Medienbericht

Merkel will Kanzlerkandidatur wohl erst 2017 bekanntgeben

Kandidiert Angela Merkel erneut als Bundeskanzlerin für die CDU? Das wird sich wohl nicht vor dem Frühjahr 2017 entscheiden – obwohl das im Dezember zum Problem werden könnte.
Update: 27.08.2016 - 15:02 Uhr
Sollte Angela Merkel erneut antreten, könnte sie Helmut Kohls Rekord-Kanzlerschaft von 16 Jahren einholen. Quelle: dpa
Angela Merkel

Sollte Angela Merkel erneut antreten, könnte sie Helmut Kohls Rekord-Kanzlerschaft von 16 Jahren einholen.

(Foto: dpa)

BerlinCDU-Chefin Angela Merkel will ihre Entscheidung, bei der Bundestagswahl erneut als Kanzlerkandidatin anzutreten, nach "Spiegel"-Informationen wohl erst im Frühjahr 2017 bekannt geben. Grund dafür sei, dass CSU-Chef Horst Seehofer erst dann entscheiden wolle, ob seine Partei Merkel wieder unterstütze, berichtete das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf CDU-Kreise. Die CDU-Spitze reagierte gelassen auf den Bericht. Aus der SPD gab es spöttische Reaktionen über eine angebliche Abhängigkeit Merkels von Seehofer.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: "Die Menschen erwarten, dass wir uns um die Probleme kümmern. Das tun wir. Das Sommerloch ist doch vorbei."

"Der Spiegel" schrieb, für Merkel sei eine Entscheidung Seehofers über eine Unterstützung erst im Frühjahr problematisch, weil sie sich auf dem Essener CDU-Parteitag im Dezember für weitere zwei Jahre zur Vorsitzenden wählen lassen wolle. Dies könne sie gegenüber ihrer Partei aber nur bei einer erneuten Kanzlerkandidatur vertreten.

Laut "Spiegel" wird in Merkels Umfeld befürchtet, dass sie bei einer Ankündigung der Kanzlerkandidatur ohne Unterstützung Seehofers politisch Schaden nehmen könnte. Merkel habe bereits in diesem Frühjahr erklären wollen, ob sie noch einmal Kanzlerin werden möchte. Wegen der Flüchtlingskrise und des Streits mit der CSU habe sie dieses Vorhaben zunächst auf den Herbst verschoben. Doch auch dieser anvisierte Termin sei inzwischen überholt.

In Unionskreisen hieß es dazu am Samstag, bei der Darstellung der Hintergründe handele es sich um frei erfundene Spekulationen. Bei ihrer Sommerpressekonferenz Ende Juli hatte Merkel gesagt, sie werde sich «zum geeigneten Zeitpunkt» dazu äußern, ob sie erneut antrete. "Heute ist dieser Zeitpunkt nicht." Mit Spannung wird erwartet, was sie an diesem Sonntagabend im ARD-Sommerinterview zu dem Thema sagt.

Die Kanzlerin – ein Popstar für Schüler
Die Kanzlerin in der Schule
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Zunächst geht es noch gesittet zu. Im Französischen Gymnasium in Berlin erläutert die kleine Luise der Kanzlerin ihr prämiertes Plakat zum Thema Europa. Angela Merkel hört interessiert zu. Die Elfjährige erklärt, Preis für den Wettbewerb sei ein Selbstporträt mit Kanzlerin.

