Maybrit Illner
Islamismus? „Das ist ne coole Ideologie für viele junge Leute“

Gelassen grüßte das Murmeltier in Maybrit Illners Islamismus-Diskussion. Eine kleine Islam-Konferenz in Anwesenheit des Bundesinnenministers stritt so gut wie gar nicht, entwickelte aber eine Handlungsempfehlung.
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„Das hat ja manchmal den Charakter von 'Und täglich grüßt das Murmeltier'“, sagte Cem Özdemir irgendwann. So oft und so einig wurde in Maybrit Illners ZDF-Talkshow am Donnerstagabend zum Thema „Der Feind im eigenen Land – wer sind die Terror-Islamisten?“ bekräftigt, was bereits in vielen Talkshows mit Islam-Themen betont worden war.

Gleich am Anfang stimmte der Grünen-Parteivorsitzende dem Bundesinnenminister Thomas de Maizière zu, dass am Wochenende mit den spektakulär verschärften Sicherheitsmaßnahmen in Bremen richtig gehandelt wurde: „Da bleibt einem Innenminister nichts anderes übrig“, sagte Özdemir. „Stellen Sie sich vor, es würde etwas passieren!“. Bloß dürften solche Maßnahmen nicht dazu führen, dass „unsere Gesellschaften ihren demokratischen Charakter verlieren“.

Die staatstragende Einigkeit in Illners bunter Runde war durchaus eindrucksvoll. Mit Recht betonte de Maizière am Ende, dass gleich drei Muslime dabei waren. Bis dahin war das Verhältnis nicht wirklich aufgefallen. Neben Özdemir hatte Illner zwei kürzlich bewährte Gäste eingeladen: Husamuddin Meyer, einer von zwei staatlich bezahlten Gefängnis-Imamen in Deutschland, war im Januar bei ihr zu Gast gewesen, genau wie (allerdings in einer anderen Sendung) die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor.

Kaddor, wie immer ohne Kopftuch, wusste zwar zu berichten, dass unter ihren Schülern die Verhältnismäßigkeit der polizeilichen Durchsuchung einer Moschee in Bremen bezweifelt werde. „Wenn man den Gesamtkomplex betrachtet“, fand sie die Polizeimaßnahmen dann aber in Ordnung. Meyer, ohne Migrationshintergrund, wieder mit geschmücktem Turban, gestand ein, dass in der Vergangenheit auch die Muslime in Deutschland „viel verschlafen“ hätten, und stimmte ebenfalls mit de Maizière überein.

Zentrale Frage der Talkshow war, warum die Terrororganisation IS auf europäische und auch deutsche Muslime so attraktiv wirkt. Die Zahl der Salafisten in Deutschland sei seit dem Herbst von 6.000 auf 7.000 gestiegen, informierte ein Einspieler. Rund 600 Deutsche würden in Syrien für die Terroristen kämpfen. Der Bundesinnenminister, der sich zu den Bremer Terrorwarnungen nur geheimnistuerisch geäußert hatte, erhöhte diese Zahl und gab „erstmalig“ bekannt, dass er inzwischen von sogar 650 solchen „Ausreisern“ ausgeht.

Die Antwort der Runde auf die Attraktions-Frage lautete allgemein: „Im Moment ist es vor allem der Hype, der sie verleitet.“ Das sagte Kaddor, die dann auch das Gefühl, hierzulande diskriminiert zu werden, verantwortlich machte. „Das ist ne wirklich coole Ideologie für viele junge Leute“, formulierte es der fünfte Gast, Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Er würde die Zahl der deutschen Salafisten auf mehr als 10.000 beziffern und dann immer noch sagen, „dass wir erstaunlich wenige Salafisten haben“, im Vergleich mit den europäischen Nachbarländern. Das liege daran, dass der Islam in Deutschland eher türkisch und kurdisch geprägt sei als arabisch.

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„Wie können Terroristen zu einer Art Popstar werden?“

Kommentare zu " Maybrit Illner: Islamismus? „Das ist ne coole Ideologie für viele junge Leute“"

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  • Wir werden mit den Islamisten und manch anderem Zuwanderer noch viel Freude haben!

  • Maybrit Illner Islamismus? „Das ist ne coole Ideologie für viele junge Leute“? Es war eine Probanganda Veranstaltung für den Islam (der nicht zur BRD gehört). Mit einem grünen Politiker der über Probleme der Christen in seinem Heimatland Türkei keine wirklichen Aussagen je machte. Es wäre schön wenn dieser Wichtigtuer einmal in der Türkei leben und arbeiten würde als Politiker, genauso seine Mikrofon geile Roth, leider werden sie dies nie machen, denn sie würden im Türkischem Knast verschwinden. Eine unnötige Sendung, bezahlt mit der Zwangsabgabe der Zuseher. Keine Sendungen mehr mit der Firma Illner, auf Kosten der Fernsehzuschauer. Basta.

  • "...wieder mit geschmücktem Turban"
    Der Artikel liest sich als ein Bericht über eine Besoffenen-Patie.

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