Maybrit Illner in der TV-Kritik
„Hähnchenkampf“ statt Debatte

EU-Kommissar Oettinger, Linken-Fraktionschef Gysi und Euro-Kritiker Schäffler plaudern bei Illner munter über die griechische Regierung – am liebsten gleichzeitig. Erst beim Thema EZB-Geldpolitik wird es kontrovers.
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Normalerweise gastieren einflussreiche Politiker am liebsten bei Günther Jauch, der in seiner Sonntags-Talkshow im Anschluss an den „Tatort“ die höchsten Einschaltquoten hat. Günther Oettinger, der deutsche EU-Kommissar, war am Donnerstag bei Maybrit Illner zu Gast. Dass es in der Sendung weder um sein aktuelles Ressort ging, die digitale Wirtschaft, noch um sein vorheriges, die Energie, verdross ihn nicht. Oettinger vertrat zum Sendungs-Thema „Aufstand in Athen – scheitert Merkel, scheitert der Euro?“, wacker die schwierige CDU-/ Merkel-Position.

Am Anfang war der neue griechische Ministerpräsident im Hintergrund überlebensgroß jubelnd eingeblendet. Und im Vordergrund rätselten Gäste einer deutschen Talkshow, was genau Alexis Tsipras plant und ob er nach der schnellen Regierungsbildung (zumal im Vergleich mit der der amtierenden deutschen) alle Wahlkampf-Ankündigungen in die Tat umsetzen will. Was man Illners Redaktion lassen muss: Dazu vertraten die eingeladenen Gäste konträre Ansichten.

Gregor Gysi, Bundestags-Fraktionsvorsitzender der Linken, durfte am Anfang ausmalen, was er täte, falls er Bundeskanzler werden würde, und äußerte anschließend erwartungsgemäß viel Verständnis für den linken Griechen. Schließlich sei Griechenlands Wirtschaft um ein Viertel zurückgegangen.

Nein, Griechenlands Wirtschaft würde wächst. Bloß würde die Gesundung etwa zehn Jahre dauern, hielt Oettinger dagegen. Die beiden, nebeneinander platziert, ergänzten sich mit häufig gegensätzlichen Gesichtsausdrücken gut. Ihnen gegenüber saß mit Frank Schäffler ein Vertreter der in Talkshows selten gewordenen Spezies FDP-Mitglied. Der „Euro-Rebell“ glaubte, bei seinem Konfrontationskurs mit der EU habe Tsipras gute Chancen. Schließlich habe die EU nicht einmal das kleine Zypern aus dem Euro „rauslassen“ wollen. Dabei sei ein „Grexit“ durchaus vorstellbar, denn „der Euro ist eine ökonomische Größe, mehr nicht“.

Zwei Expertinnen umrahmten Schäffler im Studio. Silvia Wadhwa, früher für das Handelsblatt und den Sender CNBC aktive Wirtschaftsjournalistin tätig, hielt einen Kompromiss für möglich: „Der reine Sparkurs ist auch in Brüssel ideologisch gescheitert.“

Kommentare zu " Maybrit Illner in der TV-Kritik: „Hähnchenkampf“ statt Debatte"

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  • Wie im Kindergarten! Oettinger wischt die Aussage, dass wir mit den Zinsverlusten schon extrem belastet sind mit der Aussage weg, wir haben nur Vorteile!!! Man stelle sich vor, wir würden bei einer Bank so auftreten wie das die neue Regierung in Athen demonstriert! Die Kredite wären zur sofortigen Zahlung fällig! Warum kann man nicht endlich zugeben, dass der Euro gescheitert ist! Das Geschwafel in solchen Runden zeigen zwar manchem die Tatsache auf, dass unser Geld immer weniger wird, aber es scheint ja keinen zu kümmern! Merkel ist nach wie vor die beliebteste in diesem unserem Lande?! Entweder soll Deutschland aus dem Euro oder die Griechen!

  • @ J. Joker

    hierzu passt auch der Artikel, wo bleibt unser Gold Frau Merkel.
    Will man uns immer weismachen, diese Mengen könnten nicht auf einmal nach D zurückgeführt werden, sollte man sich mal öfter in amerikanischen News informieren:
    http://kingworldnews.com/insider-exposes-shocking-truth-on-german-gold-repatriation/

    Die FED hat damit spekuliert und D trägt als Vasall der Amis und des Kapitals mal wieder die Zeche

  • Diese Sprechblasensendungen sind meines Erachtens nicht mehr vermittelbar, Frau Illner bedient sich selbst aus GEZ-Gebühren und ihre Gäste sind vorsortiert und genau der merkelschen Politik entsprechend ausgewählt.
    Andere Meinungen dürfen nicht vertreten werden und Frau Illner, für mich ohne Kompetenz, meint das ganze im Sinne von Frau Merkel zu steuern.
    Es langt auch hier!

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