Merkel auf dem CDU-Parteitag Frei von Überraschungen

In einer emotionalen Rede versichert Merkel, dass sie ihrem Land weiter dienen will. Doch was genau die Kanzlerin vor hat, bleibt offen. Will sie sich nicht von den Bürgern entfremden, muss Merkel liefern. Ein Kommentar.
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Elf Minuten Schlussapplaus für Merkel

EssenDie Kanzlerin braucht eine gute halbe Stunde bis sie den Delegierten auf dem CDU-Bundesparleiteitag aus den Herzen spricht. In der Bewerbungsrede der CDU-Vorsitzenden für ihre vierte Kanzlerkandidatur geht es zunächst viel um Digitalisierung, die Krise in Syrien, Steuerpolitik, einen ausgeglichen Haushalt. Angela Merkel springt im Minutenrhythmus von Thema zu Thema. Die CDU-Funktionäre spenden dabei nur lediglich dünnen Applaus. Die Rede ist frei von Überraschungen.

Lediglich beim Thema innere Sicherheit liefert Merkel dann das, was die Basis erwartet. Merkel spricht sich für ein Verbot der Vollverschleierung aus, dort wo es rechtlich möglich ist. Das Internet sei keine rechtsfreier Raum, in der jeder Hetze und Hass frei verbreiten können. In der Flüchtlingspolitik versprach Merkel, „eine Situation wie im Sommer 2015 darf sich nicht wiederholen“. Sie pochte auf die schnelle Abschiebung abgelehnter Asylbewerber.

Doch die Rede zeigt: Die CDU-Vorsitzende, die auf dem Parteitag in Leipzig 2003 die Reformerin gab, ist schon längst Vergangenheit. In Essen klang vieles nach einem Weiter-So. Merkel versicherte in ihrer streckenweise emotionalen Rede: „Ich will Deutschland dienen“.

Eine Aussage der dienstältesten westlichen Regierungschefin, die in den Zeiten von Brexit, dem Krieg in Syrien oder dem Italien-Schock beruhigend wirkt. Doch die bürgerliche Mitte hätte es schon etwas genauer, was Merkel eigentlich mit dem Land bis 2021 noch vorhat. Merkel ist keine, von der man große Visionen für Europa oder gar für Deutschland erwartet. Doch etwas mehr davon dürfte es dann doch sein.

Die Zusicherung, die Steuern nicht zu erhöhen, ist bei den gewaltigen Steuerzahlungen der Bürger eine Selbstverständlichkeit. Steuersenkungen gibt es nur noch in Wahlkämpfen. Danach will keiner mehr etwas davon wissen. Von der Abschaffung des Solidaritätszuschlags dürfen die Bürger einstweilen nur weiter träumen.

Junge Familien würden auch gerne wissen, wie sie sich angesichts der explodierenden Immobilienpreise ein Eigenheim leisten können. Schön wäre auch eine Antwort gewesen, was Merkel gegen den maroden Zustand vieler Schulen unternehmen will. Doch auch dazu hat sie nichts gesagt.

Auch in der Sicherheitspolitik muss Merkel liefern. Bis Ende 2017 werden rund eine halbe Millionen abgelehnter Asylbewerber auf ihre Abschiebung warten. Realistisch ist die Abschiebung mit den jetzigen personellen Mitteln von 80.000 Personen pro Jahr. Die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt von Jahr zu Jahr, doch die Polizei wurde jahrelang kaputtgespart. Die personelle und technische Aufrüstung der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Hass im Netz und gegen Cyberangriffe wird Jahre dauern.

Es muss noch viel passieren, damit Angela Merkel und die Bürger, zwei Partner, die ehemals eine innige Liebesbeziehung pflegten, sich nicht weiter entfremden.

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18 Kommentare zu "Merkel auf dem CDU-Parteitag: Frei von Überraschungen"

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  • Nachtrag zu meinem Kommentar von 17:10 Uhr:

    Allen, die es zu anstrengend finden, selbst die Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen, sei gesagt:

    Alles, was man nicht selber macht, erledigen andere für einen.

