Medienbericht
Angeblich strengeres Jugendschutzgesetz in Arbeit

Mit den Eltern in die Disco? Was ungewöhnlich klingt, könnte bald Realität werden. Einem Bericht zufolge will das Familienministerium den Jugendschutz verschärfen. Die Grünen nennen den Ansatz „realitätsfern“.
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BerlinIm Bundesfamilienministerium von Kristina Schröder (CDU) gibt es einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge Pläne, den Jugendschutz bei öffentlichen Veranstaltungen deutlich zu verschärfen. Aus einer Vorlage des Ministeriums gehe hervor, dass Jugendlichen unter 16 Jahren künftig verboten werden soll, sich nach 20 Uhr ohne Eltern etwa auf Konzerten und Vereinsfesten aufzuhalten, berichtet das Blatt. Die Pläne würden jedoch in der Ressortabstimmung vom Wirtschaftsministerium blockiert.

Eine Sprecherin des Familienministeriums widersprach dieser Darstellung auf dapd-Anfrage. „Es gibt hierzu noch nicht einmal einen Referentenentwurf und folglich auch keine Ressortabstimmung“, sagte sie. Zu Überlegungen auf Arbeitsebene wolle sie sich nicht äußern.

Ungeachtet dessen warnten die Grünen vor derartigen Plänen. Unter 16-Jährige „gänzlich von Abendveranstaltungen auszuschließen, weil dort für ältere Besucher auch Alkohol ausgeschenkt wird, ignoriert die Freizeitbedürfnisse der jungen Menschen“, sagte der Jugendpolitische Sprecher der Grünen, Ulrich Schneider. Ziel guter Jugendpolitik sollte sein, Barrieren abzubauen, die Jugendlichen die Teilnahme am öffentlichen Leben erschwerten, sagte er. Die Überlegungen aus dem Familienministerium seien realitätsfern.

Scharfe Kritik an den Plänen kam auch von der FDP-Jugendorganisation Jungen Liberalen (JuLis): „Es wäre einfach zu viel verlangt, von Ministerin Schröder ein durchdachtes Konzept zur Prävention von Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen oder zum im Koalitionsvertrag geforderten besseren Jugendschutz zu erwarten“, giftete JuLis-Chef Lasse Becker. Der Vorschlag sei schier „Blödsinn“.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Medienbericht: Angeblich strengeres Jugendschutzgesetz in Arbeit"

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  • Och, die Hälfte der weiblichen Teenager wollen Models werden?
    Ist doch die richtige Politik, schön zeigen, bestaunen lassen, sich zu Tode hungern und dann schön brav Kinder bekommen und zu Hause die Geliebte, Familienmangerin und Kirchengängerin zu sein.
    Alkohol? Noe, bitte nichts dran ändern, eine ganze Krankheitsindustrie lebt gut mit fast 4 Millionen Alkoholikern und noch mehr Tablettenabhängigen. Das fängt schon mit Ritalin an, damit die Jugend schön still sitzt. Jugendzentren? Aua, ein teures Ausstellungsstück für kulturelle Angelegenheiten ist zwar teurer, aber ist ja wichtiger. Gibt glänzende Auftritte in der Presse.
    Funktioniert schon alles, Hauptsache Jugendliche sind mit 18 schon in der Insolvenz, wegen zu hoher Handyrechnungen.
    Eine Familienministerin und damit eine Politik, die nicht fähig ist, den Kindern und Jugendlichen, und damit zuerst den Eltern, vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, orientieren sich an Scheinwelten. Klappt das nicht, gibts eben Pillen und Schnaps statt soziales miteinander Lernen.

  • Ich schlage vor die FSK durch eine staatliche Behörde zu ersetzen. Was die Filmwirtschaft an Schmutz und unfassbarer Brutalität auf die Kinder und Jugendlichen loslässt ist schlicht ein Verbrechen.

    Nehmen Sie den hochgelobten "Slum-Dog Millionär": Da kommt mir als Erwachsener schon das kotzen und ich drehe ab und so ein Film geht mit FSK 12 in die Kinos und Videotheken.

    Wenn man zugleich das Kinderprogramm mit dem vergleicht was vor 30 Jahren lief, dann sieht man das es heute nur noch darum geht Konsumratten auszubilden und diese optimal zu verblöden.

    Dennoch wird ein strengerer Jugendschutz alleine es nicht bewirken. Es fehlt an Werten und Vorbildern. Diese Gesellschaft, die nur noch am Konsum und der Gier ausgerichtet ist, wird in die Barbarei abgleiten.

    Es müssen Werte definiert und in die Bevölkerung hinein getragen werden. Das wäre Aufgabe der Politik und zugleich auch jedes Einzelnen.

  • Daß unsere Regierung nicht zukunftsorientiert ist, kann man ihr in diesem Zusammenhang ja nun nicht vorwerfen!
    Immerhin gilt es jetzt schon mal, die irrgeleiteten,partyorientierten und bald von der Welt enttäuschten Smartphonekonsumenten vor sich selbst zu bewahren. Wo kommen wir denn dahin, daß die Jugend DEMNÄCHST auf den steuerbezahlten Strassen die Sau rausläßt, wenn alles zusammenbricht!

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