Medienbericht
Deutsche Post soll Streikende einschüchtern

Verdi behauptet, die Deutsche Post drohe streikenden Mitarbeitern damit, sie zu feuern. Wirtschaftsminister Gabriel ist eingeschaltet. Die Post spricht von „Rufschädigung“. Unterdessen werden die Warnstreiks ausgeweitet.
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München/BerlinIm Tarifkonflikt bei der Deutschen Post um kürzere Arbeitszeiten wird der Ton zwischen den Tarifpartnern zunehmend schärfer. Verdi startete am Dienstag und Mittwoch bundesweit eine Welle neuer Warnstreiks. Viele Postempfänger müssen vermutlich über den Feiertag mit Verzögerungen bei der Zustellung rechnen. Zugleich warf die Gewerkschaft dem Post-Management vor, Streikende mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes gedroht zu haben, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Mittwoch/Donnerstag) berichtet. Betroffen gewesen seien dabei befristet beschäftigte Arbeitnehmer.

Ein Konzernsprecher bezeichnete die Vorwürfe als „Rufschädigung“. Es gebe keine gezielte Bedrohung oder Einschüchterung der Mitarbeiter durch die Unternehmensführung, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Größe des Konzerns könne er solche Vorgänge aber auch nicht grundsätzlich ausschließen.

Eine Arbeitnehmerin zitierte eine Führungskraft dem Bericht zufolge mit den Worten, die „übergeordneten Stellen“ schauten darauf, wer streike und wer nicht: „Und die haben auch schon den Hinweis gegeben, dass sie gerade bei befristeten Kräften genau auf die Verträge schauen.“

In einem Zustellstützpunkt habe der Leiter mit allen befristet Beschäftigten, die an einem Warnstreik teilnahmen, Einzelgespräche geführt. „Einige sind total eingeschüchtert und erklärten mir, dass sie an keinem Streik mehr teilnehmen“, habe daraufhin eine Betriebsrätin der Gewerkschaft berichtet.

Wegen der Vorgänge bei der Post schaltete Verdi auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ein, wie die Zeitung und die Deutsche Presse-Agentur erfuhren. Verdi-Vize Andrea Kocsis stellte die Vorwürfe laut „SZ“ in anonymisierten Zitaten in einem vierseitigen Brief an SPD-Chef Gabriel zusammen und sagte, Zeitpunkt, Wortwahl und Argumentationsketten fügten sich zu einem „systematisch gesteuerten Bild“. In seiner Eigenschaft als SPD-Chef schrieb Gabriel an Vorstandschef Frank Appel, um zu erfahren, ob die Vorwürfe zutreffend sind oder nicht. Allen Arbeitgebern, ganz besonders aber den großen Unternehmen mit Bundesbeteiligung müsse die Achtung persönlicher wie kollektiver Arbeitnehmerrechte abverlangt werden, heißt es der SZ zufolge in dem Brief.

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte die Nachfrage Gabriels bei der Post. „Er hat sich sicherlich nicht ohne Anlass von Hinweisen erkundigt.“ Der Bund hält noch ein Aktienpaket von 21 Prozent an der Post. Es gelte der Grundsatz, dass man sich als Anteilseigner aber nicht in das operative Geschäft einmische, sagte der Sprecher weiter. Auch hält sich der Staat üblicherweise aus laufenden Tarifkonflikten heraus.

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  • Unsere Gewerkschaften sollten mal das ganze Land lahm legen. Dann könne das Land mal wiedr neu geordnet werden, denn das ist höchste Zeit.
    Es wurde in den letz15 Jahren zu viel kaputt gemacht durch die Gier einiger weniger

  • Überall, wo der Staat seine Hände im Spiel hat, wird gestreikt: Lufthansa, Bahn,. Post, öffentliche Kitas.

    Und diese Betriebe bezahlen ohnehin schon weiter höhere Gehälte, als "staatsfreie" Betriebe in der jeweiligen Branche.

  • Sie wissen aber schon wer der Eigentümer der Post ist oder?

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