Merkel, Gauck und die US-Spähaffäre : Die Drückeberger

Merkel, Gauck und die US-Spähaffäre
Die Drückeberger

Die Spähaffäre zieht Kreise. Der deutsche Geheimdienst soll eng mit der NSA kooperiert haben. Die Kanzlerin schweigt – und der Bundespräsident auch. Dabei hat der sich einst als Kämpfer gegen Spitzeldienste profiliert.

BerlinAngesichts neuer Erkenntnisse über eine enge Zusammenarbeit der deutschen Geheimdienste mit dem US-Nachrichtendienst NSA werden Stimmen laut, die ein Eingreifen von Bundespräsident Joachim Gauck fordern. Politiker von SPD, Grünen und Linken halten das Krisenmanagement der Bundesregierung für inakzeptabel und hoffen daher auf mahnende Worte des Staatsoberhaupts.

Politisch verantwortlich für den Umgang mit der Affäre ist unterhalb von Kanzlerin Angela Merkel ihr Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (beide CDU) und darunter dann die beiden Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes und des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Die Opposition erhofft sich nun von Gauck, dass er die Bundesregierung in der Spähaffäre zur strikten Einhaltung der Bürgerrechte auffordert. „Ich würde mir wünschen, wenn Bundespräsident Gauck die Bundesregierung an ihre Verantwortung zum Grundrechtsschutz mahnend erinnern würde“, sagte Grünen-Bundesvorstandsmitglied Malte Spitz Handelsblatt Online. „Es wäre ein starkes Signal, würde der Bundespräsident Angela Merkel und ihre Bundesregierung auffordern, endlich ernsthaft für einen effektiven Grundrechtsschutz der Bürger einzutreten, konkrete Schritte beim Datenschutz und der Abwehr von Spionage anzugehen, die massenhaften Datenaustäusche zu beenden und der Aushöhlung unserer Freiheitsrechte ein Ende zu setzen.“

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, zeigte sich irritiert über Gaucks Schweigen. „Sein Wort könnte die Kanzlerin zum Reden zwingen“, sagte er Handelsblatt Online. Einen Grundrechterabatt für Verbündete dürfe es nicht geben. Für ihn dränge sich der Verdacht auf, „dass Gauck seine eigenen Versäumnisse als Chef der Stasiunterlagenbehörde jetzt einholen und bremsen“, sagte Riexinger weiter. Schon kurz nach der deutschen Einheit sei in seiner Behörde viel über das Ausmaß der US-Spitzelei bekannt gewesen, und das Wissen sei im Giftschrank verschwunden. „Gauck wäre gut beraten, sich ehrlich zu machen und Merkel zur Ehrlichkeit zu zwingen“, betonte der Linksparteichef. „Es wäre Zeit für ein präsidiales Wort über die Unveräußerlichkeit der Grundrechte.“

Der Bundespräsident sieht indessen keine Veranlassung, in die derzeitige Debatte einzugreifen. Ein Sprecher des Präsidialamts wies im Gespräch mit Handelsblatt Online darauf hin, dass Gauck sich bereits mehrmals „ausführlich“ zu der Thematik geäußert habe. Er verfolge die Debatte aufmerksam. Zur Rolle der Bundesregierung wollte er jedoch keine Stellung beziehen. „Verfassungsorgane kommentiert der Bundespräsident nicht“, sagte der Sprecher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%