    Dann aber so, wie DIE es für richtig halten.

  • alles supi in Deutschenland
    wir schaffen das noch mehr.
    Somit ist eigentlich die Bundestagswahl überflüssig und kann endlich abgeschafft werden. Die Bürger sind nicht in der Lage richtig zu wählen.

  • An Frau Ina Ingwer:

    Sie sagen "Die Alte muss weg...egal wie !!!!"

    Egal wie???? Auch auf IS-Manier?
    Troll, wie Sie das sagen.

  • „Will sie sich nicht von den Bürgern entfremden, muss Merkel liefern.“

    Die muss überhaupt nicht „liefern“. Kann sie ja gar nicht. Was denn? Und vor allem: Wie denn??!.

    Würde vollkommen reichen, wenn sie alles in ihrer Macht stehende tun würde, um dafür zu sorgen, dass wir – die Bürger – uns das, was wir brauchen, selbst verschaffen können. Ein Grundgesetz als Ordnungsrahmen haben wir ja schon.

    Zu aus einem Kommentar im Gästebuch zur gestrigen „hart aber fair“-Sendung heute (12:56 Uhr):

    „1933 war der Vorsitzende der SPD die Widerstand leistete Otto Wels, von Beruf Tapezierer.“:
    Damals – 1933 - war es für Widerstand leider schon viel zu spät.

    „Nun müssen wieder die kleinen Leute ran das verkommene gebildete Establishment anzugehen.“:
    So man sie denn lässt. Das wichtigste Werkzeug, das sie dafür brauchen ist ein freier Zugang zu allen Informationen – sprich: Transparenz. Und ganz gewiss keine – meist mit dem Deckmäntelchen „Datenschutz“ oder „notwendige Maßnahme zur Gewährleistung der Sicherheit“ getarnte – Zensur (was für eine unverfrorene, arrogante Anmaßung!!), mit der besagtes „Establishment“ seine höchsteigene Interessen zu verteidigen versucht.

    Auf unserer aller Kosten.

  • Die Überschrift von Hr. Sigmund trifft den Zustand der CDU auf den Kopf! Ein Parteitag voll mit Platitüden. Alle Deligierten klatschen pflichtgemäß Beifall (für was?). Wahrscheinlich, dass Mutti sich nach den letzten desaströsen Monaten als BK nicht aus dem Staub gemacht hat? - Die traurige Wahrheit ist doch, dass es zu Merkel weit und breit, auch in den anderen Parteien keine BESSERE Alternative gibt.
    Der deutsche Politikbetrieb leidet an aktutem Personalmangel. Gefragt sind Köpfe und keine Hüte!

  • Die CDU ist echt lachhaft. Schade, dass so Leute wie Bosbach keine tragende Rolle spielen, den könnte man sofort wählen. Die meisten anderen sind aber ja nur Merkels Kofferträger und haben noch nicht mal gemerkt, dass Merkel eigentlich SPD/Grünen Politik unter dem Deckmantel der CDU macht. Tja, so wirds mit Berufspolitikern, die nicht mehr selbst denken (dürfen) und von gesundem Menschenverstand nicht mal entfernt gehört haben.

  • Was Frau Merkel mit ihrer verantwortungslosen Migrationspolitik angerichtet hat, kann sie nicht mehr korrigieren. Das ist unumkehrbar, egal ob und was sie liefert. Die Disskussion über Abschiebungen ist Wahlkampfgetöse, weiter nichts. In diesem Jahr werden zwanzigmal soviele einreisen , wie abgeschoben werden.

  • Kann den Kartoffelsack nicht mehr sehen. Der warme Tauber dto..

  • 89,5% für Merkel

  • Deutschland geht einen Leidensweg. Merkel ist nicht Deutsche. Ein schwarzer Tag.

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