Maybrit Illner zum Flüchtlingsdrama

„Wir haben die Wahl nicht mehr, diese Leute kommen“

Großes Dilemma statt Polemik und Promis: Bei Maybrit Illner diskutieren die Talkgäste über Flüchtlingspolitik. Ungeschönt prallen moralische und politische Argumente aufeinander. Am Ende steht eine schwierige Erkenntnis.
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Katrin Dagmar Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, diskutiert mit Wolfgang Bosbach, Vorsitzenden des Bundestags-Innenausschusses und der Moderatorin. Quelle: ZDF/Jule Roehr
Talkrunde bei Maybrit Illner

Katrin Dagmar Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, diskutiert mit Wolfgang Bosbach, Vorsitzenden des Bundestags-Innenausschusses und der Moderatorin.

(Foto: ZDF/Jule Roehr)

BerlinÜber Flüchtlinge wird seit den jüngsten Katastrophen im Mittelmeer viel diskutiert. Bei Günther Jauch sorgte am Sonntag vor allem eine Schweigeminute für Aufsehen. In Maybrit Illners ZDF-Talkshow gestern Abend entwickelte sich zum Thema „SOS Flüchtlinge – Gerettet, um zu bleiben?“, obwohl es von der Gästeauswahl nicht unbedingt zu erwarten gewesen war, tatsächlich eine kontroverse, aber ernsthafte Diskussion.

„Wir stecken in einem unglaublichen Dilemma“, sagte Wolfgang Bosbach, der gerne und oft in Talkshows gastierende CDU-Parlamentarier und Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, gleich zu Beginn der Sendung. Genau dieses Dilemma wurde vor im Studiohintergrund eingeblendeten blauem Meer mit Flüchtlingsbooten oder ein montierten Grabkreuzen in vielen Facetten tatsächlich sichtbar.

Bosbach entwickelte es vor allem im Streit mit Kathrin Göring-Eckardt. „Wenn man die Schlepper nicht mehr will, muss man einen sicheren Weg nach Europa schaffen“, argumentierte die Grünen-Politikerin. „Es geht da um die Seele Europas“, sagte sie später und geriet in veritablen Streit mit Bosbach, der bei ihrer Haltung eine fehlende „Ernsthaftigkeit, die Gedanken zu Ende zu führen“, beklagte.

Wenn legale Zugangsmöglichkeiten für Asylbewerber etwa in Libyen geschaffen würden, sei schon unklar, wer nach welchen Kriterien entscheiden sollte. Und Hunderttausende von Asylanträgen würden gestellt werden, wenn das bereits in deutschen Botschaften im Ausland geschehen könnte. Deutschland nehme bereits jetzt mehr Flüchtlinge auf als die USA und stoße bald „an die Grenzen der Belastbarkeit – nicht im Bundestag, aber in den Kommunen vor Ort“.

Zustimmung kam von Franziska Giffey, der neuen Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln. Die junge SPD-Politikerin agierte erheblich zurückhaltender als ihr Talkshow-bekannter Vorgänger Heinz Buschkowsky es getan hätte, machte aber Punkte. „Was machen wir über das reine Unterbringen hinaus, die Frage ist überhaupt nicht geklärt“, sagte sie. Wenn etwa mehrere Turnhallen über Monaten als Flüchtlingsunterkünfte gesperrt seien, sei auch der soziale Friede gefährdet. „Das muss ja gefragt werden: Wie weit geht die Kapazität?“ Bei mehr als 1000 Vorsprachen pro Tag bei den Anlaufstellen für Flüchtlingen, die in Berlin teilweise zu verzeichnen seien, könne von Perspektivbildung keine Rede sein.

Außerdem in Illners Runde saß Wolfgang Bauer. Der Reporter der Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte unter syrischen Flüchtlingen eine Fahrt auf einem Boot von Ägypten inkognito mitgemacht und berichtete, dass die EU-Einwanderungspolitik „nicht nur die Schlepperindustrie, sondern auch eine große Mafia“ nähre. So sei die Gruppe, deren Teil er war, bis zur Zahlung von Lösegeld vier Tage in Geiselhaft gehalten worden. Die Flüchtlinge brächten „gesellschaftliche Probleme aus ihren Herkunftsländern mit ins Boot hinein“.