Merkel lenkt sich mit kleinen Scherzen von der großen Politik ab
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Merkel erstaunt: „Ein Selfie mit mir?“ Luise: „Ja.“ Merkel: „Ist das Selfie schon gemacht?“ Luise: „Nein.“ Merkel: „Wer hat denn den Preis ausgeschrieben, da haben sie mich gar nicht gefragt?“ Luise etwas eingeschüchtert: „Monsieur Legrand.“ Im Foyer des Schulgebäudes macht sich Heiterkeit unter Schulpersonal, Merkels Begleittross und Journalisten breit. Merkel: „Monsieur Legrand - der hat mich nicht gefragt, ob ich für den Preis zur Verfügung stehe.“

Erfahrung mit Selfies
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Die CDU-Vorsitzende hat einen guten Grund, bei Selfies vorsichtig zu sein. Seitdem sie sich mit Flüchtlingen zusammen fotografieren ließ und die Aufnahmen in Internet-Netzwerken millionenfach verbreitet wurden, werfen Gegner der Kanzlerin vor, Hunderttausende Asylbewerber zur Reise nach Deutschland animiert zu haben.

Diskussion mit den Schülern
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Die Flüchtlingskrise und ihre Folgen war auch ein Schwerpunkt der Podiumsdiskussion mit sechs Gymnasiasten und einer Moderatorin, zu der die französische Schule Merkel eingeladen hat. Brav stellen die Schüler der älteren Jahrgänge in der Aula ihre einstudierten Fragen. Spitzen oder Nachfragen bleiben allerdings aus.

Merkel betont die humanitäre Verantwortung
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Merkel betont, dass die Türkei 2,7 Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat, der Libanon 1,5 Millionen und Jordanien eine Million. „Müssen 500 Millionen Europäer nicht auch bereit sein (...) auch vielleicht eine Million aufzunehmen?“, fragt die Kanzlerin. Es sei humanitäre Verantwortung, hier auch einen Beitrag zu leisten, gibt sie selbst als Antwort. Den größten Handlungsbedarf aber sieht sie im außereuropäischen Ausland. Vor allem müssen den Flüchtlingen in der Region selbst geholfen werden: „Also Fluchtursachen bekämpfen.“

Wie ein Popstar
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Das ernste Thema bei der Diskussion hat der Popularität der Kanzlerin vor Ort nicht geschadet. Vor der Schule gibt sie noch Autogramme und die Kinder wollen immer mehr Selfies mit der deutschen Regierungschefin.

Willkommene Abwechslung
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Trotz des Zeitaufwandes scheint die Begeisterung der Jugend auch die Kanzlerin anzustecken. Zumindest nimmt sie sich die Zeit, viele Wünsche zu erfüllen. Im Alltagsgeschäft dürfte ihr diese Reaktionen auch so bald nicht wieder begegnen.

SPD-Vize Ralf Stegner sagte der dpa am Samstag: "Die Kandidatur von Angela Merkel hängt offenbar am seidenen Faden der Gnade von Horst Seehofer." Um den Stolz der CDU "ist es längst geschehen, wenn über die Spitzenkandidatur der Union in München entschieden wird und ein Wahlkampf mit gemeinsamen Inhalten schwer vorstellbar ist". CDU und CSU seien tiefgreifend zerstritten. "Es gibt in der Union keine gemeinsame Linie, keine verlässlichen Absprachen, kein belastbares Vertrauen", sagte Stegner. "Das zeigt auch, dass der Ausgang der Bundestagswahl offener ist denn je."

Die SPD hat auch noch nicht entschieden, wen sie 2017 als Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken will. Geplant ist, Anfang 2017 den Namen des Kandidaten zu nennen und auf einem Parteitag Ende Mai über die Personalie zu entscheiden.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte der dpa in Berlin: "Ich hoffe sehr, dass Frau Merkel ihre Entscheidung nicht von Herrn Seehofer abhängig macht. Und ich hoffe sehr, dass sie frei genug ist, zu entscheiden: will ich das, oder will ich das nicht."

Merkel ist seit 2005 im Amt und damit Europas dienstältestes Regierungsoberhaupt. Die 62-Jährige regiert derzeit zum zweiten Mal in einer großen Koalition mit der SPD. Sollte sie erneut antreten, könnte sie Helmut Kohls Rekord-Kanzlerschaft von 16 Jahren einholen.

  • dpa
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