Mehrheit gegen Peters
Offener Machtkampf in der IG-Metall-Spitze

In der IG Metall zeichnet sich eine deutliche Mehrheit gegen den 2. Vorsitzenden Jürgen Peters ab. Damit wird seine Wahl zum Nachfolger von Klaus Zwickel an der Spitze der größten Industriegewerkschaft im Oktober auf dem Gewerkschaftstag in Hannover immer unwahrscheinlicher.

Reuters BERLIN. Insbesondere in den großen Bezirken der Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden- Württemberg und Hessen formieren sich die Gegner von Peters mit Rücktrittsforderungen. Dieser hält dagegen bislang an der Kandidatur fest.

Auch IG Metall-Chef Zwickel hat nun offen seinen Stellvertreter aufgefordert, sein Amt niederzulegen. „Die IG Metall ist schwer getroffen. Und dafür gibt es Personen, die Verantwortung tragen und Konsequenzen ziehen müssen“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“ (Freitagausgabe). Die Übernahme der Verantwortung für das Desaster beim ostdeutschen Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche „wäre ein Signal für einen Neuanfang“, betonte Zwickel.

Er wiederholte den Vorwurf, Peters und der Berliner Bezirksleiter Hasso Düvel hätten die Gewerkschaftsspitze in Bezug auf die Auswirkungen eines Streiks auf die westdeutsche Metall-Industrie getäuscht. „Der Vorstand der IG Metall muss konstatieren, dass zwar ein entsprechender Beschluss über das Streikkonzept gefasst wurde, dieser Beschluss aber in der Mehrzahl der Betriebe nicht umgesetzt wurde. Von Anfang an wurde ein unbefristeter Streik geführt und die Fernwirkung in Kauf genommen.“

Viele plädieren für Neubeginn

In Baden-Württemberg mit Peters' Gegenspieler Berthold Huber halten sich die öffentlichen Stellungnahmen in Grenzen. Allerdings stehen die südwestdeutschen Metaller geschlossen hinter ihrem Bezirksleiter, heißt es in der Organisation. Für einen personellen Neubeginn plädiert auch die südhessische IG Metall. Dazu zählt auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz von Opel.

Rückendeckung erhält das für Tarifpolitik zuständige Vorstandsmitglied insbesondere in Niedersachsen und vom VW- Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert. Diese Region gilt als die Hausmacht von Peters, in der er als Bezirksleiter von 1988 bis 1998 erfolgreiche Tarifabschlüsse erzielen konnte. Auch in Berlin, Brandenburg und Sachsen halten viele Metalle an Peters und dem ostdeutschen Bezirksleiter Hasso Düvel fest. Überstürzte personelle Konsequenzen dienten nicht einer umfassenden Aufklärung des Scheiterns.

Ungeachtet der massiven Kritik aus den eigenen Reihen hält Peters an seiner Kandidatur zum Nachfolger des amtierenden 1. Vorsitzenden Zwickel fest. Dabei beruft er sich auf einstimmige Beschlüsse wichtiger Gremien. So habe der Vorstand in vollem Bewusstsein der Risiken entschieden, nach 13 Jahren deutscher Einheit für gleiche Arbeitszeiten in Ost und West zu kämpfen.

In der Automobilindustrie zählen die Betriebsräte von Opel und DaimlerChrysler, Klaus Franz und Erich Klemm, zu den schärfsten Gegnern des 2. Vorsitzenden. „Nach dem Arbeitskampf, der von Anfang an strategisch falsch angelegt war, halte ich es für ausgeschlossen, dass Peters Nachfolger von Klaus Zwickel wird“, sagte Klemm der „Bild“-Zeitung.

Die IG Metall Küste verlangt eine „neue unbelastete Führungsspitze“, heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten „Hamburger Erklärung“. Sie wird von 19 Bevollmächtigten der Verwaltungsstellen und vom Bezirksleiter Frank Teichmüller getragen. Es gehe nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die Übernahme der Verantwortung für die IG Metall. Für eine glaubwürdige Zukunftsperspektive komme die IG Metall an „zeitnahen, klaren und sicher auch schmerzhaften strukturellen und personellen Konsequenzen nicht vorbei“.

Die IG Metall Darmstadt mit 32 000 Mitgliedern warf Peters und Düvel vor, sie hätten die Einwände gegen einen Streik in Ostdeutschland „zur Seite geschoben“. Darüber hinaus hätten beide „gravierende handwerkliche Fehler“ in der Tarifauseinandersetzung gemacht, hieß es in einem Beschluss des Regionalvorstandes. Der Versuch einer Legendenbildung - die öffentliche Kritik von westdeutschen Betriebsräten habe die Niederlage verursacht - weisen die südhessischen Metaller zurück. Solche Äußerungen offenbarten ein autoritäres Politikverständnis von „Befehl und Gehorsam“.

Dagegen hat der Vorsitzende des Bezirks Hannover, Hartmut Meine, Stellung für Peters bezogen. Der im April gefällte Vorstandsbeschluss, Peters zum Vorsitzenden und Huber zum Stellvertreter zu nominieren, müsse umgesetzt werden. Nach Aussagen von VW-Betriebsrat Volkert in der „Berliner Zeitung“ steht die Arbeitnehmervertretung des Autokonzerns weiter hinter Peters.

Der IG Metall-Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen unterstützt Peters und Düvel. Es bringe nichts, zu diesem Zeitpunkt Personaldiskussion zu führen. Nötig sei vielmehr eine Debatte über die gemachten Fehler, sagte ein Sprecherin.

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