Medienberichte
Deutsche Marine hört Assad-Truppen ab

Offenbar kreuzt vor der syrischen Küste ein deutsches Ausklärungsschiff und sammelt Informationen über die Assad-Truppen, für die Opposition. Unterdessen zieht die UN letzte Beobachter aus dem umkämpften Land ab.
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DamaskusEin Aufklärungsschiff der Deutschen Marine ist auf dem Weg zu einem Einsatz im östlichen Mittelmeer. Über den genauen Auftrag wollte sich das Verteidigungsministerium in Berlin am Sonntag nicht äußern. Das Schiff habe keinen Spionageauftrag, sagte ein Ministeriumssprecher. Er reagierte damit auf einen Bericht der Zeitung „Bild am Sonntag“, wonach ein deutsches Spionageschiff vor der syrischen Küste kreuze.

Das Flottendienstboot „Oker“ lag nach Angaben des Ministeriums am Sonntag im Hafen von Cagliari an der Südspitze der Insel Sardinien. Es sei „im nationalen Auftrag“ unterwegs ins östliche Mittelmeer, zu den operativen Einzelheiten gebe das Verteidigungsministerium grundsätzlich keine Auskunft, sagte der Sprecher. Die „Oker“ sei mit Frühwarn-, Fernmelde- und Aufklärungseinheiten ausgerüstet. Der Sprecher verwies darauf, dass es schon seit Jahren solche Aufklärungseinsätze im östlichen Mittelmeer gebe.

Die „Bild am Sonntag“ hatte berichtet, mit der Technik an Bord ließen sich Truppenbewegungen bis zu 600 Kilometer tief in Syrien beobachten. Die Erkenntnisse, etwa über militärische Operationen der Armee von Machthaber Baschar al-Assad, würden vom Bundesnachrichtendienst (BND) an amerikanische und britische Partnerdienste weitergegeben. Von dort aus gelangten auch Informationen an die syrische Befreiungsarmee.Außerdem sind laut „Bild am Sonntag“ BND-Agenten im türkischen Nato-Stützpunkt Incirlik bei Adana stationiert. Von dort aus hörten sie Telefonate und Funkverkehr aus Syrien ab. BND-Sprecher Dieter Arndt sagte zu dem Zeitungsbericht am Sonntag: „Kein Kommentar.“

Auf die Frage nach einem Einsatz von Mitarbeitern oder geheimdienstlicher Technik des BND auf dem Schiff antwortete der Sprecher: "Zu operativen Einzelheiten des aktuellen Einsatzes werden grundsätzlich keine Auskünfte erteilt." Entsprechend äußerten sich auch Sprecher der Bundesregierung und des BND. Scharfe Kritik übte die Linksfraktion im Bundestag. "Das ist eine verdeckte Kriegsbeteiligung ohne Zustimmung des Bundestags und damit rechtswidrig", sagte Vizechef Ulrich Maurer der "Berliner Zeitung" vom Montag. Die Marine sei etwa im Zusammenhang mit der laufenden UN-Mission UNIFIL vor der libanesischen Küste ohnehin in der Region im Einsatz, sagte hingegen der Ministeriumssprecher.

"Kein westlicher Geheimdienst hat so gute Quellen in Syrien wie der BND", sagte ein US-Geheimdienstler der "Bild am Sonntag". "Wir können stolz darauf sein, welchen wichtigen Beitrag wir zum Sturz des Assad-Regimes leisten", sagte ein BND-Mitarbeiter dem Blatt. BND-Chef Gerhard Schindler hatte Mitte August ein baldiges Aus für die syrische Führung vorhergesagt. Das Magazin "Spiegel" hatte Mitte Januar berichtet, das Flottendienstboot "Alster" sei zum damaligen Zeitpunkt seit Anfang November mit 85-köpfiger Besatzung im östlichen Mittelmeer zur Informationsgewinnung unterwegs gewesen. Da es sich nicht um einen bewaffneten Einsatz handelte, war das Schiff ohne Kenntnis des Bundestags unterwegs.

Auch der britische Geheimdienst soll die syrischen Rebellen mit Informationen über Bewegungen der Truppen Assads versorgen. Der Dienst beobachte "die Lage von Zypern aus genau", sagte ein Rebellenvertreter der Zeitung "The Sunday Times". Gesammelte Informationen würden dann an die USA und die Türkei weitergegeben. "Wir bekommen sie von den Türken", sagte der Oppositionsaktivist.

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  • Ja, so ne freie Presse, das ist aber auch wirklich ein Aergernis! Aehmmm, Sie wollen doch sicher auch dem boesen Assad mal so richtig Demokratie erklaeren , und Pressefreiheit und Meinungsfreiheit und so:-)))

  • Es mag sein, dass die Bundesregierung eine Einheit zur Aufklärung entsendet hat, oder auch nicht. In jedem Fall ist es absolut unverantwortlich von der Presse, darüber zu berichten. Hier wir der Effekthascherei Vorrang vor der Sicherheit der Besatzung gegeben.

    Eine Schande für die deutsche Presse - auch für das Handelsblatt.

  • Heute eher Kanzler der Commerzbank-Dresdner / ALLIANZ - Versicherung (Was ist eine "Bad Bank"?)

    Warum darf eine Bank von SCHÄDEN profitieren? Indem Sie die Schadenbehebung finaziert und dabei ZINSEN verdient, die oberhalb des Zentralbankenleihsatzes liegen - sie könnte sich ds Geld doch direkt von dort holen.

    5 % über EZB Zinssatz wenn ich selbst zu 0% über dem Zinssatz bei der EZB Geld holen kann?

    So verdient Sie - schlimmmstenfalls - an Kriminalität.

    Genau wie eigentlich niemand einen direkten Erwerbsvorteil von Investitionsgütern (neu eingekaufte Maschinen für eine daran pleitegehende Fabrikation) aus Pleiten seiner Konkurrenten ziehen dürfen. Sonst spekulieren die Konkurrenten darauf den eigenen Maschinenpark billig zu erneueren indem sie denjenigen der als erstes investiert absichtlich per Kartell pleitegehen lassen. Siehe identisches beim Hausbau.
    Durch Konjunkturdellen, damit verbundener Arbeitslosigkeit und Hartz4 kommen viele per Zwangsversteigerung billig an die Häuser derjenigen
    die mal "reale" Preise bezahlt haben. DAS IST EINTEIGNUNG DES KleinBUERGERS. Die beklauen sozusagen ihre Mitmenschen um die Differenz zwischen Versteigerungserlös und Preis eines normalen Kaufes oder Neubaus. Ich hab das mit dem Run auf die Banken und den Immoblienpreisen mal hier im Forum kommentiert.

    http://www.heise.de/tp/artikel/20/20194/1.html

    Au revoir, Gr_&amp;szlig; Ma><

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