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10.07.2008 
Einwohnerzahl muss korrigiert werden

Melderegister enthalten Millionen Karteileichen

In Deutschland gibt es keine Personen- und Identifikationskennzeichen. Die Konsequenz: Es leben nach Einschätzung des obersten hessischen Statistikers einige Millionen Menschen weniger hier als angenommen.

Ein Volkszähler im Jahr 1987. Foto: apLupe

Ein Volkszähler im Jahr 1987. Foto: ap

HB FRANKFURT. Die nächste Volkszählung werde dazu führen, dass die Einwohnerzahl nach unten korrigiert werden müsse, sagte der Präsident des Hessischen Statistischen Landesamts, Eckart Hohmann. „Wir haben viele Karteileichen in den Melderegistern“, sagte er. Die Größenordnung könne bis zu fünf Prozent betragen, das wären gut vier Millionen Menschen. Ende 2007 gab es in Deutschland laut Statistik rund 82,2 Millionen Einwohner.

„Es ist vollkommen klar, dass die Adressregister in der Bundesrepublik nicht stimmen, sondern eher überschätzt sind“, sagte Hohmann. Als Grund nannte er „die Eigenheiten unseres Melderechts“: „Derjenige Ausländer, der ins Ausland verschwindet und sich nie wieder bei einer deutschen Meldebehörde sehen lässt, bleibt in Deutschland gemeldet.“

Dazu komme, dass es seit der Wiedervereinigung keine Bevölkerungszählung mehr gegeben hat, dass die Adressregister dezentral geführt werden „und dass wir kein Personen- und Identifikationskennzeichen haben“.

Die letzte Volkszählung datiert aus dem Jahr 1987. Damals gab es große Widerstände in der Bevölkerung. Daher habe man für die anstehende Volkszählung – den sogenannten Zensus 2011 – die Methodik geändert, erklärte Hohmann. „Je mehr wir den Leuten unmittelbar einen Fragebogen unter die Nase halten und sie in ihrer Wohnung aufsuchen, umso mehr Ärger gibt's.“

Diesmal würden zunächst die Melderegister überprüft und danach mit Stichproben bei zehn Prozent der Bevölkerung ergänzt. Abgefragt würden nur allgemeine Angaben wie Adresse, Nationalität, Alter, Familienstand. „Wir versuchen noch eine Frage zum Migrationshintergrund unterzubringen“, sagte der Statistiker.

An regelmäßigen Volkszählungen führt nach Ansicht von Hohmann kein Weg vorbei. „Die Europäische Union verordnet allen Mitgliedsstaaten einen Zensus.“ Zudem sei es für viele Bereiche wichtig, die genaue Einwohnerzahl zu kennen – zum Beispiel, um die Bevölkerungsentwicklung hochzurechnen.

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