Bauer berichtete von Kämpfen zwischen Schiiten und Sunniten, und davon, dass viele „erschreckend wenige Vorstellungen von den Ländern haben, in die sie fliehen wollen“. Doch ließen sie sich nicht abhalten: „Wir haben die Wahl nicht mehr, diese Leute kommen.“

„Die Flüchtlinge kennen die Risiken – und gehen trotzdem“
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  • Wieso nehmen diese Superreichen Ölstatten keine Flüchtlinge auf.
    Oder sollte beim Reiselustigen Afrikaner eine Schiffsreise dagehören?

  • Ich will noch darauf hinweisen, dass die Fläche Europas mit 10 Mio. Quadratkilometern einer Grundfläche von 9,8 Quadratkilometern der USA entspricht, mit Kanada ist Nordamerika mehr als doppelt so groß wie Europa. Die Einwohnerzahl der USA ist mit 340 Mio. Einwohnern nur halb so groß, wie die Europas mit 742 Mio Einwohnern. Europa ist voll, die durchschnittliche Bevölkerungsdichte ist folglich mehr als doppelt so groß wie die der USA, ganz zu schweigen von Nordamerika. Zielländer sind Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Deutschland hat mit seinen 80 Mio. Einwohnern ohnehin die höchste Bevölkerungsdichte. Wir haben schon gar nicht mehr zu müssen, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen geht.

    Gemessen an der europäischen Bevölkerung, und genau darauf will ich hinweisen, hat Europa immer noch mehr als doppelt so viele Flüchtlinge aufgenommen wie Nordamerika. Wir können hier nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen.

    Könnt ihr den vorherigen Text bitte löschen. Der hat "ziemlich merkwürdige" Fehler.

  • Ich will noch darauf hinweisen, dass die Fläche Europas mit 10 Mio. Quadratkilometern einer Grundfläche von 9,8 Quadratkilometern der USA entspricht, mit Kanada ist Nordamerika mehr als doppelt so groß wie Europa. Die Einwohnerzahl der USA ist mit 340 Mio. Einwohnern nur halb so groß, wie die Europas mit 742 Mio Einwohnern. Europa ist voll, die durchschnittliche Bevölkerungsdichte ist folglich mehr als doppelt so groß als die der USA, ganz zu schweigen von Nordamerika. Zielländer sind Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Deutschland hat mit seinen 80 Mio. Einwohnern ohnehin die höchste Bevölkerungsdichte. Wir haben schon gar nicht mehr zu müssen, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen geht.

    Gemessen an der europäischen Bevölkerung, und genau darauf will ich hinweisen, hat Europa immer noch doppelt so viele Flüchtlinge aufgenommen, als Nordamerika. Wir können hier nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen.

  • Lieber Herr Blumenhagen, dann nehmen sie doch von dieser Bereicherung welche bei sich zuhause auf oder unterstützen diese wenigstens großzügig mit ihrem "falls vorhandenen selbst verdienten Geld".
    Sie können ja mal bei Herrn Özdemir anfragen, der hat ja solche armen Flüchtlinge aus seinem Haus geklagt.
    Da hat die Toleranz schnell ein Ende, wenns ans eigene geht.
    Aber es geht ja hierbei auch um die Flüchtlingsindustrie, Sozialarbeiter, Dolmetscher, Flüchtlingsorganisationen und die Kirchen sind auch immer vorn mit dabei,die alle Leben vom Geld des Steuerzahlers und so soll es bitteschön auch bleiben

  • Flüchlingshilfe? Wo sind die Billionen bisher gezahlten Entwicklungshilfe geblieben? Nirgends sieht man Erfolge, außer bei den Konten der Politiker!

  • Syrer nach Deutschland? Erst den Libanon überfallen, Libanesen töten und jetzt nach Deutschland um hier den Koran zu erfüllen: Tötet Andersgläubige?????

  • Nee HERR Mayer, hier kann man nur lesen, was engstirnige Wirrköpfe den lieben langen Tag so von sich geben.

