„Mein Kampf“ in Schulen
Hitler statt Schiller?

Hitlers „Mein Kampf“ kommt auf den Markt. SPD und Lehrerverband wollen Schulen mit der wissenschaftlich kommentierten Ausgabe ausstatten. Was ein 16-jähriger Oberstufenschüler dazu sagt.
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Köln„Mein Kampf“ von Adolf Hitler ist das wohl umstrittenste Buch der deutschen Geschichte. Jahrelang hat Bayern versucht, Hitlers NS-Kampfschrift zu unterdrücken – mit mäßigem Erfolg. Das Land hält die Rechte an dem Buch und verweigerte bisher jede Neuauflage.

Doch in den Weiten des World Wide Web ist es schnell auffindbar, für 600 Euro beispielsweise auch bei einem Antiquitätenhändler. Diesen Umweg muss man bald nicht mehr gehen. Denn Anfang 2016 erlischt das Urheberrecht.

Das Institut für Zeitgeschichte München bringt zu diesem Anlass eine wissenschaftlich kommentierte Fassung des Buches auf den Markt. Viele Erklärungen und Kommentare sollen die Propaganda und das schreckliche Gedankengut entlarven.

SPD und Lehrerverband fordern nun, eben diese Fassung verbindlich im Schulunterricht behandeln zu lassen. 2000 Seiten stark ist diese Ausgabe, enthält Passagen der Originalvorlage und einordnende Kommentare des Autorenteams. Doch stellt sich mir die Frage, ob „Mein Kampf“ eine Berechtigung im Schulunterricht hat. Ist Hitlers Werk literarisch hochwertig genug, es im Deutschunterricht ausführlich zu behandeln, es gar in einer Klausur analysieren zu lassen?

In den Deutschunterricht gehört das Buch schon gar nicht. Hitler würde in einer Reihe stehen mit bekannten Autoren der deutschen Literaturgeschichte. Literarisch, stilistisch und grammatikalisch ist Hitlers Hetzschrift eine einzige Müllhalde. Sich in Zeiten von G8 so zeitintensiv mit „Mein Kampf“ als literarisches Werk zu befassen wäre ein Schlag ins Gesicht für Autoren wie Lessing, Goethe oder Schiller, die Hitler weichen müssten.

Die Auseinandersetzung mit der Historie des eigenen Landes, auch mit den schrecklichen Seiten, muss im Geschichtsunterricht stattfinden. Diese Lehrer sind besonders sensibilisiert für die Thematik um das Dritte Reich und wissen damit umzugehen.

Kommentare zu " „Mein Kampf“ in Schulen: Hitler statt Schiller?"

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  • Jetzt aber schnell dem Dolfi noch den Schnauzbart gebürstet und dann ab mit ihm ins Bett, Herr Spiegel!
    Um 5:45 Uhr muß er wieder einsatzbereit sein.

  • Gut daß Sie das Buch nicht lesen, Sie könnten einen Erkenntnis-Schock erleiden,
    ebenso wie Ihre Genossen.

  • Schon mal mit migrationsunfähigen u. -unwilligen Stress gehabt.

    Nein!

    Dann haben sie bisher Glück gehabt oder haben sich vielleicht zurückgezogen oder nicht getraut etwas zu sagen oder jemandem zu helfen.

    Oder leben in einem Elfenbeinturm wir die Politiker und andere reiche Prominente. Weil die haben mit dem Alltag nichts gemein, die auf die Reslität trifft. Vornehmlich aber in den Ballungsgebieten bis hin zu den Ghettos, die man nicht unbedingt besuchen muss.

    Also, wer Stress hat oder bekommt, wir zwar nichts vom Hitler hören aber ganz bestimmt wird man die Erfahrung machen, das das Unwort "Nazi" gegen einem verwendet wird.

    Es heisst dann ganz schnell "Du Nazi, du".

    Es wird wohl nie anderes sein. Hitler und wir Nazis

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