Mecklenburg-Vorpommern
Sellering tritt zurück – Schwesig wird Ministerpräsidentin

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gibt aus gesundheitlichen Gründen alle seine Ämter ab. Seine Nachfolge soll Manuela Schwesig antreten. Das hat Folgen für das Kabinett in Berlin.
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Schwerin/BerlinDiese Nachricht trifft die SPD mitten im Bundestagswahlkampf wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) tritt aus gesundheitlichen Gründen von all seinen Ämtern zurück. Das teilten der SPD-Landesverband und die Schweriner Staatskanzlei am Dienstag in Schwerin mit.

Er habe Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig als Nachfolgerin vorgeschlagen – als Regierungschefin ebenso wie als SPD-Landesparteichefin. Das wiederum hat wenige Monate vor der Bundestagswahl eine Kabinettsumbildung in Berlin zur Folge haben. Offenbar wird SPD-Generalsekretärin Katarina Barley neue Bundesfamilienministerin.

Sellering nannte in einer Mitteilung eine völlig überraschend festgestellte Lymphdrüsen-Krebserkrankung als Grund für seinen konsequenten Rückzug aus der Politik. Diese Diagnose erfordere umgehend eine massive Therapie. „Ich werde deshalb nicht mehr in der Lage sein, das Amt des Ministerpräsidenten so auszufüllen, wie das objektiv notwendig ist und meinem Anspruch an mich selbst entspricht“, erklärte Sellering.

Er war nach der Landtagswahl im vorigen September für eine dritte Amtszeit an die Spitze der SPD/CDU-Koalition gewählt worden. Erst Mitte Mai wurde der 67-Jährige auf einem Parteitag in Rostock als Landesvorsitzender bestätigt. „Nach fast neun Jahren als Ministerpräsident scheide ich mit großer Dankbarkeit aus diesem Amt, das es mir ermöglicht hat, einen Beitrag für eine gute Zukunft unseres Landes zu leisten“, betonte er. Persönlich sei es ihm immer sehr wichtig gewesen, für mehr Respekt vor ostdeutschen Lebensleistungen einzutreten. „Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen im Land, die mit großem Einsatz so positiv daran mitgewirkt haben, dass sich unser schönes Mecklenburg-Vorpommern so gut entwickelt hat“, sagte Sellering.

SPD-Chef Martin Schulz zollte Sellering „großen Respekt“. „Ich weiß, dass ihm diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist“, sagte er in Berlin. Sellering sei ein „außergewöhnlicher Politiker“ und „außergewöhnlicher Mensch“. Zu Nachfolgefragen wolle er sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern.

Hier seine Erklärung im Wortlaut:

„Bei mir ist vor einigen Tagen völlig überraschend eine Lymphdrüsen-Krebserkrankung festgestellt worden, die umgehend eine massive Therapie erfordert. Ich werde deshalb nicht mehr in der Lage sein, das Amt des Ministerpräsidenten so auszufüllen, wie das objektiv notwendig ist und meinem Anspruch an mich selbst entspricht.

Nach fast neun Jahren als Ministerpräsident scheide ich mit großer Dankbarkeit aus diesem Amt, das es mir ermöglicht hat, einen Beitrag für eine gute Zukunft unseres Landes zu leisten. Das Land hat an Wirtschaftskraft gewonnen. Die Arbeitslosigkeit ist spürbar zurückgegangen. Wir haben wichtige Verbesserungen für Familien und Kinder erzielt. Und wir haben es geschafft, die Verschuldung des Landes abzubauen.

Mir persönlich war immer sehr wichtig, für mehr Respekt vor ostdeutschen Lebensleistungen einzutreten. Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen im Land, die mit großem Einsatz so positiv daran mitgewirkt haben, dass sich unser schönes Mecklenburg-Vorpommern so gut entwickelt hat. Wir können alle zusammen sehr stolz auf das sein, was wir gemeinsam erreicht haben.

Die Medien bitte ich, den weiteren Krankheitsverlauf als Privatsache zu respektieren und von Anfragen abzusehen.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Mecklenburg-Vorpommern: Sellering tritt zurück – Schwesig wird Ministerpräsidentin"

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  • Zumindest hat man bei der SPD das Gefühl, die haben viele, verschiedene und manchmal auch gute Leute. Und dazu eine Parteibasis, welche die Spitzenpolitiker wirklich antreibt und ihnen im Nacken sitzt. Bei Merkels Verein sieht man immer nur Merkel. Das Wahlprogramm der CDU ist schnell geschrieben. Man nimmt das vom letzten Jahr und schreibt drüber: "Nichts muss sich ändern. Reich sein soll sich auch weiterhin lohnen"


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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