese Informationen her.
    Komisch dann waren alle meine Freunde und Bekannten Einzelfälle. Und eng war es auch, 78qm! Da muss man echt den Bauch einziehen, wenn man aneinander vorbei läuft...
    Moped statt Auto tststs
    Ich hör auf, sonst lache ich mich echt hier schlapp.
    Entschuldigung.
    Übrigens. Auch 25 Jahre nach der Wende war ich noch nicht auf Mallorca. Ich habe keine Lust über besoffene und aus der Rolle fallenden Urlauber zu stolpern. (Übertrieben? Vielleicht ein wenig, aber nicht unwahrscheinlich).
    Genau Ihr Kommentar ist das Thema. Keine richtige Ahnung wie es sich liest, aber egal.

  • Richtig, weniger Konsum in der DDR. Doch sollte der Bürger Dinge konsumieren die nicht produziert wurden? Sollte die DDR wirtschaften wie Griechenland? Richtig ist : Grundbedürfnisse wie Wohnung oder Essen waren (zu) billig. Luxus teuer. Ich kann das nicht soo schlecht finden. Die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens wollen auch so in diese Richtung ( das Konzept halte ich allerdings für totalen Blödsinn). Was mir bei der Diskussion über die DDR aufstößt ist folgendes: über Unrecht (ja das gab es) in der DDR wird gern berichtet, das Unrecht der heutigen Zeit aber geleugnet, verharmlost und Mahner lächerlich gemacht. Oder eben in rechte oder linke Ecken gestellt. So kann Aufarbeitung nicht funktionieren! Wer nicht zeigt, das er aus der Geschichte gelernt hat ( und daher den Überwachungsstaat ablehnt), der kann auch nicht Geschichte aufarbeiten. Aufarbeitung ohne Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen, verdient den Namen nicht. Um es mal drastisch klarzumachen: Honecker fand seine Politik sicher alternativlos! Mielke glaubte gegen Feinde sei jedes Mittel recht!
    Und nun denken wir NICHT an alternativlose Politik und NICHT an NSA! Basta!

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