Merkel-Appell an Entführer
Härtetest für die Krisendiplomatin

Die erste Entführung einer Deutschen im Irak seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein stellt die Bundesregierung und allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel schon kurz nach ihrer Amtsaufnahme vor eine große Bewährungsprobe.

HB BERLIN. Die zunächst unbekannten Geiselnehmer der 43 Jahre alten Susanne Osthoff aus Bayern sowie ihres irakischen Fahrers stellten in einem der ARD am Dienstag vorliegenden Video-Band ein Ultimatum mit einer „sehr knappen zeitlichen Einschränkung“. Darin wird Deutschland aufgefordert, die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einzustellen. Ansonsten würden die Geiseln getötet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die Regierung werde alles in ihrer Macht Stehende tun, um das Leben der Geiseln zu retten. Auf die Forderung der Entführer an die Bundesregierung, die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung zu stoppen, ging sie nicht ein.

Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderten die sofortige Freilassung. Steinmeier sagte in Washington nach einem ersten Gespräch mit US-Außenministerin Condoleezza Rice, man werde auf das Wissen und die geografische Kenntnis der US-Behörden zurückgreifen. Derzeit liefen Bemühungen, den Aufenthaltsort der Entführten festzustellen. Auch Rice zeigte sich betroffen.

Merkel sagte: „Wir richten einen eindringlichen Appell an die Täter, beide unverzüglich in sichere Obhut zu übergeben.“ Bereits am Samstag wurde ein Krisenstab im Auswärtigen Amt eingerichtet. Die Bundesregierung hatte sich nicht am Irak-Krieg beteiligt, Deutschland leistet aber seit Kriegsende umfangreiche Wiederaufbauhilfe und bildet in den Vereinigten Arabischen Emiraten irakische Polizisten aus. Die Mutter der Entführten sagte, sie setze auf die Bundesregierung. Zahlreiche Politiker äußerten sich entsetzt und sprachen den Angehörigen der Entführten ihr Mitgefühl aus.

Merkel wurde vom Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, über die Entführung auf dem Laufenden gehalten. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier ließ sich auf seiner USA-Reise regelmäßig unterrichten.

Die studierte Archäologin Osthoff, die mit einem Araber verheiratet ist und eine 11-jährige Tochter hat, organisierte Hilfslieferungen in den Irak. Das Deutsche Medikamenten-Hilfswerk Action Medeor teilte mit, Osthoff sei Partnerin des Hilfswerks und habe während des Irak-Krieges unter gefährlichen Bedingungen, lebenswichtige Medikamente nach Bagdad gebracht. Man sei entsetzt über die Entführung Osthoffs und ihres irakischen Fahrers.

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