Mehr Energieeffizienz gefordert
Energieagentur warnt vor Fokus auf Öko-Strom

Die Deutsche Energieagentur (Dena) warnt davor, beim Klimaschutz allein auf die erneuerbaren Energien zu setzen. Nach Ansicht von Dena-Chef Stephan Kohler wird der Klimaschutz durch den Einsatz regenerativer Energieträger oftmals zu teuer erkauft. Die Dena gehört je zur Hälfte dem Staat und der KfW-Bankengruppe.

BERLIN. „Die nächsten zehn bis 15 Jahre sind von entscheidender Bedeutung. Diese Zeitspanne bleibt uns, um uns auf die echten Potenziale zu konzentrieren. Wenn wir die falschen Schwerpunkte setzen, wird sich das später rächen. Das Thema Klimaschutz ist keine Spielwiese mehr“, sagte Kohler dem Handelsblatt. „Die zentrale Frage lautet: Wie können wir mit dem geringsten Mitteleinsatz den größten Nutzen erzielen – national, aber auch international? Es geht darum, möglichst viel Klimaschutz fürs Geld zu bekommen.“ Kohler sieht die größten Potenziale in der Steigerung der Energieeffizienz. Er rechnet vor: Wer die Emission von einer Tonne Kohlendioxid vermeiden will, muss 500 bis 600 Euro zahlen, wenn er dies durch den Einsatz einer Photovoltaik-Anlage erreichen will. Wer dagegen sein durchschnittlich isoliertes Gebäude zum Niedrigenergiegebäude umrüstet, muss pro eingesparte Tonne Kohlendioxid lediglich 20 bis 50 Euro investieren. Durch die Steigerung der Energieeffizienz „lässt sich mit geringem finanziellen Aufwand sehr viel bewirken“, argumentiert Kohler. „Energieeffizienz muss deshalb die Grundlage für jede Diskussion über den Energieträgermix sein, auch was die Rolle der Erneuerbaren betrifft.“

Das von der Bundesregierung aufgelegte CO2-Gebäudesanierungsprogramm, das die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden mit zinsverbilligten KfW-Darlehen fördert, ist aus Sicht Kohlers „ein Schritt in die richtige Richtung“. Es reicht aus seiner Sicht aber noch nicht aus. „Wir benötigen einen ehrgeizigen Mix aus Ordnungsrecht, Förderprogrammen und Marktinstrumenten. Die entscheidende Frage ist, welche Technologie wir am schnellsten zur Wettbewerbsfähigkeit führen. Wir müssen ein ambitioniertes, aber realistisches Programm entwickeln, uns aber von manchen Träumen verabschieden.“ Nicht alle regenerativen Energietechnologien könnten hierzulande effizient genutzt werden.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien gehört zu den Schwerpunkten der deutschen Energiepolitik. Die Bundesregierung will die EU-Staaten während der deutschen Ratspräsidentschaft darauf verpflichten, einen Anteil der Erneuerbaren von 20 Prozent an der Stromerzeugung als Ziel für das Jahr 2020 festzuschreiben. Das Thema steht auf der Tagesordnung des EU-Gipfels Ende der Woche. In Deutschland ist das 20-Prozent-Ziel bereits im Koalitionsvertrag von Union und SPD festgeschrieben. Umwelt- und Energiepolitiker aus SPD und Union wollen den Anteil bis 2020 sogar noch stärker steigern.

Derzeit werden rund elf Prozent des in Deutschland produzierten Stroms aus Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse gewonnen. Gefördert wird der Einsatz der Erneuerbaren durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Wer Öko-Strom gewinnt, erhält eine Vergütung, die zum Teil deutlich über dem Marktpreis liegt. Laut Koalitionsvertrag sollen die Vergütungssätze für den Öko-Strom „bis 2007“ überprüft werden.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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