Vermächtnisse der DDR
Mauer, Männchen und Matthias Sammer

Viele Produkte und Ost-Marken sind nach dem Mauerfall verschwunden. Andere haben überlebt: Die Simson Schwalbe, Knusperflocken und auch Cabinet-Zigaretten gibt es noch. An diese DDR-Vermächtnisse denken wir gerne zurück.
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DüsseldorfWo waren Sie, als die Berliner Mauer fiel? Jeder, der am 9. November 1989 schon klaren Verstandes war, wird auf diese Frage eine Antwort geben können. Es war der Tag, an dem die DDR zusammenbrach. Manches, was das Leben im Osten prägte, verschwand im Sog der Wiedervereinigung, andere Produkte und Marken erlebten einen Aufschwung.

Was ist das Ost-Produkt Ihrer Wahl? Diese Frage ist schon schwieriger beantworten. Acht Handelsblatt-Redakteure erzählen, an welches Vermächtnis der DDR sie gerne zurückdenken.

Knusperflocken, die unbekannte Schoko-Spezialität

Als gelernter Westdeutscher kannte ich mich in der DDR nicht besonders gut aus. Allenfalls auf den Transitfahrten nach West-Berlin bekam ich ein wenig Gefühl dafür, was sich im Alltag in Ostdeutschland abspielte. Nach der Wende verbrachte ich fast zwei Jahre in Leipzig – und kam in viel engeren Kontakt zu dem, wofür die DDR einstmals stand. Eine Leckerei habe ich aus dieser Zeit nicht vergessen und bin froh darüber, dass sie noch immer existiert.

Bei einem Stück guter Schokolade kann ich selten nein sagen. Die „Knusperflocken“ aus Zeitz mögen nun kein besonderes kulinarisches Highlight für Gourmets sein, aber sie schmecken einfach. Die DDR war ein vergleichsweise armes Land, also mussten die Unternehmen auch bei süßen Leckereien improvisieren. Und das konnten sie bekanntlich sehr gut.

Im Westen sind sie schon seit Jahrzehnten bekannt, die „Choco Crossies“ aus dem großen Nestlé-Konzern, mit Schokolade überzogene Cornflakes. Cornflakes gab es in der DDR natürlich nicht, was also nehmen? Die findigen Süßwaren-Tüftler aus dem Osten hatten eine Idee und nahmen statt der teuren West-Cornflakes zerbröseltes Knäckebrot, das es natürlich in der DDR gab. Und das Knäckebrot steht den Cornflakes bis heute in nichts nach.

Westlichen Schleckermäulern, die die süße Spezialität aus Sachsen-Anhalt noch nicht kennen, seien die „Knusperflocken“ einfach einmal zum Probieren empfohlen. Sie schmecken mindestens  so gut wie das teurere Westprodukt und lassen sich jederzeit bei Amazon bestellen. Die „Knusperflocken“ aus einer ländlichen Gegend südlich von Leipzig gibt es also auch 25 Jahre nach der Wende immer noch zu kaufen. Es kann doch keinen besseren Beweis dafür geben, dass das mit Schokolade überzogene Knäckebrot tatsächlich ziemlich lecker schmeckt. 

Stefan Menzel

Kommentare zu " Vermächtnisse der DDR: Mauer, Männchen und Matthias Sammer"

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  • Bei dem ganzen Geschwätz um die Friedliche Revolution bleibt die Kardinalfrage auf der Strecke:

    Was bedeutet dieses Ereignis für die heutige Zeit?

    Dabei sind Parallelen unübersehbar: Auch heute wird wieder über die Machthaber gesprochen, werden sie still kritisiert, aber als unantastbar erkannt.

    Auch heute existiert der Machtapparat als Parallelwelt, fernab der Realität der Untergebenen.

    Und auch heute ahnt keiner, dass sich vielleicht alles bald ändert???

  • Ob diesseits oder jenseits der deutschen Mauer.

    Überlebt hat allemal der deutsche Untertanengeist.

    Seien wir stolz drauf, auch wenn sonst nix überlebt haben sollte.

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