Medienbericht

Regierung geht gegen Hochfrequenzhandel vor

Für den extrem schnellen Handel an den Börsen will die Bundesregierung eine Zulassungspflicht einführen. Die Bafin soll künftig die Aufsicht über teilnehmende Händler führen.
Update: 28.06.2012 - 14:10 Uhr 7 Kommentare
Händler blicken auf Computerbildschirme in der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Händler blicken auf Computerbildschirme in der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Koalition hat sich auf erste Eckpunkte zur Regulierung des umstrittenen Hochfrequenzhandels an den Börsen geeinigt. Die Betreiber superschneller Handelssysteme werden künftig von der Börsenaufsicht BaFin überwacht. Marktmanipulierende Strategien wie andauernde Preisanfragen ohne echte Handelsabsicht sollen verboten werden. Nach Angaben aus dem Regierungsbündnis vom Donnerstag ist eine Mindesthaltedauer für einzelne Orders aber vom Tisch. Dies hätte hierzulande das Geschäftsmodell vieler sogenannter Algo-Trader zerstört, die mithilfe komplizierter Algorithmen Kursschwanken ausnutzen. Die Deutsche Börse begrüßte die Pläne, forderte allerdings gleiche Regeln für alle Börsenbetreiber in Europa.

Bei der Kontrolle des Algo-Tradings hinkt der Staat weit hinterher. So besteht bisher keine besondere Erlaubnispflicht für solche Investoren und keine Regeln für Systemstörungen. Beim Hochfrequenzhandel setzten Anleger auf Computer, die nach minimalen Kursschwankungen Ausschau halten und dann binnen Sekundenbruchteilen unzählige Aufträge abfeuern. Experten zufolge ist das Algo-Trading in den USA schon für 70 Prozent der Aktienumsätze verantwortlich, in Deutschland dürften es etwa 40 Prozent sein. Kritiker werfen den Betreibern vor, sie lösten gefährliche Preisschwankungen aus und beeinflussten die Kurse.

Die Regulierungslücke will die Koalition nun schließen. Einem Eckpunktepapier des Finanzministerium zufolge werden den Algo-Tradern neben der Erlaubnispflicht umfassende Dokumentationspflichten gegenüber der BaFin auferlegt. Zudem einigten sich die Finanzexperten der Koalition mit dem Ministerium darauf, das bloße andauernde Antesten von Kursen zur Preisbeeinflussung zu untersagen. Bei einer exzessiven Nutzung von Handelssystemen werden Gebühren erhoben. Außerdem sind Mindestgrenzen von kleinstmöglichen Kursänderungen geplant.

Mehr Transparenz, weniger Verkehr

Die Koalition will außerdem die Möglichkeiten der BaFin verbessern, bei ungewöhnlichen Kursschwankungen den Handel zu unterbrechen. Damit will sie Einbrüche wie den "Flash Crash" an der Wall Street im Mai 2010 verhindern. Damals rauschte der US Leitindex S&P 500 innerhalb weniger Sekunden um fast zehn Prozent in den Keller, um sich kurz darauf schnell wieder zu erholen. Experten machten dafür das Algo-Trading mitverantwortlich.

Die Deutsche Börse hat stets betont, dass ein solcher Einbruch in Frankfurt wegen bestehender Sicherheitssysteme nicht möglich sei. Höheren Transparenz-Vorschriften steht das Unternehmen positiv gegenüber und hat mit eigenen Vorschriften bereits einige der Forderungen umgesetzt, die von der Regierung in ihrem Eckpunktepapier gefordert werden.

Wie andere Anbieter bittet die Deutsche Börse seit März etwa diejenigen Kunden zur Kasse, bei denen das Verhältnis von Aufträgen und Handelsabschlüssen ("order-to-trade-ratio") besonders weit auseinanderklafft. Händler, die eine Vielzahl von Aufträgen durch das System jagen, am Ende aber extrem selten handeln, sind Politik und den Börsen nämlich gleichermaßen ein Dorn im Auge: Sie verstopfen mit einer Flut von Aufträgen die IT-Systeme, sorgen aber für verhältnismäßig wenig Umsatz.

"Wir begrüßen grundsätzlich ergänzende Regulierungsmaßnahmen, die dazu beitragen, den Hochfrequenzhandel besser fassbar zu machen - etwa eine Stärkung der Handelsüberwachung oder höhere und erweiterte Anforderungen an das Risikomanagement", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse. Wichtig sei allerdings, dass es für alle Börsenbetreiber in Europa gleiche Voraussetzungen gebe.

