Deutschland

_

Medienbericht: Gutschein für Haushaltshilfe soll Frauen in den Job zurücklocken

Nach dem Betreuungsgeld kommt nun der nächste Vorschlag der Koalition: Bis zu 18 Monate lang will Schwarz-Gelb eine Haushaltshilfe bezuschussen - und so Frauen den Wiedereinstieg in den Job erleichtern.

Besseren Wiedereinstieg in den Beruf für Frauen dank Haushaltshilfe? Die Koalition bastelt an einen Gutscheinkonzept. Quelle: dpa
Besseren Wiedereinstieg in den Beruf für Frauen dank Haushaltshilfe? Die Koalition bastelt an einen Gutscheinkonzept. Quelle: dpa

BerlinDie schwarz-gelbe Koalition will Frauen die Rückkehr in den Beruf erleichtern und dazu einem Magazinbericht zufolge die Anstellung von Haushaltshilfen fördern. Nach monatelangen Beratungen hätten sich die Familienpolitiker der Union auf ein Gutscheinmodell geeinigt, nach dem Frauen sich bis zu 18 Monate lang eine Haushaltshilfe teilweise bezahlen lassen können, berichtete der "Focus" am Sonntag vorab. Der Staat solle monatlich 15 Stunden haushaltsnaher Dienstleistungen mit einem Zuschuss von sechs Euro pro Stunde fördern. Angesichts von fünf Millionen Frauen zwischen 25 und 59, die nicht erwerbstätig seien, verstünden die Familienpolitiker das Vorhaben auch als Beitrag im Kampf gegen den Facharbeitermangel. Auch die FDP-Familienpolitiker würden den Vorstoß unterstützen.

Anzeige

Porträt Kristina Schröder, die Unbeliebte

Die jüngste Ministerin im Bundeskabinett hat es schwer: Egal ob Betreuungsgeld oder Frauenquote, Kristina Schröder erntet viel Spott und Kritik. Auch die Auftritte rund um ihr Buch machten sie nicht gerade beliebter.

"Den gut ausgebildeten Frauen müssen wir Zeit für den Wiedereinstieg in den Beruf geben und ihnen helfen, Haushalt und Beruf wieder unter einen Hut zu bringen", sagte die stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Ingrid Fischbach dem Magazin. Auch eine Arbeitsgruppe im Bundessozialministerium wolle bis Mitte Dezember einen Vorschlag zur Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen machen, hieß es in dem Bericht. "Wenn wir diese Dienstleistungen fördern, dann schaffen wir Zeit für Familien und schaffen gleichzeitig Arbeitsplätze", sagte Arbeitsministerien Ursula von der Leyen (CDU). Auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU) unterstütze nach Angaben aus Koalitionskreisen das Vorhaben. Es gebe allerdings Befürchtungen, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble die Pläne ausbremse.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellt die Bundesregierung wegen ihrer Familienpolitik regelmäßig an den Pranger. Zuletzt hatte sie das jährlich 1,2 Milliarden Euro teurere Betreuungsgeld kritisiert, das die Union gegen den Widerstand der Opposition eingeführt hatte und das ab August 2013 für die Betreuung von Kindern zuhause statt in der Kita ausgezahlt werden soll. Der im Gegenzug versprochene Ausbau der Kita-Plätze, die mehr Frauen eine Berufstätigkeit ermöglichen würden, gerät dagegen immer mehr in Verzug. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz soll ebenfalls ab August 2013 gelten, nach amtlichen Angaben fehlen jedoch noch 220.000 Plätze.

