Merkel bei Anne Will
„Man fragt sich, wer sich hinter Mutti versteckt“

Im Interview mit Anne Will gab sich Angela Merkel gewohnt vage. Wahlversprechen? Ansage des politischen Kurses? Fehlanzeige. Für die meisten Gäste der Talk-Show schien das kaum ein Problem zu sein.
  • 8

DüsseldorfIm Studio von Anne Will gab sich Angela Merkel (CDU) bescheiden: „Kein Mensch ist alternativlos“, sagte die Kanzlerin im Interview zur Sendung mit dem Thema „Merkels Entscheidung – das richtige Signal in unsicheren Zeiten?“.

Den Alternativen den Weg freimachen möchte die Kanzlerin aber nicht – am Sonntagabend gab sie offiziell bekannt, bei der Wahl 2017 als Kandidatin antreten zu wollen. Zwar erinnere sie sich an ein Interview Ende der Neunziger, in dem sie sagte, mit Politik aufhören zu wollen, bevor sie als ein politisches Wrack enden müsse: „Aber ich habe in den Spiegel geguckt und festgestellt, dass ich das noch nicht bin.“

Auch die anderen Gäste im Studio schienen der Meinung zu sein, dass das Schiff „Merkel“ Deutschland noch eine Weile tragen könne. Allen voran Giovanni di Lorenzo. Der „Zeit“-Chefredakteur argumentierte – untypisch für sein Medium – aus einer Position der Angst heraus.  „Wir sollten uns fragen, wie wir heute diskutieren würden, wenn Merkel es nicht machen würde“, sagte er. In Europa krisele es schließlich, Rechte wie Marine Le Pen in Frankreich und Geert Wilders in den Niederlanden seien auf dem Vormarsch. Dass Merkel aber – zumindest im Interview – keine klare Antwort auf die Frage nannte, wie diesen Populisten zu begegnen sei, sah er ihr nach: „So macht sie eben Politik.“

In ihrem Gespräch mit Will blieb die Kanzlerin vage. Immer wieder betonte sie, wie lange sie über die erneute Kandidatur nachgedacht habe, wie sie sich fragte, was sie dem Land und ihrer Partei noch geben könne. Sie stelle sich auf eine schwierige Wahl ein. Und nein, sie werde nicht sagen, ob sie auch dann noch angetreten wäre, wenn Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl nicht gewonnen hätte (obwohl Will sie das zweimal gefragt hat).

Eine „Politik von Maß und Mitte“, deren Ziel es sei, den „Zusammenhalt der Gesellschaft“ zu beschwören, wolle Merkel fortsetzen. Ein möglicher Rechtsruck, um AfD-Wähler abzufangen? Nicht doch. Nur einmal stockt Merkel, als die Moderatorin sie fragt, ob sie wirklich antreten wolle oder ob sie glaube antreten zu müssen. Die Pause ist minimal, dann findet die Kanzlerin in ihren gewohnten Ton zurück. Ja, sie wolle, lautet die Botschaft, vorhersehbar und einlullend.

Seite 1:

„Man fragt sich, wer sich hinter Mutti versteckt“

Seite 2:

Schöne, alte Merkel-Welt

Kommentare zu " Merkel bei Anne Will: „Man fragt sich, wer sich hinter Mutti versteckt“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Leider hat sich bei Anne Will gezeigt, dass die Deutsche Elite, Presse, Kirche ,
    Islam, Wirtschaft Kunst und Umfrage Institute im nächsten Jahr massiv für Merkel
    den Wahlkampf wie in den USA für Clinton mitführen. Die Deutsche Clinton muss gewinnen
    jeder Koalitionspartner ist da zweitrangig.

    Das liest man aus der zahmen Fragerunde von Anne Will raus.

    Die Bürger habe ich nicht mit aufgeführt , hier wird sich zeigen wie gut die Manipulationen auf die Wähler einwirken . In den USA hat es zum Glück nicht funktioniert. Aber Deutsche Wähler in der Demokratie weiterhin noch Anfänger ?

  • @Lothar dM

    Grund für das „auf Sicht fahren“ kann sowohl Weitblick, aber auch extreme Kurzsichtigkeit sein.

    Was die Systemmedien angeht – wundert es Sie etwa, dass die gegen Jeden hetzen, der dem System gefährlich werden kann? Vornweg die ÖR, die im gleichen Boot sitzen wie das schmarotzende Pack der politischen Machtelite.

    Meine Erkenntnis aus der gestrigen AW-Sendung war, dass keine der armseligen Figuren aus der Politik wählbar ist, denn die resistent gegen die Einsicht, dass es mit denen weder ein „weiter so“ noch „wir müssen erklären, respektive korrigieren“. Abgesehen davon, dass sich ausgerechnet die Problemverursacher als „einzig vorstellbare Problemlöser“ darstellen (natürlich wie immer erst vor einer wichtigen Wahl), geht es Denen lediglich um den Erhalt ihrer Fresströge.

    In diesem Zusammenhang ist gestern (20.11.) in der WiWo ein analytisch sauberer und mit ausgezeichneter Zustandsbeschreibung Artikel von Herrn Knauß erschienen.

    - Ein "Mutmacher" und andere Hasenfüße -

    Diesen Artikel zu lesen sollte man sich auf jeden Fall „antun“.

  • Merkel steht vor allem für Stabilität... hinsichtlich einer einfältigen, emotional getriebenen Politik einer starrsinnigen, machtbesessenen und ihre Widersacher ausschaltenden, alten Frau, die ihr Land und Europa sukzessive an die Wand fährt, ohne dass es dafür auch nur irgendeinen Grund gibt und sie persönlich davon profitiert, weder monetär noch sonstig.
    Dummheit kennt keine Grenzen und welch peinliche Situation, dass es für diese Vollkatastrophe in Person angeblich keine Alternative gibt! Wo seid Ihr Politikertypen mit EIERN in der Hose, welche ihr endlich mal den Stab aus der Hand nehmen!!?? Und ja, Angela, gestern hast Du uns zum 10.000sten Mal bewiesen, dass Du die Meisterin im Reden OHNE etwas dabei zu sagen bist. Der Darwin Award (nicht der Friedensnobelpreis) sei Dir sicher!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%