Mehr Erstsemester
Unis verzeichnen kräftigen Zulauf

Studieren in Deutschland wird wieder attraktiv: Drei Jahre lang war die Zahl der Erstsemester gesunken, nun steigt sie wieder. Dabei spielten vor allem die Studiengebühren in so manch einem Bundesland eine entscheidende Rolle.

BERLIN. 2007 haben 358 000 Schulabgänger ein Studium begonnen – knapp vier Prozent mehr als 2006, meldet das Statistische Bundesamt. Auch die Klage der Wirtschaft über fehlende Ingenieure und Informatiker zeigt offenbar Wirkung: In den Mangelfächern zeigt der Trend wieder nach oben. Zudem kommt die von den Bildungspolitikern gewollte Umschichtung hin zu den Fachhochschulen in Gang: Während die Zahl der Erstsemester an den Universitäten nur um knapp zwei Prozent stieg, meldeten die Fachhochschulen acht Prozent mehr.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) bezeichneten den Wiederanstieg der Anfängerzahl als „Trendwende“. Der Hochschulpakt von Bund und Ländern zur Schaffung zusätzlicher Studienplätze zeige erste Wirkung, sagte Schavan. HRK-Präsidentin Margret Wintermantel hält die zusätzlichen Mittel an vielen Hochschulorten jedoch für nicht ausreichend, um attraktive Studienbedingungen zu schaffen und die höheren Anforderungen in den verschulteren Bachelor-Studiengängen zu erfüllen.

Überdurchschnittlich stieg die Zahl der Studenten in den neun Ländern, die keine Gebühren erheben, sagte der Vize-Präsident des Statistikamtes, Peter Weigl. Von den sieben unionsregierten Gebühren-Ländern haben nur Hamburg und Niedersachsen bei den Anfängern überdurchschnittlich zugelegt. Um den Schülern die Scheu vor einem Studium zu nehmen, brauche es endlich ein großes Angebot an Stipendien, forderte die Generalsekretärin der HRK, Christiane Gaehtgens. „Seit Jahren kündigt die Wirtschaft das an, gesehen haben wir bisher nichts“.

Erstmals seit 2003 ist auch die Studienanfängerquote wieder gestiegen: 36,6 Prozent eines Jahrgangs schlagen nun eine akademische Laufbahn ein. Im OECD-Mittel sind es jedoch mehr als die Hälfte. Vom nationalen Ziel, die Akademikerquote auf 40 Prozent zu steigern, ist Deutschland dennoch weit entfernt. Das gilt umso mehr bei den Absolventen: Der Anteil derer, die das Studium auch erfolgreich beenden, lag zuletzt nur bei 21 Prozent eines Jahrgangs.

Als besonders erfreulich wertete die Präsidentin der HRK, Margret Wintermantel, das Plus bei den Studenten in den neuen Ländern. Anders als im Westen geht es im Osten angesichts der fehlenden Schüler darum, Kapazitäten an den Hochschulen zumindest zu halten und dafür Studenten aus dem Westen anzulocken. Die West-Länder hingegen haben es 2007 noch nicht geschafft, ihre Verpflichtungen aus dem Hochschulpakt mit dem Bund einzulösen: Statt wie vereinbart 13 000 zusätzliche Studenten aufzunehmen, waren es nur 3 600, heißt es bei der HRK. Die größte Lücke tut sich dabei in NRW und Baden-Württemberg auf.

Generell könnten die Hochschulen noch mehr Studenten aufnehmen, wenn das chaotische Zulassungsverfahren geordnet würde, klagte Wintermantel. Weil sich Studenten mehrfach bewerben, „bleiben am Ende Plätze frei, die durch komplizierte Nachrückverfahren besetzt werden, wobei für viele ein Semester verloren geht.“ Die Kultusminister wollen daher eine zentrale Servicestelle nach britischem Vorbild einrichten. Diese kann jedoch frühestens 2009 voll funktionieren, heißt es bei der HRK.

Zusatzpotential für künftige Studenten ist mittlerweile durchaus wieder vorhanden: Noch 2003 gab es etwa genau so viele Schulabgänger mit Abitur oder Fachhochschulreife wie Studienanfänger. Weil aber in den Folgejahren viele vor einem Studium zurückschreckten und stattdessen lieber eine duale Ausbildung begannen, klafft hier eine Lücke von rund fünf Prozent eines Jahrgangs, die studieren könnten, es aber bisher nicht tun.

Einen deutlichen Effekt haben offenbar die Gebühren für Langzeitstudenten, die elf Länder eingeführt haben. Der Anteil der Bummelanten sank von noch zehn Prozent im Jahr 2001 auf zuletzt sechs Prozent.

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