Chronologie Steile Karriere eines Hoffnungsträgers

  • Chronologie: Steile Karriere eines Hoffnungsträgers
  • Chronologie: Steile Karriere eines Hoffnungsträgers
  • Chronologie: Steile Karriere eines Hoffnungsträgers
  • Chronologie: Steile Karriere eines Hoffnungsträgers

Frauen arbeiten in Deutschland nach OECD-Angaben überdurchschnittlich häufig in schlecht bezahlten Teilzeitjobs, zudem ist das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen das höchste innerhalb der Europäischen Union. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Auch das Ehegatten-Splitting, das Familien mit nur einem Verdiener oder mit großen Einkommensunterschieden begünstigt, wird von der OECD kritisiert und als Grund dafür genannt, dass in Deutschland vergleichsweise wenige Frauen erwerbstätig sind. Als weitere Ursache gilt die im internationalen Vergleich mit bis zu drei Jahren verhältnismäßig lange Elternzeit, die sich Mütter oder Väter nach der Geburt eines Kindes nehmen können und nach der viele Frauen nicht wieder in den Beruf einsteigen.

 

  • 25.11.2012, 12:13 UhrVor-der-Wahl

    Jetzt drehen Sie im Wahlkampf völlig durch und verschleudern die Steuergelder. Erstens, Haushaltshilfen können sich sowieso nur Besserverdiende leisten. Zweitens ist schon jetzt nicht genügend Arbeit da, fast 3 Mio ALG I und 6,8 Mio ALG II ( ein großer Teil will ja arbeiten ) finden nichts. Also eine weitere Umverteilung von unten nach oben.

  • 25.11.2012, 12:16 UhrVerySeriousSam

    Der Schwachsinn hat bei dieser Regierung Methode. Diese neue Idee, ein weiteres Milliardengrab, entzieht sich völlig der inhalltichen Kommentierung.

  • 25.11.2012, 12:39 UhrPfeil-im-Kopf

    Nach der Herdprämie (Betreuungsgeld) folgt der zweite Pfeil-im-Kopf Vorstoß: Gutschein für Haushaltshilfen.

    Aber bloß nicht in Kindergärten investieren ... Kindergärten heißt ja ... das ist eine Ideologie von der Konkurrenz.

    Es heißt also ... Haushaltshilfen ... schafft Arbeitsplätze. Wie nett. Deutschland als Technologieland investiert also in 3,90 EURO Stundenlohn Friseurinnen und nun in Minimal-Anforderungsjobs für Frauen durch das Haushalthilfinnendasein. Leider ist das aber nicht die Politik, um Deutschland erfolgreich ins 21te Jahrhundert zuführen. Leider nicht.

    Bildung kann im Kindergarten durch Profis früh vermittelt werden. Deutschland möchte aber wohl eine breite Generation an Dummies erziehen. Die Grundschule sind überfordert eine verfehlte frühkindliche Bildung wieder aufzuholen. Kindergärten können eine wichtige Doppelfunktion erfüllen: Bildung u. Pflege der 3 bis 6 Jahre alten Kinder (für einen wichtigen Tagesanteil) und Entlastung der teilw. berufstätigen Eltern, Pärchen u. Alleinerziehende.

    Dieser gedankliche Ansatz versteht aber schwarz-gelb nicht; da kann man wohl nichts machen.

  • Die aktuellen Top-Themen
Energieversorgung: Wenn in Kiew das Licht ausgeht

Wenn in Kiew das Licht ausgeht

Die Lichterketten leuchten, doch die Wohnungen bleiben kalt. Denn die Energieversorgung der Ukraine steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die offizielle Erklärung dafür ist der Krieg – doch der ist nicht der einzige Grund.

Islamischer Staat: IS-Milliz soll 100 ausländische Deserteure getötet haben

IS-Milliz soll 100 ausländische Deserteure getötet haben

Extremisten der IS-Miliz haben laut der „Financial Times“ 100 Ausländer getötet, die an ihrer Seite gekämpft hatten und fliehen wollten. Der IS hat für die Verfolgung von Deserteuren eine eigene Institution geschaffen.

Öffentliche Feier: Hunderte bei Trauerfeier für Ex-Ministerpräsidenten Albrecht

Hunderte bei Trauerfeier für Ex-Ministerpräsidenten Albrecht

Der frühere niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) ist am Samstag beerdigt worden. Unter den Gästen waren viele Politiker. Ein Staatsakt ist für den 22. Dezember geplant.