Mehr Förderung gefordert
Deutschland fällt technologisch zurück

Um den Technologiestandort Deutschland steht es nicht gut. Denn die Bundesrepublik hält länger als andere Volkswirtschaften an Industrien fest, die kaum mehr wachsen.

BERLIN. „Der Abstand zur Spitzengruppe ist deutlich größer als der Vorsprung zum Verfolgerfeld“, schreiben die Autoren des Berichts zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2006 für die Bundesregierung. Die Verfolger schlügen meist ein höheres Tempo als Deutschland ein. Zu ihnen gehören vor allem China und Indien.

„Um den Abstieg zu vermeiden, sind weit größere Anstrengungen nötig“, heißt es in der Studie, die unter der Federführung des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW) in Hannover entstand. Ein Strukturwechsel – weg von Automobilbau und Maschinenbau, hin zu Pharmazie/Biotechnologie, Information- und Kommunikation, Elektronik und Medientechnik – ist jedoch nur machbar mit hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F+E). Hier liegen die deutschen Unternehmen international nur noch auf Rang acht – Ende der 80er Jahre war es noch Platz drei. Dazu kam in den vergangenen Jahren der sinkende Anteil des Staates. Insgesamt hat sich Deutschlands Gewicht bei Forschung und Entwicklung im vergangenen Vierteljahrhundert damit weltweit fast halbiert: Sein Anteil sank von elf Prozent in 1981 auf heute sechs Prozent.

Es gehe nicht um eine vorübergehende Durststrecke, warnt der Bericht: „Vielmehr rüttelt die lang anhaltende Schwächeperiode mittlerweile an den Fundamenten der technologischen Leistungsfähigkeit“. Das zeige die Entwicklung der Produktivität: „Deutschland kann das Tempo der Konkurrenten nicht mehr mitgehen“.

Die Bundesregierung will daher ihrem Beitrag dazu leisten, die F+E-Ausgaben bis 2010 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Derzeit liegt er bei knapp 2,5 Prozent – das ist international nur noch Rang neun. Unter anderem will die Regierung vor allem den innovativen Mittelstand fördern. Dies empfiehlt auch der Technologie-Bericht. Gerade innovative Mittelständler seien wichtig, weil sei „immer intensiver in der Spitzentechnologie zu finden sind und damit die Speerspitze der technologischen Weiterentwicklung bilden“, heißt es in der Bestandsaufnahme. Zwar sei ihre Zahl zuletzt gestiegen. Es mangele ihnen jedoch an Geld. Daher seien neue Förderinstrumente wie der High-Tech-Fonds und der Europäische Investitionsfonds (EIF) zu begrüßen. Parallel empfehlen die Ökonomen eine indirekte Förderung – etwa über steuerliche Gutschriften, wie sie mittlerweile viele Industrienationen einsetzen. Diese hätten den Vorteil, dass sie „Forschung und Entwicklung per sé begünstigen und nicht bestimmte technologische Ausrichtung favorisieren“.

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