Mehr Transparenz: Medien geben Wulff freie Hand

Mehr Transparenz
Medien geben Wulff freie Hand

An den Medien soll eine Aufklärung der Akte Wulff nicht scheitern: Die „Bild“-Zeitung und weitere Redaktionen haben der Anwaltskanzlei des Bundespräsidenten erlaubt, ihre Anfragen und Wulffs Antworten zu veröffentlichen.
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BerlinMehrere Medien wollen der detaillierten Veröffentlichung von Fragen und Antworten zur Kreditaffäre von Bundespräsident Christian Wulff nicht im Wege stehen. Die „Bild“-Zeitung, die „Berliner Zeitung“ und die „Frankfurter Rundschau“ gaben am Donnerstag Wulffs Anwalt Gernot Lehr die Veröffentlichung ihrer Anfragen zur Kreditaffäre frei. Auch das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat gegen eine Veröffentlichung nichts einzuwenden. Der „Focus“ will seine Rechercheergebnisse jedoch für sich behalten.

In einem Brief vom Donnerstag habe die „Bild“-Zeitung die „ausdrückliche Genehmigung“ zur Veröffentlichung ihrer Anfragen sowie Wulffs Antworten erteilt, damit der Präsident eine „größtmögliche Transparenz“ herstellen könne, sagte der stellvertretende Sprecher des Axel Springer Verlags, Tobias Fröhlich, der Nachrichtenagentur dapd. „Wir hoffen, dass viele Journalisten dem Beispiel folgen werden“, sagte Fröhlich.

Lehr hatte am Mittwoch mitgeteilt, seine Kanzlei sei „aus Rechtsgründen daran gehindert“, die im Zusammenhang mit Wulffs Kreditaffäre gestellten rund 500 Medienanfragen und die dazu gehörigen Antworten zu veröffentlichen. Der im Mandantenauftrag geführte Schriftverkehr und die Gespräche zwischen Anwälten und Dritten fielen unter die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht. Jedoch könnten die anfragenden Medien selbst entscheiden, welche Antworten sie für öffentlichkeitsrelevant hielten und sie publizieren.

„Berliner Zeitung“ und „Frankfurter Rundschau“ gaben daher ebenfalls ihre Rechercheergebnisse frei. Alle Anfragen „zu Wulffs Privatdarlehen, zu seinem BW-Bank-Kredit, zu Zinskonditionen und Urlaubsreisen, zu Unternehmerfreundschaften, Grundbucheinträgen, Sicherheiten, zu eventueller Steuerhinterziehung, zu Überweisungen, Daueraufträgen und Tilgungen dürfen gerne veröffentlicht werden“, teilten die Zeitungen mit. Eine Veröffentlichung aller Fragen werde auch zeigen, wie wenig manche Antworten erklärten, wie oft Nachfragen nötig gewesen seien, und dass auch die Antworten auf die Nachfragen bis heute vieles im Unklaren ließen. Die beiden Zeitungen hätten Dutzende Fragen gestellt, hieß es auf dapd-Anfrage.

Der „Focus“ schloss sich dem Aufruf des Springer-Verlags jedoch nicht an. Das Nachrichtenmagazin behandle Recherchen immer vertraulich, sagte Sprecher Jonas Grashey auf dapd-Anfrage. Zudem wolle man die Fragen und Antworten möglicherweise noch für eigene Artikel verwenden. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ stellte die Veröffentlichung der Anfragen hingegen dem Bundespräsidenten frei. Das Blatt wolle das Material nicht selbst veröffentlichen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Mehr Transparenz: Medien geben Wulff freie Hand"

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  • warum machen die das so spät? naja. nun zieht sich die schlinge langsam zu. sollten die anwälte immer noch mauern, gibts wohl bald eine pressekonferenz, oder?

    nun hat er ja seinen neujahrsempfangsmarathon hinter sinch und kann schnell verschwinden.

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