
DÜSSELDORF. Vor einem Arbeitskräftemangel in Deutschland ab 2015 warnte vor wenigen Tagen die Unternehmensberatung McKinsey. Diese Aussage bestätigen Wissenschaftler vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Grundsatz. So erwartet Johann Fuchs, IAB-Spezialist für demografische Fragen, dass sich die altersbedingte Verringerung des Arbeitskräfteangebots von Mitte des Jahrzehnts an nicht mehr ausgleichen lässt. „In Ostdeutschland gibt es rein durch die Demografie schon heute ein deutliches Minus, das durch die Abwanderung noch verstärkt wird.“
Im Verhältnis zu den Erwerbstätigen wird es immer mehr Rentner geben, der sogenannte Rentnerquotient steigt also: Stehen im kommenden Jahr 100 Erwerbstätigen rechnerisch noch 53,14 Rentner gegenüber, werden es laut IAB 2021 mit 60,24 erstmals mehr als 60 sein. Zugleich könnte sich der das Verhältnis der mindestens 65-Jährigen zu den 20- bis 64-Jährigen von heute 34 zu 100 bis 2050 je nach Entwicklung mehr als verdoppeln.
Die Folgen verdeutlicht Axel Börsch-Supan, Leiter des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demografischer Wandel (MEA): „Die Staatsverschuldung muss von den Steuerzahlern getragen werden. Die Basis der Steuerzahler schrumpft, vor allem bei der Einkommensteuer. Folglich steigt die Pro-Kopf-Verschuldung. Wir haben ein doppeltes Problem: mehr Schulden und weniger Abzahler.“ Das Problem verschärfe sich durch die zusätzlichen Schulden infolge der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise. „Die werden erst in 15 Jahren wieder ausgeglichen sein. Da kommen wir voll in die Zeit herein, wenn die dünnen Jahrgänge in die Erwerbstätigkeit eintreten und die Babyboomer in den Ruhestand gehen.“
Wenn 2030 die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, werde es richtig heftig, sagt auch Fuchs. „Die Kranken- und die Rentenversicherung stehen vor enormen Herausforderungen.“ Bei der Altersversorgung erwartet der IAB-Forscher eine Akzeptanzfrage: „Einen Beitragssatz von 40 Prozent wird keiner hinnehmen.“ Für durchaus vorstellbar hält er es also, dass es früher oder später nur noch eine Grundsicherung geben wird. Das MEA geht jedoch davon aus, dass aus der gesetzlichen Rente noch in 30 Jahren 70 Prozent des Ruhestandseinkommens bezogen werden.
Börsch-Supan weist zunächst darauf hin, die Erwerbsbeteiligung müsse so gering bleiben wie sie heute ist, damit sich der Rentnerquotient so entwickele wie prognostiziert. Dann wird er deutlich: „Die Sozialversicherungssysteme wären damit überfordert.“ Darum gebe es den Nachhaltigkeitsfaktor, aufgrund dessen die Renten leicht sinken und die Beiträge deshalb schwächer steigen. Die Anhebung des Rentenalters von 65 bis 67 sei dabei „absolut zentral“. Börsch-Supan betont außerdem, die Rente mit 67 komme nicht schlagartig, sondern Schritt für Schritt bis 2029. „Bis dahin steigt die Lebenserwartung so stark, dass sich die Bezugdauer der Rente unterm Strich um ein Jahr verlängert.“
ich war 36 als ich mit Gewalt aus dem berufsleben vertrieben wurde, in dem ich vorher nur als LeiharbeiteriN verheizt worden war. Erwünscht war ich dort sowieso nie als Frau. Das Leiharbeitsverhältnis war vorgegauckelt. iCh dachte zuerst, ich wäre in einer seriösem Unternehmen.
Wer die Alterspyramide betrachtet ohne gleichzeitig den Produktivitätsfortschritt in Erwägung zu ziehen, betreibt das Geschäft der Versicherungskonzerne und ist ansonsten ausschließlich eines: unseriös.
Zudem fehlt mir die Erwähnung einer ganz wesentlichen Altersvorsorge-RESERVE der bRD, die in anderen Ländern, wie z.b. der Schweiz längst angeknabbert wird. So unterliegt in der Schweiz jeder einzelne Rappen des Welteinkommens eines Schweizer bürgers der Sozialversicherungspflicht (und damit der Rentenversicherungspflicht). Diese riesige Reserve hingegen bleibt in der bRD, wo ausschließlich Arbeitnehmer (aus niedrigem Einkommen bzw. inländischen Einkünften) und Arbeitgeber die Rentenversicherung bedienen, völlig unangetastet.
Unsere aktuell größte Reserve neben dem Produktivitätsfortschritt besteht also:
1. Aus einer möglichen Rentenversicherungspflicht für Kapitaleinkünfte und
2. Aus der Möglichkeit, die künstlich geschaffenen bevorzugung hoher Arbeits-Einkommen und Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit, durch deren Freistellung von der Rentenversicherungspflicht (Stichworte: beitragsbemessungsgrenze, freiwillige Rentenversicherung für Selbstständige) fallen zu lassen.
Sollten also (Dipl.Mathematiker) wie börsch (Nebenfach! Ökonomie) und andere Unkenrufer im Sold der Versicherungsindustrie, wider allgemeinem Erwarten jeglicher volkswirtschaftlich Sachverständigen Recht behalten und der Produktivitätsfortschritt die Rentenkassen nicht um die notwendigen Milliarden entlasten, dann müssen die Deutschen halt eines dieser "Sparschweine" knacken und nach und nach Kapitaleinkünfte bzw. Einkünfte oberhalb der beitragsbemessungsgrenze im gleichen Maß der Rentenversicherungspflicht unterwerfen, wie heute bereits die niedrigen Arbeitseinkommen.
