Mehr Geld gefordert
Bildungsleerlauf verärgert Wirtschaft

Ein halbes Jahr nach dem Bildungsgipfel der Kanzlerin und der Ministerpräsidenten macht sich in der Wirtschaft Unmut breit. "Leider lassen sich sechs Monate nach dem Gipfel bei vielen verabredeten Maßnahmen kaum Fortschritte erkennen. Das ist für eine Bildungsrepublik eindeutig zu wenig", sagte Hans Heinrich Driftmann dem Handelsblatt.

BERLIN. Der neue Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bezeichnet es als Fehler, dass die Erhöhung der Ausgaben für Bildung und Forschung auf zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) erst bis 2015 vereinbart worden seien: "Dadurch fehlt kurzfristig schlicht der politische Selbstverpflichtungsdruck." Driftmann erwartet deshalb von den Länderfinanzministern, dass sie im Mai ein tragfähiges Konzept zur Erreichung des Zehn-Prozent-Ziels vorlegen: "Gerade in der Wirtschaftskrise muss Bildung Konjunktur haben, ein Nachlassen wäre fahrlässig."

Am morgigen Mittwoch ist es genau ein halbes Jahr her, dass die Kanzlerin zum großen Wurf ansetzte. Mit den Länderfürsten vereinbarte sie in Dresden zahlreiche Maßnahmen, für die "Bildungsrepublik Deutschland". Die Verwirklichung soll eine Steuerungsgruppe der Staatskanzleichefs bis Oktober 2009 garantieren. Die Runde hat bisher jedoch nur ein einziges Mal getagt - und sich nach Informationen des Handelsblatts auf Druck der Länder auf Mai vertagt. Stolperstein ist das Geld: Die Ausgaben für Bildung sollen bis 2015 auf sieben Prozent, die für Forschung auf drei Prozent des BIP steigen. Allein bei der Bildung beträgt die Lücke rund 25 Mrd. Euro. Dafür verlangen die Länder einen höheren Beitrag des Bundes - doch die Kanzlerin winkte ab. Die Länderfinanzminister sollen am 6. Mai erste Vorschläge machen.

Wenn die gesamten Bildungsausgaben steigen sollen, müsste auch die Wirtschaft ihren Beitrag, etwa zur beruflichen Bildung, erhöhen. "Bisher gab es dazu aber noch keine Gespräche", sagte der Bildungsexperte des DIHK, Günter Lambertz. Von der langen Ziel-Liste, die der Gipfel inhaltlich aufgestellt hat, ist bisher gerade mal ein einziges auf gutem Weg: Schneller als geplant haben die Kultusminister im März beschlossen, den Zugang zu den Hochschulen für Nicht-Abiturienten einheitlich zu regeln und zu erleichtern. Meister, Fachwirte und Praktiker mit ähnlichen Abschlüssen erhalten einen allgemeinen Hochschulzugang.

Zudem dürfen auch Absolventen einer Berufsausbildung nach drei Jahren Praxis ein einschlägiges Fach studieren, wenn sie eine Prüfung erfolgreich ablegen. "Das ist eine wegweisende Entscheidung", lobt Lambertz, auch wenn er noch nicht in Landesrecht umgesetzt ist. Nun sei eine breite Infokampagne nötig, damit der Nachwuchs auch von den neuen Möglichkeiten erfahre. "Die Hochschulen müssen sich auf diese Klientel einstellen - vor allem durch mehr berufsbegleitende Studiengänge und Brückenkurse, um ihnen den Einstieg zu erleichtern."

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