Mehr Lohn für mehr arbeit
Tarifvertrag für Bau besiegelt

Für die etwa 800 000 Beschäftigten des Baugewerbes gilt ein neuer Tarifvertrag. Die Arbeitgeber und die IG Bau einigten sich am Dienstagmorgen in Wiesbaden in der achten Verhandlungsrunde.

HB WIESBADEN. Bauarbeiter im Westen erhalten von September 2005 bis März 2006 sieben Einmalzahlungen von je 30 Euro. Die Löhne und Gehälter werden in den alten Bundesländern zum 1. April 2006 um ein Prozent erhöht. Vereinbart wurden auch längere Arbeitszeiten. Von Januar 2006 an gilt für alle Beschäftigten die 40- Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Bislang wurden 39 Stunden pro Woche gearbeitet. Nach Angaben der Arbeitgeber sinken die Lohnkosten dadurch im Schnitt um 2,5 Prozent. Dieser Tarifvertrag gilt für ein Jahr.

Die IG Bau war im Juni 2004 erstmals ohne Lohnforderung in die Tarifrunde gegangen, um eine Beschäftigungssicherung zu erreichen.

Der Tarifvertrag über Mindestlöhne wurde um zwei Jahre bis August 2008 fortgeschrieben, damit er noch vor einem möglichen Regierungswechsel im Herbst für allgemein verbindlich erklärt werden kann. Alle vier Mindestlöhne am Bau werden vom 1. September an um je 1,7 Prozent gesenkt. In den beiden folgenden Jahren gibt es jeweils zum 1. September eine Erhöhung um 0,10 Euro.

Ein neues Leistungslohnsystem wurde vereinbart, das nicht nur besonders gute Arbeit belohnt, sondern bei mangelhafter Arbeit auch Abzüge vom Monatslohn zulässt.

Teil des Gesamtpakets ist auch eine Vereinbarung zur Förderung der ganzjährigen Beschäftigung, mit der die Schlechtwettergeldregelung abgelöst werden soll. Mit der Jahresarbeitszeit will die IG Bau verhindern, dass arbeitslose Bauarbeiter im Winter nur noch das niedrige Arbeitslosengeld II bekommen. Die Arbeitgeber sollen künftig Kurzarbeitergeld beantragen können, ohne Sozialabgaben zahlen zu müssen. „Dies nimmt jeden ökonomischen Grund, im Winter zu kündigen“, sagte IG-Bau-Sprecher Michael Knoche. Da der Gesetzgeber dem zustimmen muss, sei dieser Punkt mit dem Wirtschaftsministerium vorgeklärt worden.

Die Bundestarifkommission der IG Bau kommt am Mittwoch in Frankfurt zusammen, um die Einigung zu bewerten. Dann will die Gewerkschaft auch weitere Details des Abschlusses bekannt geben. Bei den Arbeitgebern müssen alle Mitgliedsverbände zustimmen, damit der neue Tarifvertrag in Kraft treten kann. Fünf Verbände hatten dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes das Verhandlungsmandat entzogen.

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