Deutschland prescht bei Regulierung vor

Dem Eckpunktepapier des Ministeriums zufolge war auch eine Mindesthaltedauer für Order von beispielsweise 0,5 Sekunden im Gespräch. Dies sei nun nicht mehr geplant, hieß es in der Koalition. Am Markt wurde das mit Erleichterung aufgenommen, schließlich hätte diese Reglung das Geschäft der meisten Hochfrequenzhändler in Deutschland unmöglich gemacht. Experten zufolge wären einige von ihnen in diesem Fall nach London oder an andere Handelsplätze außerhalb Europas ausgewichen.

Mit der nationalen Regulierung der Branche prescht die Koalition wie beim Verbot von Leerverkäufen in der EU vor. "Wir sind auf einem guten Weg, das Finanzministerium hat überzeugende Vorschläge gemacht", sagte der CDU/CSU-Finanzexperte Klaus-Peter Flosbach zu Reuters. Der Gesetzentwurf werde voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte im Kabinett sein. Auf EU-Ebene werden Regelungen zum Hochfrequenzhandel zurzeit bei der Überarbeitung der EU-Finanzmarktrichtlinie MIFID erörtert. (redigiert von Olaf Brenner)


  • afp
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7 Kommentare zu "Medienbericht: Regierung will Hochfrequenzhandel bremsen"

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  • Welche Regierung? Etwa die, die mit illegalen Wahlgesetzen jetzt im Reichstag sitzt. Alle diese Gesetze sind nichtig. Alle diese Personen sind dort illegal. Alle folgenden Gesetze dieser Leute sind nichtig.

  • DAX® (fast) ohne Realität. Was HFH bewirkt: Realer Wert und reales Risiko eines Wertpapiers existieren nur für einen Sekundenbruchteil, nämlich so lange wie es dauert, den Kurs des Wertpapiers im Finanzmarkt zu ermitteln. Eine typische Handelszeit im HFH liegt bei 0,30 Millisekunden. Bei 1 Mio. Kursfeststellungen pro Tag sind das 0,30 Sekunden Realität am Tag. Eine hohe Kursfeststellungsrate ist tatsächlich und grundsätzlich wünschenswert und (er)schafft zusätzliche Realität im Finanzmarkt, was sich wiederum stabilisierend im Finanzsystem auswirkt – auch wenn’s dem "gesunden" Menschenverstand widerspricht.

  • Gewinne in
    < 1h 90% Steuern
    1 h - 1 Tag 70% Steuern
    bis hierhin dürfen Verluste nicht gegengerechnet werden

    1 Tag - 1 Monat 50% Steuern
    > 1 Monat normale Einkommensteuer

    Dann regelt sich das von selber.

    Plus:
    Banken mit Geschäftsverkehr dürfen grundsätzlich keinen Eigenhandel treiben.

  • Wie wär's wenn die Bundesregierung einfach den Hochfrequenzhandel in die geplante Finanztransaktionssteuer mit einschließt? Dann wäre das Problem sehr schnell erledigt. Solange er von der Steuer ausgeklammert wird, ist die ganze Sache ziemlich sinnfrei und eine Volksverdummung.

  • ich wünsch den verantwortlichen viel tatkraft! denn..
    1. fasst mal die htf daten in den richtigen zeitintervallen zusammen. so sieht mann/frau "einen haufen" relaxationsschwingungen, d.h. diskrete (kauf und verkauf) oszillatoren schaukeln (leicht phasenbeziehungen) lustig die märkte durcheinander. die hardware (kabel und bausteine) entscheidet über gewinn. volkswirktschaftlich ein "perverser" und "parasitärer" gewinn ohne nutzen. teils bestimmt durch die 2/3 laufzeit des lichts in glasfasern usw.
    2. die häufig geäußere behauptung, dass optionen usw. die fluktuationen an den märkten minimieren ist grotten falsch. die helbelwirkung führt im gegenteil nur zu einer giganischen verzerrung der preisfindung. nur in einem kleinen schwankungregiem bei extrem geringer volativität, d.h. hohem handelsvolumten, ist dies korrekt (quasi lineare näherung). dieses kleine schwankungsregiem ist nur in "wirklich gesunden funktioniernenden märkten (handelsvolumen, realwirtschaftlier handel)" gültig. jeder der was anderes behauptet, soll mir seine daten zeigen. ansonsten ist er meiner meinung nach ein lügender profiteur.


  • Verbieten ohne wenn und aber! Der gearschte ist der Anleger. Alternativ jede eingegebene Order mit 50% besteuern, auch dann wenn der Computer am Südpol steht.

  • Da man den Hochfrequenzhandel als Mensch auf Dauer nicht schlagen kann, gibt es bei eher soldieren Anlegern die Tendenz sich von der Börse abzuwenden. Der Schaden wird auf Dauer für aktiennotierte Betriebe enorm werden.

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