Merkel auf „Integrationstour“ in Berlin
Erinnerung fürs Leben

Sie recken ihre Hände nach dem hellblauen Blazer, berühren sie an der Schulter: Die Kanzlerin ist auf „Integrationstour“ quer durch Berlin. Hier und da macht Merkel ein Selfie und wird umjubelt – doch nicht überall.

BerlinAls die Bundeskanzlerin mit ruhigem Schritt auf die Menschentraube zugeht, staunen die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Berlin Spandau nicht schlecht. Einige strecken ihre Hände nach dem Merkel-typischen hellblauen Blazer aus, und berühren sie an der Schulter. Sie deuten auf ihre Smartphones, dann auf Merkel. Und die Bundeskanzlerin stellt sich wie selbstverständlich neben die Flüchtlinge und macht ein Selfie.

Am Donnerstag ist die Kanzlerin auf „Integrationstour“ in Berlin. Von langer Hand geplant war der Besuch aber nicht. Die Mitarbeiter der AWO dachten bis kurz vor dem Eintreffen der Kanzlerin jedenfalls noch, dass der Bundespräsident kommt. „Wir wussten nicht, dass Frau Merkel heute kommt. Aber natürlich haben sich die Bewohner sehr gefreut. Das passiert ja auch nicht jeden Tag“, sagte ein Sozialarbeiter der Einrichtung. Und so ein Selfie mit der Bundeskanzlerin sei schließlich eine Erinnerung fürs Leben.

Merkel wollte mit dem Besuch vor allem die Arbeitsleistung der Beamten und Mitarbeiter würdigen. Sie sei überzeugt, dass „diejenigen, die hier arbeiten, ihr Bestes geben“, sagte sie. In der AWO-Erstaufnahme habe sie beeindruckt, „mit wie viel Liebe und Zuneigung die Flüchtlinge hier auch beherbergt werden“.
Einen begeisterten Empfang wie bei der AWO bekam die Kanzlerin in der quer gegenüberliegenden Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) allerdings nicht. Sie will einen Hintereingang nehmen, aber einige Flüchtlinge erkennen sie von weitem und rufen nach ihr. Als sie sich ein Stück auf sie zubewegt, ertönt vereinzeltes klatschen. Die Kinder aber spielen weiter Fußball. Viele schauen kurz auf, wenden sich dann wieder anderen Dingen zu. Für sie geht es um mehr, als für Angela Merkel mit ihrem zwanzigminütigen Durchmarsch. Die Asylsuchenden warten hier auf die Bearbeitung ihrer Anträge. Jeden Tag versammeln sich 300 bis 500 Menschen vor den Türen der Behörde. Ein paar Stühle stehen aufgereiht an der Hauswand. Mehr als zehn Menschen finden hier keinen Platz zum Sitzen. Die meisten drängen die paar Stufen zur Eingangstür hoch, in der Hoffnung endlich eine Antwort zu bekommen. Am Ende des Tages sind circa 150 der Wartenden tatsächlich durch die Tür in die Außenstelle gegangen. Die meisten haben zwar einen Termin. Trotzdem müssen sie mindestens vier Stunden vor dem Gebäude ausharren, bis sie mit einem der zuständigen Beamten sprechen können.


Vor dem Besuch der Kanzlerin hatte es aus den Ländern erhebliche Kritik gegeben, dass das Ministerium mit der Bearbeitung der Asylanträge immer weiter hinterherhinke. Die Bundesregierung hat die Einstellung von mehreren tausend neuen Mitarbeitern beschlossen. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte kritisiert, dass dies viel zu lange dauere. Jedes Schicksal werde ernst genommen, jeder Antrag möglichst schnell bearbeitet, auch wenn die Bearbeitung angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen nicht immer sofort erfolgen könne, betonte Merkel am Donnerstag.

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