Meinung
Studienplatzvergabe - zu viele reden mit

Nach dem vorläufigen Scheitern des Online-Zulassungssystems "Hochschulstart" bleibt die Studienplatzvergabe weiterhin chaotisch. Schuld daran sind Bund, Länder und Hochschulen gleichermaßen.
  • 0

Der „Hochschulstart“ ist zum Fehlstart geworden. Das Online-Zulassungssystem für Studienbewerber mit dem einprägsamen Namen wird später als geplant eingeführt, das Chaos um die Vergabe von Plätzen in Numerus-Clausus-Fächern geht im Herbst also in die nächste Runde. Dann aber mit mehr Wucht. Schließlich werden durch den doppelten Abiturjahrgang in zwei Ländern und die Aussetzung der Wehrpflicht deutlich mehr Abiturienten an die Universitäten und Fachhochschulen drängen. Und sie werden sich an mehreren Hochschulen bewerben, nur einen der ergatterten Plätze nehmen – und die anderen nicht absagen. Wieder werden etliche Sitze in den Hörsälen leer bleiben, weil die Hochschulen Absagen und Nachrücker nicht koordinieren können – fast sieben Prozent waren es 2010.

Das sollte „Hochschulstart“ ändern. Eine lange Vorgeschichte hat die Plattform – schon 2005 kamen die ersten Entwürfe auf den Tisch. Doch nicht einmal auf das System wollte man sich zunächst einigen. Die Kultusminister sahen die bewährte Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) als klaren Favoriten, die Hochschulrektorenkonferenz brachte ein anderes Verfahren ins Spiel. Die Einigung dauerte. Noch immer ist offen, wer die Kosten für das System übernimmt. Der Bund spendiert zwar 15 Millionen Euro für die Entwicklung, dann sollen die Hochschulen übernehmen. Die aber sehen die Länder in der Pflicht.

Das Versagen hat System. Schuld daran ist das Kompetenzgerangel von Bund, Ländern und den Hochschulen selbst. Nicht zu vergessen die eigens gegründete Stiftung für Hochschulzulassung, Nachfolgerin der ZVS, die „Hochschulstart“ verantwortet und die Einführung verschoben hat. Zu lange soll sie am Altbewährten festgehalten haben.

Die Hochschulen sind zwar Ländersache, doch Ländergrenzen interessieren viele Abiturienten herzlich wenig. Und daher drang auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan auf eine einheitliche Lösung. Ein Jahr gab die Politik am Ende vor, dann sollte das System laufen – pünktlich zum Wintersemester 2011. Für solch ein Mammutprojekt war das mehr als ambitioniert – schließlich müssen die unterschiedlichen, teils uralten Systeme der Unis angedockt werden.

Viel zu spät haben sich Politik und Hochschulen überhaupt an das Projekt gewagt. Querelen zwischen den nach Autonomie lechzenden Hochschulen und der in ihrer alten Rolle verharrenden ZVS kamen hinzu. Den Schwarzen Peter haben sie munter zwischen sich hin- und hergeschoben.

Die Autorin ist Redakteurin. Sie erreichen sie unter: hergert@handelsblatt.com

Kommentare zu " Meinung: Studienplatzvergabe - zu viele reden mit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%