Merkel bietet Wirtschaft Hilfe an
Deutschland kämpft um Rohstoffe

Die weltweite Verknappung von Rohstoffen ist für die deutsche Wirtschaft seit einigen Jahren ein wichtiges Thema. Eins, dem sich nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel annimmt. Im Kampf gegen Verteuerungen und Verknappungen auf den internationalen Rohstoffmärkten bietet Merkel Hilfe an.

BERLIN. Merkel kündigte beim Rohstoffkongress des BDI eine entsprechende Initiative der Bundesregierung an. Außerdem appelierte sie an die Wirtschaft, sich an ausländischen Rohstofflieferanten zu beteiligen. Hintergrund sind die mit harten Bandagen geführten internationalen Verteilungsgefechte um metallische Rohstoffe wie Kupfer, Zink, Nickel und Wolfram, die für bestimmte Branchen unverzichtbar sind.

Merkel räumte ein, Europa habe ein Tempoproblem. China agiere bei der Besetzung relevanter Rohstoffmärkte schneller und zielstrebiger. „Wo auch immer wir hinkommen auf der Welt – oft waren die Politiker anderer Länder schon da, die sich Rohstoffe auf Jahre hinaus gesichert haben“, sagte Merkel.

Angesichts dieser Entwicklung bedürfe es einer neuen Herangehensweise, sagte die Kanzlerin. Sie kündigte die Gründung eines interministeriellen Ausschusses an, der beim Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt wird. Der Ausschuss soll – in engem Kontakt mit dem BDI – Wirtschafts- und Rohstoffexperten mit Fachleuten der Außen- und Sicherheitspolitik, der Forschungs-, Sicherheits-, Entwicklungs- und Europapolitik an einen Tisch bringen.

Außerdem will die Bundesregierung Vorhaben der deutschen Wirtschaft zum Abbau und Einkauf von Rohstoffen finanziell unterstützen. Dazu sollen vorhandene Garantieinstrumentarien gestärkt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei ungebundene Finanzkredite mit Bundesdeckung für Rohstoffvorhaben, die so genannten Rohstoff-UFKs. Sie beziehen sich auf unternehmerische Beteiligungen an Rohstoffgewinnungsprojekten oder Finanzierungsbeteiligungen, durch die langfristige Lieferbeziehungen abgesichert werden können. Diese Möglichkeiten sind in den vergangenen Jahren von der Industrie nur wenig genutzt worden – obwohl die geförderten Projekte sich insgesamt erfolgreich entwickelt haben. Regierung und BDI wollen nun beraten, wie dieses Instrument sinnvoll weiterentwickelt werden könne, heißt es in einem Strategiepapier der Bundesregierung.

Merkel kündigte außerdem an, man werde die Informationsmöglichkeiten der Wirtschaft über die Entwicklung der internationalen Rohstoffmärkte in Zusammenarbeit mit den Botschaften verbessern. Außerdem formulierte die Kanzlerin das Ziel, die gesamtstaatliche Rohstoffproduktivität bis 2020 zu verdoppeln, um die Rohstoffabhängigkeit zu verringern. Merkel sagte zu, die Bundesregierung werde sich für faire Rahmenbedingungen im internationalen Rohstoffhandel stark machen. Zugleich appellierte sie an die Wirtschaft, die Bezugsquellen zu diversifizieren und auch über Beteiligungen an ausländischen Rohstofflieferanten nachzudenken. „Ohne langfristiges Denken werden wir nicht auskommen“, sagte Merkel.

Die weltweite Verknappung von Rohstoffen ist für die deutsche Wirtschaft seit einigen Jahren ein wichtiges Thema. Sie spiegelt sich in der Preisentwicklung wider. Die Rohstoffpreise sind laut Rohstoffindex des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archives (HWWA) von Anfang 2003 bis Ende 2006 insgesamt um über 80 Prozent gestiegen. In einzelnen Teilbereichen, etwa bei Eisenerzen und Stahlschrott, fiel der Anstieg noch wesentlich stärker aus.

Seite 1:

Deutschland kämpft um Rohstoffe

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%