Das Thema Steuerflucht dürfte sich bis dahin durch weltweiten automatisierten Datenabgleich längst erledigt haben - für dessen Gedeihen werden unsere US-Amerikanischen Freunde schon im eigenen interesse sorgen.
Korrekturbedarf:
Frederic Chopin (1810-1849) hat eimal erklärt, daß er nie ein Stück zweimal auf die gleiche Weise spielen würde. Ein solcher Anspruch läßt sich bei politischen Themen natürlich nicht durchhalten, wiederhole ich besonders Wichtiges doch auch gerne mehrfach.
1. Das politische Trostpflästerchen "Schuldenbremse" reicht nicht aus: Wir brauchen die unmißverständliche und unumkehrbare Rückkehr zu finanzieller Solidität, zum Grundsatz der ausgeglichenen Haushalte auf allen staatlichen Ebenen und als Voraussetzung für eine weitere Mitgliedschaft in der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Das unser wiedervereinigtes Gemeinwesen zerfressende Krebsgeschwür der öffentlichen Schuldenwirtschaft - dieser "innere Frieden auf Pump" - muß unverzüglich zum Stillstand gebracht werden. Ein solcher "befreiungsschlag" in die Zukunft würde - sobald die Fortsetzung der bisherigen Aufschuldungsexzesse konstitutionell verboten und Zuwiderhandeln persönlich geahndet wird - von einer breiten bevölkerungsmehrheit unterstützt werden und auf fast allen Gebieten endlich zu dem "Ruck" führen, der bisher folgenlos angemahnt wurde. Die seit Jahren zunehmende Auswanderung leistungsfähiger, gut ausgebildeter junger Mitbürger würde schlagartig beendet und im Vertrauen auf die Stabilität unseres Geldes der frische Wind der Erneuerung und Zuversicht durch unser Land wehen.
2. Die ebenso lernbegierige wie erfolgshungrige Wirtschaftsweltmacht China "fährt" - mit bedenkenloser Unterstützung durch westliche Direktinvestitionen und know-how-Transfer - den bislang erfolgreichen Großversuch, die Vorzüge marktwirtschaftlichen Managements mit der Durchschlagskraft zentralstaatlicher Planwirtschaft zu verbinden. Warum ist unser konkursverschleppendes, teures Politsystem nach längst überfälliger Schwachstellenanalyse nicht umgekehrt bereit, auf die hierzulande gewohnten und jeden Leistungswillen tötenden Gerechtigkeitssprüche und Umverteilungspamphlete zu verzichten und sich mit für ihre investitionsentscheidungen persönlich haftenden Privatunternehmern der Realwirtschaft und den Gewerkschaften an einen Tisch zu setzen? So könnten im Wettbewerb um das Votum des demokratischen Wählers konkrete Vorschläge entwickelt, kleinere Feldversuche in die Wege geleitet und Erfahrung gewonnen werden, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen institutionellen Vorkehrungen mehr Arbeitsplätze im inland geschaffen werden könnten. Mit Keynes und den abgedroschenen Lehrbuchweisheiten werden wir bei Nachfragesättigung, fortschreitender Überalterung und Verschuldungsstop jedenfalls nicht weiterkommen.
3. Der unentschuldbare, jedem menschlichen Empfinden zuwiderlaufende Zivilisationsbruch Holocaust hängt wie ein zentnerschweres bleigewicht an unseren Füßen und hat dazu geführt, daß unserem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wegen seiner wissenschaftlichen und industriellen Leistungen noch weltweit geachteten und wegen seines "Wirtschaftswunder"-Aufschwungs nach 1945 nicht ohne Argwohn bewunderten Land ein gesundes Selbstbewußtsein abhandengekommen ist:
Das zeigt sich in der Zuwanderungsproblematik, die für unvorbelastete Länder wie den USA, Kanada oder Australien kein wirkliches Problem darstellt. Warum können viele Jahrzehnte nach dem Ende des ii. Weltkriegs nicht auch wir uns darauf verständigen, daß wir freiheitsliebende Menschen aus aller Welt in Deutschland willkommen heißen, wenn sie leistungsfähig und leistungswillig sind und sich in unser (in Richtung Europa geöffnetes) Gemeinwesen mit all seinen kulturellen Errungenschaften und wirtschaftlichen Möglichkeiten wirklich integrieren wollen? Nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Das zeigt sich auch im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Unsere geldpolitische Folgsamkeit, unser Verzicht auf eine stringentere Regulierung unserer (global vernetzten) Finanzwirtschaft und unser Afghanistan-Einsatz sind uns ebensowenig bekommen wie das Überhandnehmen Sitte und Moral untergrabender Medien, die Gefährdung unserer Privatsphäre durch Datenspeicherung und -überwachung oder die bekannten "Vorgaben" in Sachen Türkei. bei allem Willen zu unverbrüchlichem Zusammenhalt: Hier ist nicht Subordination, sondern sind Koordination und rationales Abwägen gefragt, was uns auf Dauer guttut und was wir bezahlen können.
Und das ist letzten Endes auch der Grund für die arrogante Verselbständigung der classa politica unseres Landes, die sich in allen substantiellen Fragen in der Alleinverantwortung fühlt und am Mehrheitswillen des steuerzahlenden Publikums vorbeiregiert. ich bezweifle, daß sich die (vor allem in den Führungsetagen) notwendigen ethisch-moralischen Veränderungen und die Wiedergewinnung von bescheidenheit und Selbstdisziplin in unserer Gesellschaft ohne stärkere direkt-demokratische beteiligung bzw. Mitverantwortung des Wählers erreichen läßt.
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