Medienwirksames Foto
Der heikle Besuch der Kanzlerin in der Kabine

Viele Menschen wären nicht abgeneigt, dürften sie Kanzlerin Angela Merkel die Hand schütteln. Mesut Ösil durfte. Die Folge ist ein medienwirksames Foto, das einen verschwitzten, halbnackten und dazu verdutzten Nationalspieler zeigt. Inzwischen ging beim DFB eine Entschuldigung Merkels ein – die Union legte um zwei Prozentpunkte zu.
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HB. Fast so sehr wie die drei deutschen Tore im WM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei hat sich ein Foto ins kollektive Gedächtnis geschoben. Es zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im grünen Jackett, wie sie einem verschwitzten Mesut Özil mit nacktem Oberkörper die Hand schüttelt. Man sieht Özil dabei durchaus an, dass er lieber frisch geduscht und voll bekleidet der Kanzlerin entgegengetreten wäre; das ginge wohl den meisten Bürgern im Umgang mit der mächtigsten Frau des Landes genauso.

Je öfter das Bild gedruckt wurde, desto irritierter äußerte sich Özil, wand sich Nationaltrainer Jogi Löw und quälte sich DFB-Präsident Theo Zwanziger, so kurz vor der für ihn anstehenden Wiederwahl: Er fühlte sich wohl verantwortlich dafür, Merkel in ihrem Sturm auf die Kabine nicht gebremst, danach die Kanzlerinfotografen nicht gestoppt und die Veröffentlichung des Fotos nicht verhindert zu haben: Nationaler Lorbeer und Verdienstkreuze sind das eine - politisch instrumentalisierbare Fotos etwas ganz anderes, fanden viele beim DFB.

Inzwischen gab es ein „klärendes Gespräch“, so das Kanzleramt. Der DFB sprach von einer „Entschuldigung“ Merkels. Was immer das Telefonat war: Merkel will künftig nie wieder unangemeldet in die Kabine. In der aktuellen Forsa-Umfrage legt die Union zwei Prozentpunkte zu. Das hat natürlich nur mit Merkels Politik zu tun.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Medienwirksames Foto: Der heikle Besuch der Kanzlerin in der Kabine"

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  • [2] Frontfotograf
    ......... na immerhin ist die Angela nicht gleich in die Dusche gestürmt!",
    zu Cacau wollte sie eigentlich, aber Özil stand vor der Dusche und versperrte den Weg. Und weil sie ihm über die Schulter schaute, nahm er sie an die Hand und führte sie ab.
    Naja, das sind so alte Gewohnheiten vom Kombinat rote Rübe, wo man auch mal um Volksnähe zu zeigen einem nackten Melker, der sich verdient gemacht hatte, die angefeuchtete Hand schüttelte.

  • Wenn man keine wirklichen Problem hat, sucht man sich welche. Zu Führer's Zeiten wäre sowas kein Problem gewesen oder geworden, ganz im Gegenteil!

  • ......... na immerhin ist die Angela nicht gleich in die Dusche gestürmt!

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