Medienbericht
Atomlobby finanzierte Asse-Führungen

Der Bund soll sich die Öffentlichkeitsarbeit für das marode Atommüllendlager in der Asse bei Wolfenbüttel von Energiekonzernen finanziert haben lassen, so ein Medienbericht. Unterdessen beschloss der niedersächsische Landtag die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der Zustände im maroden Atommüll-Lager.

HB WOLFENBÜTTEL/HANNOVER. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" sind zwischen 1997 und 2002 fast 700 000 Euro über das Deutsche Atomforum an den damaligen Asse-Betreiber GSF geflossen, das heutige Helmholtz Zentrum München. Damit seien unter anderem Personal- und Verwaltungskosten für Besucherführungen finanziert worden. Das Forum, ein Lobbyverband, habe dem Magazin die Zahlungen bestätigt. Seitdem große Missstände in der Asse bekannt worden, distanzieren sich die Energiekonzerne von dem einstigen Versuchsendlager.

Ein Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags soll die Zustände im maroden Atommüll-Lager aufklären. Die Opposition aus SPD, Grüne und Linke beantragten die Einsetzung des Gremiums. "Wir wollen wissen, was wirklich in der Asse gelagert ist und wer das angeliefert hat", sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel am Donnerstag in Hannover. Er gehe davon aus, dass die im Ausschuss gewonnenen Erkenntnisse zudem die fehlende Eignung des als Endlager für hochradioaktive Abfälle geplanten Salzstocks in Gorleben aufzeigten. SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner bezeichnete die Vorgänge in der Asse als größten Umweltskandal in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten.

Das ehemalige Salzbergwerk in der Nähe von Braunschweig war vor einem Jahr durch radioaktiv verseuchte Laugen in die Schlagzeilen geraten. Seither wurde zudem bekannt, dass dort nicht nur 126 000 Fässer mit mittel- und schwachradioaktiven Abfällen aus den 1970er Jahren lagern, sondern offenbar auch giftige Pflanzenschutzmittel, Tierkadaver und Strahlenmüll der Bundeswehr. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte zum Januar 2009 die Zuständigkeit für die Asse vom früheren Betreiber, dem Münchener Helmholtz Zentrum übernommen. Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), in dessen Wahlkreis das Bergwerk liegt, hatte sich für den Untersuchungsausschuss ausgesprochen. Das Gremium soll im Juni nach einem formalen Beschluss des Landtags die Arbeit aufnehmen.

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