Medizinische Versorgung
Landbevölkerung hat weiter zu wenige Ärzte

Die Bedarfsplanung von Arztpraxen geht zum Teil weit am tatsächlichen Bedarf einer Region vorbei. Das liegt auch am Verteilungsschlüssel. Der könnte geändert werden – wenn Ärzte und Kassen wollten.
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BerlinDie Land-Bevölkerung ist bei der Versorgung mit Arztpraxen weiterhin im Nachteil gegenüber Städtern. Daran habe auch die vor zwei Jahren in Kraft getretene Bedarfsplanung nichts geändert, nach der Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen die Verteilung der Arztpraxen festlegen sollen. Dies ergab eine am Dienstag veröffentlichte Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Die Planung weicht danach weiterhin bis zu 70 Prozent vom tatsächlichen Versorgungsbedarf ab.

Laut Studie praktiziert zum Beispiel die Hälfte aller Psychotherapeuten in Großstädten, obwohl hier nur ein Viertel der Bevölkerung lebt. Auch die Praxen der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Orthopäden, Nervenärzte und Urologen konzentrieren sich demnach in den Städten. Folglich mangelt es auf dem Land an Fachärzten.

Die Gesundheitspolitikerin der Linken-Fraktion, Birgit Wöllert, kritisierte, dass „das sogenannte Landarztgesetz von 2012 für die Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung in ländlichen Regionen ein ziemlicher Schuss in den Ofen“ gewesen sei. „Auch der jetzt vorliegende Gesetzentwurf ändert die Grundlagen der Bedarfsplanung nicht.“

Die Ärzte-Verteilung in Stadt und Land ist auch ein Schwerpunkt des Versorgungsstärkungsgesetzes, das an diesem Mittwoch Thema bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss ist. Das Gesetz von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) war Anfang März in erster Lesung im Bundestag.

Es soll unter anderem finanzielle Anreize schaffen, um Ärzte für unterversorgte Gebiete zu gewinnen. In überversorgten Gebieten soll künftig eine Praxis nur dann nachbesetzt werden, wenn dies für die Versorgung der Patienten sinnvoll ist. Die Einzelfallentscheidung treffen Ärzte und Krankenkassen vor Ort.

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Finanzielle Anreize sollen helfen

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