Maybrit Illner
„Russen werden nie auf Zuckerbrot und Peitsche reagieren“

Russland war aggressiv, die Nato hat reagiert. Oder umgekehrt? In der Talk-Runde von Maybrit Illner wurde viel Ursachenforschung für den Ukraine-Konflikt betrieben. Gute Vorschläge für eine Lösung waren dagegen selten.
  • 27

DüsseldorfMatthias Platzeck, brandenburgischer Ministerpräsident und Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, dürfte sich mittlerweile bestens auskennen mit den Stolperfallen, die hinter jeder Debatte über die Ostukraine lauern. Vermutlich schickte er deshalb gleich voraus, dass er zwar nicht einverstanden sei mit der russischen Politik – dass es ihm aber vor allem darum ginge, die Russen „zu verstehen“. Dumm nur, dass keiner von ihnen eingeladen war, als die Gäste bei Maybrit Illner am Donnerstag über das Thema „Russland gegen den Westen – Europas Frieden in Gefahr?“ diskutierten.

Die Antwort auf diese – eigentlich verspätete – Frage nach dem europäischen Frieden gab Illner in der Anmoderation gleich selbst: „Das, was im Osten der Ukraine herrscht, ist Krieg.“ Und so beschränkte sich die Debatte zunächst auf die Ursachenanalyse. Oder, weniger seriös ausgedrückt: auf das zwischen „Kriegstreibern“ und „Putinverstehern“ zuverlässig hin und her gespielte Du-hast-aber-angefangen.

„Wir reagieren auf die aggressiven Maßnahmen, die wir von Russland sehen mussten“, erklärte etwa Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Hinblick auf die Aufstockung der schnellen Eingreiftruppe – und wurde dabei nicht müde, die Rolle des Bündnisses in dem Konflikt herunterzuspielen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen pflichtete ihm bei: „Wir dürfen nicht vergessen, was mal Ursprung war: dass die Menschen in der Ukraine sich entschieden haben, dass sie gerne mit der Europäischen Union ein Handelsabkommen schließen möchten.“

Dass dies einem souveränen Land grundsätzlich möglich sein müsse, darüber waren sich auch die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, und Platzeck einig. Insofern war Kippings Hinweis, dass die Stimmung in der Ukraine bei weitem nicht so eindeutig sei, wie das bei souveränen Entscheidungen nun mal eigentlich nötig wäre, wertvoll: „In der Ukraine wird die politische Landschaft durch einige wenige Oligarchen bestimmt.“ Deren Ziel sei es vor allem, an öffentliche Aufträge zu kommen. „Und ein Teil dieser Oligarchen fährt ökonomisch besser, wenn er Wirtschaftsbeziehungen zu Russland hat. Der andere, wenn er Handelsbeziehungen zur EU hat.“ So einfach ist das mit der Spaltung.

Seite 1:

„Russen werden nie auf Zuckerbrot und Peitsche reagieren“

Seite 2:

„Es gibt Anknüpfungspunkte“

Kommentare zu " Maybrit Illner: „Russen werden nie auf Zuckerbrot und Peitsche reagieren“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Planen die USA und NATO einen Krieg mit Russland?
    Alle Zeichen sind durch die Osterweiterung der Nato in die ehemaligen Warschauerpakt-Staaten und den von den USA angezettelten Konflikt in der Ukraine gegeben.
    Es hätte alles so einfach sein können, wenn ... ... ja wenn man sich an bestehende Vereinbarungen gehalten hätte. Dieser Schwachsinn, dass das Baltikum und die anderen ehemaligen Ostblockstaaten alle den sehnlichsten Wunsch hatten NATO-Mitglieder zu werden weil sie Angst vor "Dem Russen" haben, ist Dank Springer, Bertelsmann und der deutschen Regierung eine unumstößliche Konstante im Geschichtsverständnis des Blöd-Zeitungslesers.
    Zuerst einmal, die Ostblockstaaten hätten weiterhin als Pufferzone zwischen Russland (und seinem ehemaligen wie auch neuen Interessenbereich) und dem Yankee- gelenkten Europa bleiben müssen - es wäre uns und den betroffenen Bevölkerungen vieles erspart geblieben.
    Die Eurokraten in Brüssel und unsere Kanzlerin sollen keine Politik der USA betreiben,
    es sei denn, die EU muss den Vorgaben aus Washington folge leisten.
    Europa ist nicht nur die jetzige EU, auch Russland ist ein Teil von Europa und sollte dringend in die Köpfe unser Politiker. Wir wollen keinen Krieg mit Russland, auch keinen kalten Krieg der Europa in die Zeit des vergangnen Jahrhunderts erinnert.
    Deutschland/Europa sollte hier nicht mitspielen und mit Russland einen eigenen konstruktiven Weg gehen. Ansonsten bleiben wir ewig unter dem US-Hegemonismus kleben=> siehe TTIP , Finanzkrise, etc. etc....
    Frau Gabriele Krone-Schmalz hatte das bereits bei ihrer Analyse zum Ukraine-Konflikt und der Ohrfeige für die deutschen Medien sehr treffend dargelegt. Sie sprach schon damals, dass allen Beteiligten in der EU klar gewesen sein muss, dass das Assoziierungsabkommen in seiner damaligen und heutigen Form die Ukraine zerreißen wird. Was wir in der Ukraine nun sehen, sind Ursache und Wirkung. Die EU und die USA tragen die alleinige Schuld für diesen Konflikt.

  • Das Problem ist technischer Natur und tritt seit dem Relaunch ein, wenn man eingeloggt ist. Unsere Kollegen sitzen bereits dran, wir bitten um Nachsicht! Ihr Social Media Team

  • Tatsächlich ist es so, dass ich, wenn ich einen anderen Webbrowser verwende, auch wieder ältere Kommentare ansteuern kann und mich nicht mehr im Kreis drehe. Ob das Absicht oder Unvermögen ist der Handelsblatt-IT ist, weiß ich wie bei unseren (un-)verantwortlichen Politikern nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%