Menschen bei Maischberger
„Herr Clement, schämen Sie sich nicht?“

Die Regierung kümmert sich vorerst nur um die Banken, schon bei Opel gibt es Streit. Doch wie geht es weiter, wenn Firmen der Realwirtschaft wie Dominosteine kippen? "Panik um den Job: Muss der Staat uns alle retten?", fragte Sandra Maischberger am Dienstagabend ihre Talkgäste - und bekam alle erdenklichen Antworten zurück, nur kein Rezept gegen die Krise.

KÖLN. Vom Mindesteinkommen für alle bis hin zur bloßen Bürgschaftsgewährung für Großunternehmen reichten die Vorschläge aus der illustren Runde. Den Hardliner gab dabei wie erwartet Wolfgang Clement, der inhaltlich große Nähe zu den Liberalen zeigte: Opel müsse beweisen, dass es eine Zukunft nach der Krise gebe, nur dann sei eine Staatsbeteiligung denkbar. Immerhin, eine Bürgschaft könnte sich der Nordrhein-Westfale vorstellen - so habe er ja seinerzeit auch Babcock vor dem Untergang gerettet. Moderatorin Maischberger hakte nach, doch Clement gefällt sich offenbar als Pragmatiker ohne Parteibuch: "Ich habe viele Aufnahmeanträge geschickt bekommen, aber derzeit nicht die Absicht, wieder in eine Partei einzutreten", sagte das ehemalige SPD-Mitglied.

Gegen Clement wirkte sogar der Standpunkt des CDU-Wirtschaftsexperte Norbert Röttgen sehr gemäßigt. "Der Staat muss tun was er kann", gab der enge Vertraute der Kanzlerin als Parole aus, sprach den Unternehmen aber gleichzeitig die Bringschuld zu: "Die Firmen müssen ihre Überlebensfähigkeit beweisen", lautete sein Mantra - eine Unterstützung gegen die Kräfte des Marktes sei der falsche Weg. Röttgen nannte den Staat "Gewährleister der Märkte, die sich selbst nicht erhalten konnten" und sprach sich nachdrücklich für "gesundes Wachstum anstelle eines ungebremsten Profitstrebens" aus.

Ganz anders Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, derzeit als Obdachloser auf Zeit in den Medien. "Nach Opel kommen weitere Firmen, wir müssen das Problem an der Wurzel packen", forderte er sichtbar streitlustig. Seiner Meinung nach wäre "eine Klammer um die Gesellschaft" nötig, ein Zusammenspiel von Mindestlohn zur Überlebenssicherung und Managergehältern ohne Raffgier. In der Rettung der Autofirmen sieht Wallraff ohnehin nur politisches Kalkül: "Schäuble kämpft um Daimler, Seehofer um BMW und Koch um Opel - da bedient letztlich jeder seine Klientel."

Für ein Grundgehalt ganz ohne Gegenleistung votierte hingegen Susanne Wiest. Die Tagesmutter aus Greifswald hat eine Online-Petition an den Bundestag auf den Weg gebracht, satte 1 500 Euro fordert sie für jeden Erwachsenen pro Monat und 1 000 Euro für jedes Kind. Über 50 000 Mitstreiter haben sich angeschlossen - ein beachtlicher Erfolg für die als fruchtlos verschrieenen Eingaben an das höchste Haus. Doch im Gespräch offenbart das Modell seine Schwächen: "Familie Röttgen bekäme 6 000 Euro", rechnete das Oberhaupt der Sippe vor. Das sei ein Anspruch auf Vollversorgung statt einer Stärkung der Eigeninitiative.

Und wie gerufen bekennt Volkes Stimme im Einspieler, dass bei solch einem üppigen Salär wohl niemand mehr arbeiten gehen würde. Susanne Wiest sieht das indes anders, diese Summe sei als Mindestabsicherung in diesem Land wohl dringend nötig. Clement attackierte daraufhin scharf, nannte Vollbeschäftigung als erreichbares Ziel. "Bei solch einem Grundeinkommen bleiben zu viele Menschen daheim", so der Ex-Minister: "das begünstigt nur Sozialkarrieren". Doch dann sagt die resolute Greifswalderin noch etwas über Deutschland, dem immerhin die halbe Runde zustimmen kann: "Anscheinend ist das ganze Ding doch rott."

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