Merkel auf Balkan-Reise
Viele Konflikte und eine Krise

Im Schatten der Griechenland-Krise besucht die Kanzlerin mehrere Balkan-Staaten. Trotz aller Fortschritte brennt es auch hier an allen Ecken und Enden. Zukunftshoffnungen ruhen auf der Europäischen Union.
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Berlin/BelgradKeine 800 Kilometer sind es von Albaniens Hauptstadt Tirana bis nach Athen, aber selbst am anderen Ende der Welt könnte die Kanzlerin dem Schatten der Griechenland-Krise in diesen Tagen nicht entkommen. Eilig wurden nach dem Nein der Griechen zu den Sparvorgaben der Gläubiger ein deutsch-französisches Krisentreffen und ein Sondergipfel in Brüssel eingeschoben. Und so überlagert die Über-Krise des Euro die vielen inner- und zwischenstaatlichen Konflikte des Balkans, wenn Angela Merkel (CDU) an diesem Mittwoch und Donnerstag (8./9. Juli) nach Albanien, Serbien und Bosnien-Herzegowina reist.

Bei allen Fortschritten – nach dem Auseinanderbrechen des jugoslawischen Vielvölkerstaats in den Bürgerkriegen der 1990er Jahre brennt es hier immer noch an allen Ecken und Enden. Das klingt auch an in der aktuellen Video-Botschaft der Kanzlerin, in der sie offen anspricht, „dass es nach wie vor sehr, sehr große Probleme gibt“. Im Verhältnis zwischen Serbien und dem Kosovo: „noch extrem viel zu tun“. Die Annäherung von Albanien und Serbien: „noch ein mühevoller und langwieriger Prozess“. Bosnien-Herzegowina, das Sorgenkind: „weil dort auch die politische Situation noch sehr stagniert“.

Erst am Wochenende haben die Serben in dem multi-ethnischen Staat wieder damit gedroht, ihre Landeshälfte von dem anderen, von muslimischen Bosniaken und Kroaten kontrollierten Teil abzuspalten. Auch wollen sie ihre Abgeordneten aus dem Bundesparlament in Sarajevo abziehen. Außerdem droht schon im September der Bankrott, nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) wegen Reformunwilligkeit der zerstrittenen Politiker den Geldhahn zugedreht hatte.

In Serbien schwelt der Dauerkonflikt mit der ehemaligen Provinz Kosovo. Eine neue EU-Vermittlung im Streit um die Integration der serbischen Minderheit in dem fast nur noch von Albanern bewohnten Staat war Ende Juni an Maximalforderungen beider Seiten gescheitert. Albanien, eines der ärmsten Länder Europas, kann da mit seinen Korruptions- und Kriminalitätsproblemen fast noch als unverfänglichste Station gelten.

Wie tief die Wunden sind, die für dauerhaften Frieden und Stabilität in der Region erst vernarben, dann heilen müssen, zeigt symbolhaft bereits der Zeitpunkt der Kanzlerinnen-Reise. Zum 20. Mal jährt sich in diesem Juli das Massaker von Srebrenica, das schlimmste Kriegsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa.

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Merkel trifft „Mütter von Srebrenica“

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