Menschenrechts-Charta
Profite zulasten der Menschenrechte?

Auch 60 Jahre nachdem die Uno ihre Menschenrechts-Charta verabschiedet hat, werden weltweit noch Menschenrechte verletzt. Auch viele Unternehmen geraten wegen schlechter Arbeitsbedingungen oder Umweltverschmutzung in Erklärungsnot. Leicht ist es nicht, über Menschenrechte zu sprechen – zumal Politik und Wirtschaft nicht immer an einem Strang ziehen.

BERLIN. Der Sportartikelhersteller Adidas wollte eigentlich nur ein gutes Geschäft machen, als er Chinas Olympiamannschaft ausstattete. Doch dann zogen auch chinesische Sicherheitspolizisten die Sportanzüge mit den drei Streifen aus Herzogenaurach an. Und so kam Adidas in Erklärungsnot, als die Polizisten Proteste gegen die chinesische Tibet-Politik gewaltsam unterbanden.

Aus dem guten Geschäft wurde schnell schlechte PR - und ein Politikum. Das Beispiel zeigt, welche Verantwortung Unternehmen für die Einhaltung und Durchsetzung von Menschenrechten tragen - und welche Gefahren auch hinter scheinbar harmlosen Engagements lauern. Doch wenn heute Amnesty International zur Feier des 60. Jahrestages der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen lädt, sucht man Unternehmensvertreter vergeblich unter den Rednern. Sicher, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) halten Festansprachen. Doch dass längst nicht mehr nur Politiker, sondern auch Unternehmen in der Pflicht sind, Menschenrechte zu schützen, lässt sich der Rednerliste nicht anmerken.

Ob Kinderarbeit in Asien oder das giftige Abfackeln von Gas in Afrika - immer wieder sind Firmen in Skandale verwickelt. Seit Jahren kämpfen Unternehmen gegen den Vorwurf, sie würden laxe Arbeits- und Gesundheitsschutzgesetze ausnutzen, um Profit zu machen. Es geht auch ums Image der Unternehmen. Skandale schrecken nicht nur Konsumenten ab, sondern auch Werbeträger.

Trotzdem ist es nicht immer leicht, über Menschenrechte zu sprechen - zumal Politik und Wirtschaft nicht immer am gleichen Strang ziehen. Das zeigte sich im vergangenen Jahr, als Angela Merkel den Dalai Lama ins Kanzleramt lud, um über Menschenrechte in China zu reden. Prompt fürchteten Unternehmer dort Absatzprobleme.

Der Chemiekonzern BASF, der stark in China engagiert ist, will heute keine Differenzen mehr erkennen. Es hätten nie Meinungsunterschiede zwischen Vorstandschef Jürgen Hambrecht und Kanzlerin Merkel bestanden, heißt es heute. "Es ging uns darum, dass man mit den Chinesen im Dialog bleibt und Probleme direkt anspricht", sagt Lothar Meinzer, der bei BASF für das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich ist. "Die Chinesen verdienen einen großen Respekt, wenn man bedenkt, welche Strecke sie zurückgelegt haben." Meinzer betont, dass BASF in China viele Gespräche mit politisch Verantwortlichen führe.

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