Medienbericht
Ex-Post-Vorstand schrieb Steinbrück-Erpresserbrief

Einem Drohbrief zufolge hatte die Familie Steinbrück vor Jahren eine illegale Putzhilfe. Den SPD-Kanzlerkandidaten will die Staatsanwaltschaft deshalb nicht belangen - wohl aber den Verfasser. Der scheint nun gefunden.
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MünchenDie Staatsanwaltschaft Bonn hat im Fall des Erpresserbriefs an SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück offenbar die Identität des Absenders geklärt: Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge soll der ehemalige Post-Vorstand Hermann Ude den Brief an Steinbrücks Ehefrau Gertrud geschickt haben.

Unter Berufung auf Kreise berichtet die "SZ", die Staatsanwaltschaft ermittle wegen des Verdachts auf versuchte Nötigung. Anlass für den Brief sollen demnach politische Reden Steinbrücks gewesen sein: Ude habe sich dabei über Äußerungen über die Ausbeutung von Geringverdienern geärgert.

In dem Brief wurde Steinbrück und seiner Ehefrau Gertrud vorgeworfen, vor 14 Jahren eine Putzfrau illegal beschäftigt zu haben. Der Schreiber drohte damit, dies öffentlich zu machen, falls Steinbrück nicht auf die Kanzlerkandidatur verzichtet. Steinbrück und seine Frau wiesen die Vorwürfe entschieden zurück und erstatteten Anzeige gegen Unbekannt.

Am Montag hatte sich der Briefschreiber bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Er habe den Brief zwar in einem Augenblick momentaner Verärgerung über Steinbrück geschrieben, ihn dann aber nicht abschicken wollen. Er sei irrtümlich in die Post geraten.

Die Putzfrau, um die es in dem Drohbrief geht, arbeitet der "SZ" zufolge heute unter anderem im Haushalt Udes. Der Manager, der bis 2011 bei der Deutschen Post im Vorstand für das Frachtgeschäft zuständig war, galt als einer der engsten Vertrauten des früheren Post-Chefs Klaus Zumwinkel.

Dem "SZ"-Bericht zufolge geht die Staatsanwaltschaft Bonn derzeit davon aus, dass Ude den Brief allein geschrieben hat und niemand davon wusste. Eine ungenannte Quelle behaupte demnach allerdings, schon Mitte August sei in konservativen Kreisen über einen solchen Vorwurf gegen Steinbrück gesprochen worden. Auch da sei es um einen Brief und eine angeblich illegale Beschäftigung im Haushalt von Steinbrück gegangen. Udes Umgebung dementiere diese Behauptung. Hermann Ude will, wie verlautete, einen Entschuldigungsbrief an das Ehepaar Steinbrück schreiben.

Annika Reinert
Petrina Engelke
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Medienbericht: Ex-Post-Vorstand schrieb Steinbrück-Erpresserbrief"

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  • @Haha
    Die Daten können sie sicher direkt bei der NSA abrufen.

  • LIEBER Herr Steinbruck, Sie und Ihre Familie, bitte halten Sie durch. Sie leben in Deutschland...... und auch weiterhin . . . ohne Komentar.

    Theo

  • Die Heuchelei in Deutschland ist immer wieder erstaunlich! Man kann die Bevölkerung in drei Gruppen teilen: eine Gruppe beschäftigt "schwarz" Putzfrauen, Gartenarbeiter, Maler, Fliesenleger und andere Handwerker, die zweite Gruppe sind Putzfrauen, Gartenarbeiter, Maler, Fliesenleger und andere Handwerker, die gerne mal "schwarz", brutto für netto ihre Arbeitskraft verkaufen, die dritte, vermutlich die kleinste Gruppe, sind die Übrigen. Sie werden von den anderen für Deppen gehalten.
    Ich könnte auch andere Beispiele für ambitionierte Volkssportler in der Disziplin "Heuchelei" nennen. Grüne Berufspolitiker, die mehr Klimaschutz fordern und die Nutzung von PKWs so teuer und unbequem wie möglich machen wollen, selbst aber ihre qualmenden Uraltdiesel aus Parlamentsgaragen chauffieren oder neben einem Sportwagen noch ein schweres Motorrad halten. In Wahlkampfreden nicht müde werden, darauf hinzuweisen, dass sie gar kein Auto besitzen, sich aber täglich mit dem Taxi an ihren Arbeitsplatz bringen lassen. Sozialdemokraten, die am liebsten die Höhe von Managergehältern durch die Politik diktieren wollen, ihr Ministeramt aber sofort gegen einen Managerposten tauschen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt und dann natürlich ihr neues höheres Gehalt geniessen.
    Oder nehmen wir die "Normalos", die sich über prominente Steuerhinterzieher empören und selber beim Lohnsteuerjahresausgleich mogeln oder bei der Einkommensteuererklärung ihren neuen Spielecomputer als Arbeitsmittel deklarieren, um die Anschaffungskosten absetzen zu können. Bei soviel Heuchelei kann man sich nur angewidert abwenden.

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