  • Wenn wir Aufbauhilfe leisten, dann steigen wir wieder in die Kolonialzeit ein. Wir müssten unser europäisches Wertemodell implementieren, das aus Wissenschaftlichkeit und Leistungsprinzip besteht. Das ist zwar etwas anderes als das Christentum aber doch etwas, das dem Christentum sehr nahe kommt. Des weiteren würde eine Entwicklungshilfe auch bedeuten, dass die große Industrie weitere Produktionszentren errichtet.

    Sowohl die Vermittlung des europäischen Wertemodells als auch die Expansion der europäischen Industrie würden nichts anderes als eine neue Kolonialpolitik einleiten. Angesichts des bestehenden Raubbaus in West- und Südafrika ist die Idee des Aufbaus Nordafrikas bzw. eine Ausdehnung der europäischen Interessensspähre unter dem Deckmantel Flüchtlingshilfe bzw. Entwicklungshilfe abzulehnen.

    Noch nicht mit eingerechnet wird in dieser Darstellung die Motivation der Flüchtlinge, die diese nach Europa bringt.

  • Inzwischen haben die Politiker die Hosen voll, man hat erkannt das die Stimmung kippt und man nichts mehr entgegenzusetzen hat gegen diese Flüchtlingsbewegung, welche man ja ermunterte nur zu kommen, wir bräuchten sie ja dringend als Qualifizierte Hartz4 Empfänger.
    Man sollte die Namen dieser Rot-Grünen/innen welche uns diesen Unfug eingebrockt haben gut im Gedächtnis behalten,
    Die Asylfreundliche Propaganda fängt an zu stottern, Nazi und andere Schimpfworte ziehen auch nicht mehr, auch die Geschichte vom schlechten Gewissen geht den meisten a.A. vorbei.
    Hier kann man lesen was klar denkende Menschen über diesen Asylunfug denken. Und bisher scheint ja ausser der AfD und Pegida sonst niemanden zu interessieren was die hier lebende Bevölkerung denkt und sie bewegt.

  • diese ganze flüchtlingsdiskussion ist mehr als heuchlerisch. aus dem kosovo kommen die menschen da die amis unter tätiger mithilfe des obergrünen fischer durch die verwendung von du munition( depleted uranium) das grundwasser vergiftet haben. aus afrika kommen die menschen, da die westlichen hegemonialmächte durch ihre fatale aggressionspolitik die ökonomischen entwicklungschancen dauerhaft verbaut haben. da sind solche pseudointellektuellen diskussionssendungen (durch zwangsabgaben finanziert) ohne jeden wert. die verursacher dieser katastrophen ( die amis, der iwf und seine helfershelfer u.a.m.) stehlen sich aus der verantwortung. dass ein schulabschlußloser sich von den amis benutzen läßt werfe ich ihm gar nicht vor (offensichtlich warf er überfordert). dass aber dann die leitfiguren dieser partei sich hinstellen und einen auf pseudomenschlich machen macht mich sprachlos vor so viel chuzpe. diese merkwürdigen volksvertreter haben durch ihre damaligen leitfiguren kräftig dafür gesorgt, dass wir heute diese probleme haben. ähnlich verhält es sich in vietnam. da haben die amis auch mit deutscher hilfe agent orange versprüht und uran munition verschossen.die verantwortung mit entsprechenden ökonomischen auswirkungen für die täter - völlige fehlanzeige. die amis zahlen pro opfer pro monat $ 20,- die amis entsorgen ihre atomaren abfälle per verschossener du munition auf den schlachtfeldern dieser welt zu lasten der davon betroffenen bevölkerung und der zerstörung derer lebensgrundlagen und die grünen klatschen applaus um sich hinterher als die großen menschenfreunde darzustellen. jeder der sich etwas intensiver und tiefgreifender mit den hintergründen dieser flüchtlingswellen beschäftigt kann sich nur enttäuscht von dieser grünen negativauslese abwenden. fischer ist heute zum schoßhündchen von frau albright mutiert. auch eine karriere. bei den grünen ist so etwas möglich. leider.

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