Medizinische Versorgung
Union und SPD wollen Wartezeit beim Arzt verkürzen

Kassenärzte sehen den Vorstoß von Union und SPD für eine Vierwochenfrist bei der Terminvergabe kritisch. Die Ärzte seien häufig überlastet. Wird die Frist nicht eingehalten, wollen SPD und CDU Alternativen bieten.
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BerlinDie niedergelassenen Ärzte sehen den Vorstoß von Union und SPD für eine Vierwochenfrist bei der Terminvergabe in Facharztpraxen kritisch. Es sei fraglich, ob solch eine pauschale Frist ohne Prüfung der medizinisch notwendigen Behandlung sinnvoll sei, erklärte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, am Freitag in Berlin. Die KBV lehnt die Pläne nicht von vornherein ab. Wenn die Politik Fachärzte und Kassenärztliche Vereinigungen in die Pflicht nehme, dann müssten aber zugleich „die heute schon häufig überlasteten Praxen“ entlastet werden, forderte Köhler.

Er verwies auf eine Umfrage der KBV, wonach rund 80 Prozent der gesetzlich Versicherten keine Probleme mit der Wartezeit haben und Termine entweder sofort oder deutlich unterhalb von vier Wochen bekommen. Laut der im Sommer veröffentlichten Studie muss allerdings rund jeder zehnte Patient mehr als drei Wochen auf einen Termin warten. Besonders lange Wartezeiten gibt es demnach bei Kardiologen, Frauenärzten und Urologen. „Dort, wo es längere Wartezeiten gibt, müssen wir im Interesse der Patienten Lösungen finden“, erklärte Köhler.

Union und SPD wollen die oft sehr langen Wartezeiten für einen Arzttermin verkürzen. Bekommen gesetzlich Versicherte künftig innerhalb von vier Wochen keinen Facharzttermin, sollen sie zur Behandlung ins Krankenhaus gehen können. Das hatten die Vertreter von Union und SPD nach ihren Koalitionsgesprächen zur Gesundheitspolitik am Donnerstag mitgeteilt. Verantwortlich für die Terminvergabe innerhalb der Vierwochenfrist sollen die für die niedergelassenen Ärzte zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen sein. Geht der Patient ins Krankenhaus, soll dies aus dem Krankenkassen-Budget für die niedergelassenen Ärzte bezahlt werden.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Medizinische Versorgung: Union und SPD wollen Wartezeit beim Arzt verkürzen"

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  • Viel wichtiger wäre es doch zuerst mal die überteuerten Krankenversicherungsbeiträge zu deckeln.

    Jemand der keine Risikosportarten ausübt, etwas für seine Gesundheit tut etc sollte optionsweise auch einen höheren Selbstbehalt wählen können oder entsprechend hohe Rückerstattungen bei Leistungsfreiheit gewährt bekommen (gibt es zwar bei einigen Kassen schon als "Lightversion" aber die Ersparnis ist aktuell kaum der Rede wert)

    60 EUR/Monat wären wohl für jeden bezahlbar aber momentan liegen die KV-Beiträge mind. fast dreimal so hoch, selbst für Versicherte die das ganze Jahr über kaum zum Arzt gehen und keine sonstigen Leistungen in Anspruch nehmen.

  • Und seht dann auch so ein "Fach"-Politiker immer vor Arztpraxen oder Krankenhäusern und überwacht das?
    Im Gesundheitssektor hat die Polit6ik die letzen 20 Jahre nichts Ordentliches zustande gebraht. Wie auch?
    Niemand dieser Leute kommt in irgend einer Weise aus dem Gesundheitsbereich.
    Die längsten Wartezeiten gibt es übrigens bei Röntgenologen
    Und es sollte auch mal nachgefragt werden, mit was für "Krankheiten" ein Großteil der Leute heute zum Arzt gehen

  • Typisch Michel!

    Zuesrt wählt er dieses Politikerklientel, welches das aktuelle KV-System zu verantworten hat, erneut mit beeindruckender Mehrheit, um sich dann wieder in individuell essentiellen Kleinigkeiten über die -bekannten- Missstände zu beschweren!!?

    Tragisch ist, dass das einzelne Hirn erfahrungsgemäß erst dann anfängt zu arbeiten, wenn es selbst betroffen ist!

    Tipp: Nehmnt einen tiefen Schluck aus der sch... Situation, damit der Nachgeschmack bis zum nächsten Kreuzchtermin im Wahllokal erhalten bleibt!

    Übrigens: Vielleicht solltet ihr auch Beamt/in/er werden, die kommen immer mit dem, durch die Horde der gewerblichen Angestellten und Arbeiter finanzierten, Privatpatientenbonus ins "andere" Wartezimmer.

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