Mehr Transparenz
Kreditverkauf beschäftigt Bundestag

Unter den Banken ist es schick geworden, an Unternehmen vergebene Kredite an Dritte zu verkaufen. Das sorgt nun nicht mehr nur bei den betroffenen Firmen für Unruhe. Auch die Politik hat das Problem erkannt und will tätig werden.

FRANKFURT/BERLIN. Die Bundestagsfraktion der Grünen schlägt in einem Antrag an den Bundestag weit reichende gesetzliche Änderungen vor, um den Handel mit Immobilienkrediten einzudämmen. Auch bei anderen Parteien sowie Unternehmensverbänden wird der Verkauf von Immobilien-, Konsumenten- und Firmenkrediten heiß diskutiert. Das Bundesfinanzministerium will zunächst laufende Gerichtsverfahren abwarten. Doch der Druck auf die Banken nach mehr Transparenz wächst. Seit 2003 hat sich die Praxis von Banken, Kredite im großen Stil zu veräußern, in Deutschland verbreitet.

Diesem Wandel seien die derzeitigen Gesetze nicht mehr gewachsen, sagte Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick dem Handelsblatt. „Wir brauchen eine gesetzliche Änderung.“ Nach den Vorstellungen der Grünen müssen die Banken künftig ausdrücklich auf den möglichen Verkauf des Kredits hinweisen. Zudem soll der Darlehensnehmer in diesem Fall ein außerordentliches Kündigungsrecht erhalten.

Bisher dominieren Verkäufe von Portfolios notleidender Immobiliendarlehen. Entsprechend gebe es in dieser Kreditkategorie die meisten Beschwerden, sagt Finanzexperte Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Mit dem Verkauf machen die Banken Eigenkapital, das sie sonst für die Kredite zurückstellen müssten, für neues Geschäft frei.

Bei gut laufenden Krediten können die Banken die Risiken auch verbrieft am Markt platzieren. Dann bleibt der Kredit in den Büchern, der Kunde merkt nichts. Experten rechnen damit, dass auch der tatsächliche Kreditverkauf (True Sale) vor allem von faulen Krediten zunimmt.

Studie prophezeit Anstieg der Kreditverkäufe

Zudem, so prognostiziert die Deutsche Bank in einer Studie, dürften künftig vermehrt Unternehmenskredite verkauft werden. Das bereitet Firmen Sorgen. „Mehrere Unternehmen sind mit Problemen auf uns zugekommen“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Stahl- und Metallverarbeitung, Andreas Möhlenkamp. „Wir sehen, dass es Investoren gibt für Firmenkredite, die sich darüber in Familienunternehmen einkaufen wollen.“ Das gilt vor allem für notleidende Kredite. „Das fällt in einer Hochkonjunkturphase noch nicht so auf, aber könnte zum größeren Problem werden, wenn die Situation bei den Unternehmen enger wird“, sagt der Verbandsvertreter. Der Automobilzulieferer Schefenacker, mittlerweile im Besitz von Hedge-Fonds, die zuvor Firmenkredite gekauft hatten, gilt vielen als Beispiel.

Möhlenkamp fordert deshalb ebenso wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), dass Unternehmen dem Verkauf ihres Kredites zustimmen müssen. „Für eine vertrauensvolle Hausbankbeziehung ist das unabdingbar“, meint Josef Trischler vom VDMA. Verbraucherschützer Bieler rät, bei einem Kreditverkauf zumindest dem Übertrag der Kundendaten nicht zuzustimmen.

Verbände und Politiker fordern, dass Banken vor Vertragsabschluss darauf hinweisen, wenn der Kredit verkauft werden kann. Nach Ansicht des Deutschland-Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, könnten Firmen künftig die Wahl haben zwischen günstigeren übertragbaren Krediten und teureren, die den Verkauf ausschließen. VDMA-Vertreter Trischler ist überzeugt: „Die Unternehmen werden auf jeden Fall die Ausschlussvariante wählen.“

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